Schmutziger Grünen-Wahlkampf soll CDU-Mann Manuel Hagel in Baden-Württemberg persönlich schaden
Wenige Tage vor der Landtagswahl im Ländle sorgt ein altes Internetvideo für Wirbel – und für viele Beobachter wirkt der Zeitpunkt alles andere als zufällig. Eine Bundestagsabgeordnete der Grünen, Zoe Mayer, hat einen Clip verbreitet, der ein Interview von Manuel Hagel aus dem Jahr 2018 zeigt. Das Video soll den CDU-Spitzenkandidaten in Verruf bringen.
Acht Jahre altes Interview von Manuel Hagel von Grüner neu veröffentlicht
Der Vorwurf: eine unbedachte Bemerkung bei einem Stammtischgespräch über einen Schulbesuch. Damals war der heutige CDU-Spitzenkandidat 29 Jahre alt, frisch im Landtag und Generalsekretär der CDU. Hagel berichtet in der Szene von einem Besuch an einer Realschule in seinem Wahlkreis. In der Klasse hätten damals 80 Prozent Mädchen gesessen: "Also da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen." Hagel geht auf eine Schülerin näher ein: "Ich werd’s nie vergessen, die erste Frage, sie hieß Eva, braune Haare, rehbraune Augen."
Manuel Hagel: Sprache in der Politik ist wichtig
Eigentlich möchte Hagel in dem Interview mit dem Beispiel ausdrücken, dass Sprache in der Politik wichtig ist und die Menschen erreichen muss. Rückblickend sagt er nämlich heute: "Der Einstieg für dieses Interview 2018 war Mist."
Damit wäre die Sache für viele eigentlich erledigt. Zumal das Video fast acht Jahre alt ist. Doch ausgerechnet jetzt, kurz vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg, wird der Ausschnitt erneut verbreitet. Kritiker sprechen deshalb von einem politischen Manöver und Wahlkampf aus der Mottenkiste.
CDU sechs Prozentpunkte vor den Grünen in Baden-Württemberg
Dass der Clip gerade jetzt auftaucht, dürfte kein Zufall sein. In aktuellen Umfragen liegt die CDU mit ihrem Spitzenkandidaten Manuel Hagel bei 28 bis 29 Prozent – rund sechs Prozentpunkte vor den Grünen. Vor diesem Hintergrund wirkt die Empörung für manche Beobachter wie ein Versuch, dem politischen Gegner kurz vor dem Wahltag persönlich zu schaden.
Der CDU-Politiker selbst geht offensiv mit dem alten Zitat um. Schon damals habe es zu Hause Kritik gegeben, sagt Manuel Hagel. Seine Frau habe ihm "den Kopf gewaschen". Seit 2016 sind Franziska und Manuel Hagel verheiratet – und Eltern von drei kleinen Söhnen im Alter von 7, 5 und 3 Jahren.
CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel gilt in seiner Partei als bodenständig und familienorientiert. Der Dreifach-Vater profiliert sich seit Jahren als pragmatischer Landespolitiker und wird von Unterstützern als vereinend und verbindlich beschrieben.
Gerade deshalb halten viele den Grünen-Angriff für überzogen. Ein unglücklicher Satz aus einem acht Jahre alten Gespräch sei kaum geeignet, den politischen Charakter eines Menschen zu definieren.
Je näher der Wahltermin rückt, desto härter wird der Ton. Eine Schmutzkampagne darf den Wählern im demokratischen Spektrum eigentlich nicht gefallen. Manche dürften sich fragen, ob diese Aktion nicht mehr über den Zustand des Wahlkampfs und die Erbitterung der Grünen verrät als über den Kandidaten selbst.
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