Bundestagswahl 2017: Letzter Wahlkampf von Angela Merkel - CDU sucht Nachfolger

Weil dies wohl ihr letzter Wahlkampf als Kanzlerin sein dürfte, wird in der CDU der Ruf nach einem Generationenwechsel laut. Einige Kandidaten stehen bereits in den Startlöchern.
| Martin Ferber
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Angela Merkel geht in ihren letzten Bundestagswahlkampf.
Oliver Berg/dpa Angela Merkel geht in ihren letzten Bundestagswahlkampf.

Berlin -  Am Anfang ihrer politischen Karriere wusste Bundeskanzlerin Angela Merkel ganz genau, wie sie nicht enden wollte. "Ich möchte irgendwann den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg aus der Politik finden", sagte sie, um im gleichen Atemzug zuzugeben: "Das ist viel schwerer, als ich mir das früher immer vorgestellt habe. Aber ich will dann kein halbtotes Wrack sein, wenn ich aus der Politik aussteige."

Das war vor 19 Jahren, im November 1998, kurz nach der schweren Niederlage der Union gegen SPD-Kanzlerkandidat Gerhard Schröder bei der Bundestagswahl und dem Ende der Ära Kohl. Bundeskanzlerin Angela Merkel, unter Helmut Kohl Ministerin für Frauen und Jugend (1991 – 1994) und für Umwelt (1994 – 1998) stand damals vor einem Neuanfang, nachdem sie vom neuen CDU-Vorsitzenden Wolfgang Schäuble zur Generalsekretärin ernannt worden war, niemand, nicht einmal sie, konnte sich vorstellen, zwei Jahre später selber CDU-Chefin und weitere fünf Jahre später Bundeskanzlerin zu werden.

Partei will Generationenwechsel

Mittlerweile steht Merkel bereits seit zwölf Jahren an der Spitze der Regierung und bewirbt sich um eine vierte Amtszeit, womit sie ihre bedeutenden Vorgänger Konrad Adenauer und Helmut Kohl ein- und überholen könnten, die 14 und 16 Jahre regiert und jeweils auf ihre Art eine ganze Ära geprägt haben.

Wenn sie auch selber ein großes Geheimnis um ihre Zukunft macht, so gilt es in der Union als ausgemacht, dass dies definitiv ihr letzter Wahlkampf als Kanzlerin ist. Nach der Wahl, sagen nicht wenige Christdemokraten, müsse es in der Partei wie in der Regierung zu einem Generationenwechsel kommen, um die Weichen für die Wahl in vier Jahren zu stellen.

"Jetzt muss Merkel die Weichen für ihre Nachfolge stellen", heißt es im Wirtschaftsflügel, "es muss Klarheit herrschen, wohin die Reise geht." Bundeskanzlerin Angela Merkel hüllt sich allerdings in Schweigen. "Jetzt kämpfe ich erst mal dafür, noch mal gewählt zu werden. Und dann schauen wir mal", sagte sie dieser Tage.

"Personalreserven sind schon da"

Das nährt Spekulationen und befeuert die parteiinterne Debatte. Mit Blick auf die gewonnenen Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr richtete Daniel Günther, der erst 44-jährige neue Regierungschef in Kiel, vor wenigen Tagen den Blick schon mal auf den Nachwuchs der Union im Bundestag und den Ländern. Es habe sich, "historisch untypisch", während einer CDU-Kanzlerschaft eine neue Riege von Ministerpräsidenten aufgebaut, "die zusammen mit vielen weiteren jüngeren Leuten in Regierungsverantwortung eine Fülle von Potenzial für eine Nach-Merkel-Ära garantieren.

Ähnlich hatte sich auch Finanzminister Wolfgang Schäuble, der wenige Tage vor der Wahl seinen 75. Geburtstag feiert, Anfang des Jahres in einem Interview mit dem Magazin "The European" geäußert: "Im Schatten eines großen Baumes ist der Rasen oft nicht so stark entwickelt", sagte er mit Blick auf Merkel. Aber: "Personalreserven sind schon da."

Spahn der Topkandidat?

Namentlich führte Schäuble alle Ministerinnen und Minister der CDU im Bundeskabinett auf, nannte aber auch den früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten David MacAllister (46), den baden-württembergischen Innenminister, seinen Schwiegersohn Thomas Strobl (56), die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner (44) und den Chef der Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann (39).

Einen aber lobte Schäuble über den grünen Klee – seinen eigenen Staatssekretär, den erst 37-jährigen Westfalen Jens Spahn vom konservativen Flügel. Dieser gehöre schon jetzt "unbestritten zur erweiterten Führungsspitze", nachdem er sich "mit Mut" in einer Kampfkandidatur gegen den früheren Generalsekretär und jetzigen Gesundheitsminister Hermann Gröhe bei den Wahlen zum CDU-Präsidium durchgesetzt habe. "Wir brauchen solche Leute", so Schäuble über seinen "Ziehsohn", den er schon seit Jahren demonstrativ fördert. Wenn es davon "ein paar mehr" in der CDU gäbe – "umso besser".

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