Afghanistan-Fehleinschätzung: BND jetzt selbst unter Beobachtung

Es gibt starke Anzeichen für ein Versagen des Geheimdienstes. Die Opposition ist alarmiert - und fordert Aufklärung.
| Stefan Lange, Christian Grimm
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Hat der BND die Lage in Afghanistan falsch eingeschätzt? (Archivbild)
Hat der BND die Lage in Afghanistan falsch eingeschätzt? (Archivbild) © Kay Nietfeld/dpa

Die Lage im politischen Berlin wenige Tage nach dem Einmarsch der Taliban in Kabul: Es herrscht heilloses Durcheinander. Inmitten dem Chaos verfestigte sich nur eines, die Einschätzung, dass der Bundesnachrichtendienst (BND) daran einen Großteil der Verantwortung trägt.

Das Parlamentarische Kontrollgremium (PKGr) trat am Donnerstag in Berlin zusammen, um die Rolle des Auslandsgeheimdienstes zu beleuchten. Die neunköpfige Runde überwacht die drei deutschen Geheimdienste  - und tagt geheim. Nach AZ-Informationen bestätigte sich, dass der BND die Lage in Kabul falsch einschätzte. Eine Agentin erklärte noch am vergangenen Freitag, vor dem 11. September sei eine feindliche Übernahme Kabuls durch die Taliban eher unwahrscheinlich.

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Die Taliban, so der BND weiter, hätten kein Interesse an einem Kampf mit den US-Kräften. Sie könnten die afghanische Hauptstadt schließlich in wenigen Wochen übernehmen, ohne auch nur einen Schuss abzugeben. Eine fatale Fehleinschätzung, wie sich erwies.

"Dass Kabul so schnell fallen würde, hatte keiner auf dem Schirm"

In Sicherheitskreisen wurde zur Verteidigung des BND aber auch darauf hingewiesen, dass andere Geheimdienste zu ähnlichen Einschätzungen gekommen seien wie der BND. "Dass Kabul so schnell fallen würde, hatte keiner auf dem Schirm. Das war nicht nur beim BND so, sondern auch bei den Geheimdiensten anderer Länder", sagte FDP-Fraktionsvize Stephan Thomae, der auch dem PKGr angehört.

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Der Vize-Vorsitzende des PKGr, Konstantin von Notz (Grüne), meldete weiteren Informationsbedarf an. "Mein Eindruck war, dass die Dienste geliefert haben und wir ein Problem haben bei der Bewertung und der Gesamtbilderstellung aufseiten der Bundesregierung. Sie habe offenbar Probleme gehabt, die verschiedenen Informationen rechtzeitig zusammenzuführen.

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