Die Ausgewogenen

Alles im Lot im neuen Kabinett Seehofer? Die CSU-Kontrahenten werden durch geschickte Ressort-Zuschneidungen in Balance gebracht – aber es gibt eine heimliche Siegerin. Und das weckt Neid.
| Angela Böhm
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Alle neutralisiert und im Gleichgewicht – Horst Seehofer hält seine potenziellen Nachfolger Ilse Aigner, Markus Söder, Joachim Herrmann und Christine Haderthauer in der Balance.
Montage: Peter Diehl Alle neutralisiert und im Gleichgewicht – Horst Seehofer hält seine potenziellen Nachfolger Ilse Aigner, Markus Söder, Joachim Herrmann und Christine Haderthauer in der Balance.

Alles im Lot im neuen Kabinett Seehofer? Die CSU-Kontrahenten werden durch geschickte Ressort-Zuschneidungen in Balance gebracht – aber es gibt eine heimliche Siegerin. Und das weckt Neid

MÜNCHEN Es ertönte eine Harfe, als Bayerns Kronprinzessin und Vizeministerpräsidenten Ilse Aigner gestern in ihr neues Wirtschaftsministerium einzog. Zuvor hatte König Horst sie wochenlang mit Schalmeienklängen eingenebelt und als künftige Super-Ministerin gefeiert. Allerdings hat er ihr neues Reich nur vorne schön herauspoliert, hinten dafür aber kräftig gestutzt. „Ein Danaergeschenk“, erklärte ein Insider der AZ (siehe Kasten). Das Wirtschaftsministerium sei nun schwächer als bisher unter FDP-Mann Martin Zeil.

Sein Machtgefüge hat Horst Seehofer genau ausbalanciert, so dass ihm niemand zu mächtig wird. Das Kronprinzenpaar Ilse Aigner und Markus Söder hatte er schon neutralisiert, in dem keiner der beiden den Vorsitz der CSU-Fraktion übernehmen durfte und nun beide unter seiner Fuchtel im Kabinett sitzen.

Dort hat er sie noch mal eingenordet: mit Hilfe von Innenminister Joachim Herrmann, der bisher als Reserve-Kronprinz galt, und Christine Haderthauer, die als Sozialministerin schon aus dem Rennen schien. Nun verhalf ihr Seehofer zum Comeback. Er machte sie zu seiner rechten Hand und zur stärksten Staatskanzlei-Ministerin, die es je gab. Noch stärker als einst Erwin Huber neben Edmund Stoiber. So kann sich König Horst entspannt zurücklehnen. Das Quartett wird sich gegenseitig in Schach – und in der Waage – halten.

Mit einer ausklügelten Machttechnik hat Seehofer alle ins Gleichgewicht gebracht. Aigner darf sich Vizeministerpräsidentin nennen und ist zuständig für die Energiewende. Das klingt wuchtig. Dafür aber hat Seehofer ein Herzstück aus dem Wirtschaftsministerium herausgeschnitten: Die Verkehrsabteilung mit 50 Stellen. Sie ist zuständig für das gesamte Schienennetz, von der zweiten Stammstrecke in München über die S-Bahn bis zum Regionalverkehr. Dazu kommen alle Flughäfen, die dritte Startbahn sowie die Wasserstraßen und der Donauausbau.

Diesen dicken Brocken mit einem Super-Etat von über einer Milliarde Euro pro Jahr bekommt Innenminister Joachim Herrmann dazu. Als Zuckerl, dass er nicht Vizeministerpräsident geworden ist, obwohl er an der Reihe gewesen wäre. Schon in der schwarz-gelben Koalition war Herrmann zweiter Vize. Das bleibt er nun und genießt: „Ich bekomme viel Arbeit.“

Auch die Abteilung Landesentwicklung mit 30 Stellen muss Aigner abgeben an ihren direkten Konkurrenten Markus Söder für sein neues Heimatministerium. Dazu erhält er von ihr auch noch den Ausbau des Internets, für den schon 500 Millionen Euro in den nächsten fünf Jahren bereit liegen. Söder gewinnt damit deutlich an Kompetenz.

Aigner darf sich dafür die versprengten Energie-Experten im Landwirtschafts- und Umweltministerium einverleiben. Seehofer übertrug ihr großzügig die Bioenergie. Das sind laut Landwirtschaftsministerium drei bis vier Stellen. Aus der Staatskanzlei schiebt er ihr die Abteilung Medien zu. „Das, was wir gewinnen, gleich sich durch die Verluste wieder aus und ist deshalb irrelevant“, heißt es in Aigners Reich.

Heimliche Siegerin im Machtspiel ist Christine Haderthauer. Die schneidige Juristin, die mit klaren Ansagen schockt, ist zurück im Rennen um die Nachfolge von Seehofer. Sie ist nun „geschäftsführende Ministerpräsidentin“ bei allem, was Seehofer nicht selber macht. Im Bundesrat soll sie Nordrhein-Westfalens SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und den anderen SPD-regierten Ländern Kontra geben. Daheim ist sie Seehofers Allzweckwaffe mit „Sonderaufgaben“. Das weckt schon wieder Neid im Quartett.

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