Alter CSU-Vorschlag: Diese Partei will die dritte Amtszeit von Söder verhindern – per Volksentscheid

Die ÖDP will per Volksbegehren die Amtszeit des bayerischen Ministerpräsidenten einschränken. Das wollte einst auch mal die CSU. Nun sind aus der Fraktion andere Töne zu hören.
AZ/dpa |
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Markus Söder (CSU) will ein drittes Mal bayerischer Ministerpräsident werden. Bei der ÖDP erinnert man Söder an seinen eigenen Plan von 2018 und startet ein Volksbegehren.
Markus Söder (CSU) will ein drittes Mal bayerischer Ministerpräsident werden. Bei der ÖDP erinnert man Söder an seinen eigenen Plan von 2018 und startet ein Volksbegehren. © Peter Kneffel/dpa

Die von der ÖDP angestrebte Verfassungsänderung zur Begrenzung der Amtszeit von Bayerns Ministerpräsidenten soll nach Ansicht von CSU-Fraktionschef Klaus Holetschek primär Amtsinhaber Markus Söder schaden. "Natürlich nehmen wir Volksbegehren ernst. Die zentrale Frage lautet aber: Geht es den Initiatoren wirklich um die zeitliche Begrenzung von Macht oder eher darum, einen erfolgreichen Ministerpräsidenten per Gesetz aus dem Rennen zu nehmen?", sagte Holetschek. 

Nicht Fristen sollten entscheiden, sondern Wählerinnen und Wähler

"In einer Demokratie entscheiden darüber nicht starre Fristen, sondern die Wählerinnen und Wähler. Amtszeitbegrenzungen klingen zunächst attraktiv, schwächen aber in Wahrheit die Wahlfreiheit", betonte Holetschek. Es gehe um Leistung, Vertrauen und demokratische Legitimation. Gerade in schwierigen Zeiten brauche ein Land Stabilität und verlässliche Führung statt eines politischen Zwangswechsels. "Wer das Vertrauen der Menschen hat, muss sich auch weiterhin zur Wahl stellen können. Interessant ist auch, dass die AfD einen Gesetzentwurf mit der gleichen Intention für September angekündigt hat."

CSU-Fraktionschef Holetschek ist gegen eine Amtszeitbegrenzung - er vermutet hinter der Initiative der ÖDP eher den Plan, Ministerpräsident Söder eine dritte Amtszeit vorzuenthalten. (Archivbild)
CSU-Fraktionschef Holetschek ist gegen eine Amtszeitbegrenzung - er vermutet hinter der Initiative der ÖDP eher den Plan, Ministerpräsident Söder eine dritte Amtszeit vorzuenthalten. (Archivbild) © Malin Wunderlich/dpa

Die ÖDP Bayern hatte zuvor angekündigt, ein Volksbegehren zur Amtszeitbegrenzung auf den Weg bringen zu wollen. Sollte es erfolgreich sein, könnte dies theoretisch auch noch Folgen für die Landtagswahl in Bayern 2028 haben. In der CSU gilt es als gesetzt, dass Parteichef und Ministerpräsident Söder erneut als Spitzenkandidat antritt. Inwiefern eine Verfassungsänderung eine dritte Amtszeit von ihm im Falle eines Wahlsieges verhindern könnte, ist offen. Bei Volksbegehren müssen viele Fristen beachtet werden, die Umsetzung kann sich erheblich in die Länge ziehen.

Innenminister hat verfassungsrechtliche Bedenken

Auch CSU-Innenminister Joachim Herrmann hatte bereits in einer ersten Reaktion auf die ÖDP-Initiative Zweifel angemeldet: "Nach dem, was wir bisher hören, gehen wir davon aus, dass da schon erhebliche verfassungsrechtliche Bedenken dagegen stehen", sagte er der Deutschen Presse-Agentur in München. Es gebe "aus guten Gründen" in keinem der 16 Bundesländer und auch nicht beim Bundeskanzler eine Amtszeitbegrenzung für Regierungschefs. Letztlich sei es die "freie Entscheidung der Wähler und der Parlamente, darüber abzustimmen", wer Ministerpräsident werde, so Herrmann.

"In die laufende Amtszeit eines Amtsinhabers zu kommen, halte ich persönlich nicht für klug", sagte er. Verfassungsrechtlich fragwürdig sei es insbesondere, wenn ein Volksbegehren darauf abziele, Einfluss auf den jetzigen Amtsinhaber zu nehmen. "Wir werden das sehr sorgfältig prüfen und gegebenenfalls auch den Verfassungsgerichtshof prüfen lassen."

Bayerns SPD-Chef Sebastian Roloff sieht Söder mit Blick auf seinen eigenen Vorschlag von 2018 als "Ankündigungsweltmeister".
Bayerns SPD-Chef Sebastian Roloff sieht Söder mit Blick auf seinen eigenen Vorschlag von 2018 als "Ankündigungsweltmeister". © Armin Weigel/dpa

"Amtszeitbegrenzung großspurig versprochen, bis heute nicht umgesetzt"

Ins gleiche Horn stößt auch die Bayern-SPD und erinnert Ministerpräsident Markus Söder an sein eigenes Versprechen, die Amtszeiten von bayerischen Ministerpräsidenten zu begrenzen. "Markus Söder ist Ankündigungsweltmeister", so der SPD-Landesvorsitzende Sebastian Roloff gegenüber dem "Stern". Vor acht Jahren habe er eine "Amtszeitbegrenzung großspurig versprochen, umgesetzt hat er sie bis heute nicht“, sagt der SPD-Mann.

Die CSU-Fraktion hatte 2018 nach einer Initiative von Markus Söder im Landtag geschlossen für eine Amtszeitbegrenzung samt Verfassungsänderung gestimmt – darunter auch Herrmann und Holetschek. "Macht braucht Begrenzung", sagte Söder damals. Damals scheiterte das Verfahren jedoch an mangelnder Unterstützung von anderen Fraktionen – für eine Änderung der Verfassung ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig. Die ÖDP will seinen damaligen Gesetzesentwurf nun "eins zu eins" übernehmen. Die Ökopartei setzte bereits mehrere Volksbegehren erfolgreich durch. 

Roloff ergänzt gegenüber dem "Stern": "Dass jetzt ein Volksbegehren nötig wird, um ihn beim Wort zu nehmen, zeigt vor allem, dass man sich auf Markus Söders Wort nicht verlassen kann und es immer häufiger zum Bumerang für ihn wird." 

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  • Monika1313 vor 12 Minuten / Bewertung:

    Leben wir in einer Demokratie oder nicht?
    Ich finde das Vorhaben unglaublich. Ich bin kein Söder-Fan, aber wenn er gewählt wird, dann wird er gewählt. Ein Volksbegehren ist hier völlig fehl am Platz. Sorry, meine Meinung.

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  • Boandl_kramer vor 6 Minuten / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Monika1313

    In den USA ist die Amtszeit des Präsidenten auf maximal zwei Amtsperioden begrenzt. Aus Gründen, die auch in Deutschland gegeben sind.

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