Christian Lindner - Der Retter vom Abstellgleis

Drei Monate nach seinem Rücktritt kehrt Christian Lindner zurück - und soll zeigen, dass die FDP doch noch eine Chance haben kann  
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Drei Monate nach seinem Rücktritt kehrt Christian Lindner zurück - und soll zeigen, dass die FDP doch noch eine Chance haben kann

DÜSSELDORF Vor drei Wochen schilderte Christian Lindner die Vorzüge seines neuen Lebens nach dem Rücktritt: der entschleunigte Alltag, die Zeit für grundsätzliche Gedanken. Jetzt lebe er nicht mehr von der Hand in den Mund, intellektuell gesehen, sagte der FDP-Mann der SZ. Das hat sich schlagartig geändert: Der 33-Jährige soll nichts weniger als die FDP retten. Er übernimmt das Himmelfahrtskommando in NRW. Und es geht um viel mehr – den Preis hat FDP-Chef Philipp Rösler gleich ordentlich hochgetrieben: „Es geht um die Frage: Wird es in Zukunft noch eine liberale Partei geben?“

Lindner nimmt den Ball offensiv an: „Das ist für uns eine entscheidende Wahl. Wir müssen nach schwierigen Monaten zeigen, dass die FDP wieder wähl- und unterstützbar ist.“ „Wir“ soll heißen „ich“. Wenn es jemand schaffen kann, dann er, heißt es an der Basis. Eine Stunde lang hatten sich Landeschef Daniel Bahr, Landtagsfraktionschef Gerhard Papke und Lindner Donnerstag Abend in einem Hotel zurückgezogen, um auszudiskutieren, wer von den dreien antritt. Draußen wartete der Landesvorstand, auch Bundesparteichef Philipp Rösler ist angereist.

Als sie rauskommen und Lindner als Kandidaten präsentieren (Bahr übergibt ihm auch gleich noch den Landesvorsitz), hellen sich die Mienen der FPD-Politiker sichtlich auf. „Der Offizier der Reserve kommt aus der Reserve!“, jubelt Vorstandsfrau Petra Müller. Bei der CDU heißt es erleichtert, dann gebe es ja vielleicht doch noch eine Chance für Schwarz-Gelb.

Auch Rösler preist Lindner, der Mitte Dezember als Generalsekretär hingeworfen hatte – aus Enttäuschung über eben Rösler. Damals war der FDP-Chef düpiert, nichtmal sein eigener Generalsekretär glaubt mehr an ihn. Jetzt sagt er über Lindner: „Ich bin sehr froh und dankbar, dass er zurückgekehrt ist. Wir schicken unseren besten Mann ins Rennen.“ Und: Die FDP habe „unheimlich gute Chancen“, so Rösler.

Das ist stark übertrieben. In den Umfragen krebst sie bei zwei Prozent herum. Lindners Job ist es, sie in den acht Wochen bis zur Wahl am 13. Mai irgendwie über fünf Prozent zu hieven. Viel zu verlieren hat er nicht: Tiefer runter kann es für die FDP kaum gehen. Schafft er es aber tatsächlich, die Stimmung im größten Bundesland zu drehen, stehen ihm alle Ämter offen – inklusive das von Rösler. Und er hätte bewiesen, dass die FDP auch bundesweit vielleicht doch noch eine Chance hat.

Eine große Aufgabe für einen 33-Jährigen – und die Basis setzt in ihren Liebling, ihre Lichtgestalt große Erwartungen. Lindner ist auf den ersten Blick eine Art politisches Wunderkind: mit 14 in die FDP, mit 21 Abgeordneter im Landtag von NRW, mit 24 Generalsekretär der dortigen Landespartei. Rhetorisch brillant, kommunikativ, charmant, gut aussehend: „Bambi“ nennen ihn manche mit leisem Spott. Doch das allein reicht nicht, um seinen Ruf zu erklären – smarte Yuppies gibt es in der FDP genug.

Er hat auch einen intellektuellen Überbau und als Generalsekretär zwei Jahre an einem neuen Parteiprogramm gearbeitet, das wegwollte von der Verengung auf Steuersenkungen und der Fixierung auf die Union. Er hat (anders als sein früherer Förderer Guido Westerwelle) Gespür für Stimmungen in der Öffentlichkeit: So hat er als einziger hoher FDP-Mann das Steuergeschenk an die Hoteliers schlicht als Fehler bezeichnet und hält auch sonst wenig von Beschönigungen. Jetzt muss das Wunderkind zeigen, ob es auch sein Gesellenstück meistern kann

 

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