Zwei-Klassen Zustellung bei der Deutschen Post: So funktioniert's in anderen Ländern

Zwei Geschwindigkeiten für verschieden wichtige Briefe: Das will die Deutsche Post. Wie machen es andere Länder in Europa?
| Martina Scheffler
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Niederländische Priority-Briefmarke auf einem Brief. Damit soll eine Zustellung fast auf die Stunde genau gewährleistet sein. Auch in Deutschland gibt es bereits den sogenannten PRIO-Service
Niederländische Priority-Briefmarke auf einem Brief. Damit soll eine Zustellung fast auf die Stunde genau gewährleistet sein. Auch in Deutschland gibt es bereits den sogenannten PRIO-Service © IMAGO/Panthermedia

Kommt die Zwei-Klassen-Zustellung für Briefe? Die Deutsche Post will weg von der 80-Prozent-Garantie für die Zustellung am nächsten Tag. Dafür sollen Briefe künftig, preislich gestaffelt, in zwei Geschwindigkeiten beim Empfänger ankommen.

Wahlmöglichkeit für Kunden

"Wir könnten uns vorstellen, unseren Kunden künftig eine Wahlmöglichkeit zu geben, ob die Briefe schnell zugestellt werden sollen oder ob sie etwas länger unterwegs sein dürfen, mit entsprechender preislicher Differenzierung", teilt die Deutsche Post auf AZ-Anfrage mit. "Wie ein solches Modell aussehen könnte, hängt von den künftigen Rahmenbedingungen ab", heißt es weiter. "Im Übrigen gibt es solche unterschiedlichen Zustellgeschwindigkeiten auch in vielen anderen europäischen Ländern."

Und wie sieht es in anderen Ländern genau aus?

Großbritannien: Die Royal Mail kennt Streiks in der jüngeren Vergangenheit ebenso wie die Deutsche Post. Bei Briefen gibt es die First Class, die eine Zustellung am nächsten Werktag - auch samstags - zum Ziel hat. Die Preise beginnen bei 95 Pence.

Second Class bedeutet, dass Briefe innerhalb von zwei bis drei Werktagen beim Empfänger ankommen, ebenfalls inklusive Samstag. Hier startet das Porto bei 68 Pence.

Teuer und kompliziert?

Frankreich: Die französische Post verlangt für den sogenannten lettre verte, der innerhalb von drei Tagen ankommen soll, bei einem Gewicht von bis zu 20 Gramm 1,16 Euro. Schneller geht es mit dem lettre services plus, der zudem auch verfolgt werden kann. Er kostet ab 2,95 Euro.

Österreich: "Schnell mit Prio, günstig mit Eco" - damit wirbt die Post bei unseren Nachbarn. Der Prio-Brief kostet ab einem Euro und ist am nächsten Werktag beim Empfänger, der Eco-Brief ab 0,81 Euro braucht zwei bis drei Werktage - und man muss vorfrankierte Kuvert-Sets verwenden, anderenfalls muss man den Brief in einer Postgeschäftsstelle abgeben.

Belgien: Das kleine Königreich bietet ebenfalls sogenannte Prior-Sendungen an, die entsprechend frankiert werden müssen. "Eine Zustellung am nächsten Werktag nach der Aufgabe ist nur bei einer Frankierung mit Prior-Briefmarken garantiert", schreibt die belgische Post.

Offenbar zeigen manche Kunden viel Fantasie beim Versand, denn die Post mahnt: "Eine Frankierung mit zwei Non-Prior-Briefmarken und der Ergänzung ,Prior' auf dem Brief macht daraus noch keine Prior-Sendung."

Die Kosten muss man auf der Homepage selbst ausrechnen: Zehn Non-Prior-Briefmarken kosten online 13,60 Euro, fünf Prior-Marken sind für 11,20 Euro zu haben.

Günstig heißt langsam

Schweiz: "Der Schnelle" und "Der Günstige" oder profaner A-Post und B-Post, das sind die Brief-Alternativen in der Schweiz. Eilige Eidgenossen berappen für den Standardbrief bis 100 Gramm 1,10 Franken und können dafür gewiss sein, dass die Sendung am nächsten Werktag ankommt. Gemütlichere Absender geben sich mit maximal drei Tagen Zustelldauer zufrieden und zahlen dafür nur 0,90 Franken.

Dänemark: Briefe und schnelle Briefe befördert die Post nördlich von Deutschland. Briefe mit einem Gewicht von bis zu 50 Gramm kosten zwölf Kronen und sind innerhalb von fünf Werktagen beim Empfänger, schnelle Briefe mit bis zu 100 Gramm Gewicht sind für 32 Kronen zu haben und brauchen nur einen Werktag, bis sie angekommen sind.

Haben wir das nicht schon?

Deutschland: Überraschung: Es gibt bereits die Zusatzleistung PRIO der Deutschen Post. Eine Online-Sendungsverfolgung ist im Preis bereits inbegriffen. Der Aufpreis zum jeweiligen Basis-porto beträgt 1,10 Euro, der Brief soll am folgenden Tag beim Empfänger sein.

Niederlande: Ganz genau nimmt es die niederländische Post. Wer Priority Mail nutzt und seinen Brief bis 17 Uhr einwirft, kann davon ausgehen, dass dieser bis 10 Uhr am Folgetag zugestellt wird. Dafür muss der Empfänger den Erhalt quittieren und der Wert ist bis 500 Euro versichert.

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Das ist nicht billig, dafür ist der Versand von Paketen von bis zu zwei Kilogramm möglich für den Preis von 30,30 Euro. Wem die Zustellung bis 12 Uhr am Folgetag reicht, der muss "nur" 24,80 Euro zahlen.

Das Ganze lohnt auch nur bei Paketen, denn auch mit Standardversand sollen Briefe innerhalb von 24 Stunden ihren Bestimmungsort erreicht haben. Und der Briefversand ist schon ab 1,01 Euro zu haben.

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