"Tatort" Ludwigshafen: Krimi nach Inferno verschoben

Nach der Feuerkatastrophe von Ludwigshafen ist die Lage weiter angespannt. Die ARD hat einen in Ludwigshafen spielenden "Tatort"-Krimi vorerst aus dem Programm genommen. Darin geht es um den Mord an einem deutsch-türkischen Imbissbesitzer.
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Nach der Feuerkatastrophe von Ludwigshafen ist die Lage weiter angespannt. Die ARD hat einen in Ludwigshafen spielenden "Tatort"-Krimi vorerst aus dem Programm genommen. Darin geht es um den Mord an einem deutsch-türkischen Imbissbesitzer.

Die ARD verschiebt wegen der Brandkatastrophe in Ludwigshafen den für Sonntag (10. Februar) geplanten „Tatort“ aus der rheinland-pfälzischen Stadt. Der im deutsch-türkischen Milieu spielende Krimi „Schatten der Angst“ mit Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) wird nun rund zwei Monate später am 6. April ausgestrahlt, wie der Südwestrundfunk (SWR) am Donnerstag in Stuttgart mitteilte.

SWR-Intendant Peter Boudgoust begründete die Entscheidung mit der Rücksicht auf eine große Trauergemeinde, deren Gefühle der Sender nicht verletzen wolle. Zugleich verbat er sich einen entsprechenden Aufruf des rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck (SPD).

"Nicht der richtige Zeitpunkt"

Am Sonntag wiederholt die ARD stattdessen den Lena-Odenthal-„Tatort“ „Roter Tod“ zum Thema Aids. Dem Brand vom Sonntag waren neun Menschen türkischer Herkunft zum Opfer gefallen.

Die Entscheidung war Boudgoust zufolge in enger Abstimmung mit der ARD-Programmdirektion in München sowie mit der Fernsehfilmkoordination getroffen worden. Die Verantwortlichen seien „der Auffassung, dass es nicht der richtige Zeitpunkt ist, diesen Film jetzt auszustrahlen, während überall im Land Menschen noch schockiert sind nach der Brandkatastrophe“, sagte der Intendant.

Beck: Notwendiger Hinweis an den Sender

Zudem habe in dieser Situation „die Gefahr bestanden, dass eine herausragende Tatort-Produktion völlig falsch verstanden wird“. Mit der aktuellen Diskussion, ob ein fremdenfeindlicher Anschlag den Großbrand ausgelöst haben könnte, habe die Handlung des Krimis aber nichts zu tun, betonte der Intendant. Stattdessen handele es sich bei „Schatten der Angst“ um eine stimmig inszenierte, spannende Liebesgeschichte.

Wenige Stunden vor Bekanntgabe der Entscheidung hatte Beck an die ARD appelliert, die „Tatort“-Folge aus dem Programm zu nehmen. „Mit Blick auf die Sensibilität der Bevölkerung“ halte er es für besser, den in Ludwigshafen gedrehten Film im Moment nicht auszustrahlen, sagte Beck, der auch Vorsitzender der Rundfunkkommission der Länder ist. Er habe es deshalb für notwendig gehalten, dem Sender einen entsprechenden Hinweis zu geben.

ARD braucht "keine Nachhilfe in Sachen Pietät"

Boudgoust kritisierte Beck. „Wir sind uns unserer eigenen Verantwortung bewusst und brauchen in Sachen Pietät keine Nachhilfe von der Politik“, sagte er. Die Verschiebung des „Tatorts“ sei seit Bekanntwerden des Brands diskutiert worden. Eine Entscheidung von dieser Tragweite müsse sorgfältig erwogen werden.

In „Schatten der Angst“ wird ein türkischer Unternehmer mit seinem eigenen Lieferwagen überfahren und stirbt. Die Ermittler vermuten nach ARD-Angaben zunächst die Tat eines Serientäters, der seit einiger Zeit türkischstämmige Geschäftsleute regelrecht hinrichtet.

Türkische Zeitungen hatten im Zusammenhang mit dem Hausbrand in Ludwigshafen über mögliche rechtsradikale Hintergründe berichtet. Polizei und Politiker in Deutschland, darunter Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU), warnten hingegen am Donnerstag vor voreiligen Schlüssen. (ddp)

Besuch bereits länger geplant

Erdogan, der zu einem länger geplanten Besuch nach Deutschland kam, wollte am Ort der Katastrophe einen Kranz niederlegen. Ob er auch Verletzte im Krankenhaus besuchen wird, blieb zunächst unklar.

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