Söder Kanzler - was denkt eigentlich die CSU darüber?

In der CSU freunden sich viele mit dem Gedanken an eine Kandidatur von Markus Söder für das Kanzleramt an – aber einigen liegt Bayern auch mehr am Herzen.
| Ralf Müller
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Markus Söder vor der deutschen Flagge. Wie hoch sind seine Chancen auf eine Kanzlerkandidatur?
Peter Kneffel/dpa/Pool/dpa 2 Markus Söder vor der deutschen Flagge. Wie hoch sind seine Chancen auf eine Kanzlerkandidatur?
Ihr berühmtes verschmitztes Lächeln: Angela Merkel am Mittwoch zu Beginn der Kabinettssitzung im Kanzleramt.
Michael Kappeler/dpa-pool/dpa 2 Ihr berühmtes verschmitztes Lächeln: Angela Merkel am Mittwoch zu Beginn der Kabinettssitzung im Kanzleramt.

München – Vor der Corona-Krise war die Stimmungslage in der CSU ziemlich eindeutig. Die meisten christsozialen Politiker rieten ihrem Vorsitzenden Markus Söder, die Finger von einer Unions-Kanzlerkandidatur zu lassen. Nach Ausbruch der Pandemie und dem demoskopischen Höhenflug des CSU-Chefs hat sich die Stimmung ein wenig verändert. Jetzt kann sich so mancher CSU-Partei- gän- ger Söder als Kanzlerkandidat und Kanzler durchaus vorstellen.

"Er ist ein exzellenter Ministerpräsident und würde sicher auch ein exzellenter Bundeskanzler sein", sagte der stellvertretende Vorsitzende der CSU-Landtagsfraktion Karl Freller. Nach dringendem Abraten hört sich auch nicht an, was die Vorsitzende der CSU-Frauenunion Ulrike Scharf zu diesem Thema zu sagen hat: Söder "hat absolut die Fähigkeiten und Voraussetzungen, Deutschland in eine gute Zukunft zu führen".

Ex-Justizminister Winfried Bausback (CSU) geht noch einen Schritt weiter: Wenn dem CSU-Chef die Kanzlerkandidatur angetragen werde, "sollte er sich dieser Aufgabe nicht verweigern". Söder sei in der Lage, die schwierigen Jahre, die Deutschland und Europa bevorstünden, "mit Engagement und Weitblick zu meistern".

"Söder hat in Bayern eigentlich noch etwas gutzumachen"

Aber es gibt nach wie vor warnende Stimmen. Zu denen gehört der frühere Staatskanzleiminister Eberhard Sinner. Söders Umfragen seien zwar gut, aber das könne sich ändern, gibt er zu bedenken. Seine eigene Glaubwürdigkeit, geronnen in dem wiederholten Bekenntnis: "Mein Platz ist in Bayern", stehe auf dem Spiel, meint Sinner und: "Nach dem nicht berauschenden Ergebnis der letzten Landtagswahl hat er in Bayern eigentlich noch etwas gutzumachen".

In die Annalen der Parteigeschichte könne man nicht nur eingehen, wenn man erster CSU-Kanzler der Bundesrepublik wird, sondern auch, wenn man für die CSU die absolute Mehrheit im bayerischen Landtag zurückerobere, gibt ein aktiver CSU-Politiker zu bedenken. Ein anderer, der die Stimmungslage in der Landtagsfraktion sehr gut kennt, geht davon aus, dass derzeit die Mehrheit der Landespolitiker für ein Verbleiben Söders in Bayern plädiert. Für die Landtagswahl 2023 wäre das eine "optimale Konstellation".

Ihr berühmtes verschmitztes Lächeln: Angela Merkel am Mittwoch zu Beginn der Kabinettssitzung im Kanzleramt.
Ihr berühmtes verschmitztes Lächeln: Angela Merkel am Mittwoch zu Beginn der Kabinettssitzung im Kanzleramt. © Michael Kappeler/dpa-pool/dpa

Entscheidung auf dem CDU-Parteitag

Einig ist man sich in der CSU, dass Vordrängeln auf jeden Fall der falsche Weg wäre. "Das Amt kommt zum Mann, nicht der Mann zum Amt", sagt Sinner. Ob Kanzlerkandidat oder nicht entscheidet sich zuerst auf dem Parteitag der CDU, sagt der CSU-Bundestagsabgeordnete Max Straubinger. Weiter: "Sollte die CDU das an den CSU-Parteivorsitzenden herantragen ist man in der Pflicht".

Die Gegenmeinung wird auch vertreten: Besser wäre die Rückeroberung der absoluten Landtagsmehrheit 2023 "und in Berlin Beute machen", empfiehlt ein anderer Mandatsträger. "Momentaner Jubel hat eine Bestandsgarantie gleich null", bremst der Vorsitzende der CSU-Seniorenunion und Ex-Minister Thomas Goppel die Kanzler-Begeisterung und lobt Söder für seine Standhaftigkeit gegenüber Kandidaten-Spekulationen.

Macht Laschet der CSU einen Strich durch die Rechnung?

Der CDU-Parteitag könnte Ergebnisse zeitigen, die bei der kleineren Schwesterpartei gar nicht gut ankommen. Das wäre der Fall, würde man den nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) zum Vorsitzenden und damit zum geborenen Kanzlerkandidaten küren, den viele in der CSU für den Falschen halten. Einen Bundestagswahlkampf der CSU für einen gemeinsamen Kandidaten Laschet können sich einige nur schwer vorstellen. Das könnte zum Problem werden.

Dass CDU-Haudegen Friedrich Merz vielen in der CSU besser passt, ist nichts Neues, wird aber von den Jüngeren als deplatzierte "Nostalgie" bewertet. Sympathie in der CSU genießt auch einer, der gar nicht kandidiert: Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

Einfach wird die Einigung von CDU und CSU nach einem gemeinsamen Kanzlerkandidaten daher wohl nicht. "Nach meiner Einschätzung", sagt der in der CSU immer noch gut vernetzte Ex-Vorsitzende Erwin Huber, "hätte Markus Söder innerhalb der CSU uneingeschränkt Unterstützung bei einer Kanzlerkandidatur, weil er es sicher viel besser könnte als Olaf Scholz oder Robert Habeck". Auf diese Formel kann sich die CSU sicher einigen.

Lesen Sie hier: Merkel-Söder-Treffen - Extrawürste, die verdrießlich machen

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