Greenpeace: Verzögerter Atomausstieg „tragisch“

Wegen der geplanten Laufzeitverlängerungen für Kernkraftwerke hat Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens die Bundesregierung und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) massiv kritisiert.
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München - Wegen der geplanten Laufzeitverlängerungen für Kernkraftwerke hat Greenpeace-Geschäftsführerin Brigitte Behrens die Bundesregierung und Kanzlerin Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) massiv kritisiert.

„Mit dieser Bundesregierung haben wir einen tragischen Rückfall“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa am Samstag in München. Dort feierte sie den 30. Geburtstag der Umweltschutz-Organisation. Die Signalwirkung einer Verlängerung sei weltweit fatal: „Deutschland war international ein Vorreiter in Umweltfragen – ein Rückschritt wird auch von Ländern wie China beobachtet.“

Wenn eine große Industrienation wie Deutschland nicht auf regenerative Energien setze, täten das andere Staaten auch nicht. „Deutschland verliert seine klimapolitische Reputation.“ Zur Drohung der Energie-Unternehmen, die Meiler abzuschalten, wenn die Gewinne mit einer neuen Steuer belegt werden, sagte Behrens: „Wunderbar! Wir würden das herzlich begrüßen.“ Ein Ausstieg sei bis 2015 möglich. Die sieben ältesten Kernkraftwerke müssten schon wegen der Gefahr von Terroranschlägen umgehend abgeschaltet werden.

„In der Bevölkerung sind laut Umfragen 70 Prozent dagegen, die Laufzeit zu verlängern“, ergänzte Behrens. Im Land fehle es zudem an einem klaren, gesellschaftlich akzeptierten Entwicklungsplan, wie die Umwelt geschützt und etwa der CO2-Ausstoß verringert werden solle. „Der Glaube daran, dass Politiker unsere Probleme lösen können, ist verloren gegangen“, sagte sie weiter. Unter der alten Regierung aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen sei es „partiell besser“ gewesen, aber auch nicht ideal.

Kritik äußerte Behrens zudem an Ölkonzernen wie BP. „Solange sich am Kerngeschäft – dem Öl – nichts ändert, kann von Umweltschutz nicht die Rede sein“, sagte sie vor dem Hintergrund der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko. Aus Protest gegen solche Bohrungen hatten Greenpeace-Aktivisten vergangene Woche die Ölplattform „Stena Don“ in der Arktis besetzt und die Probebohrungen nach Angaben der Organisation lahmgelegt. „In kalten Gewässern würde sich das Öl noch sehr viel schlechter abbauen“, erklärte Behrens nun, „ein Unfall dort hätte noch gravierendere Folgen als vor der Küste der USA“.

Dass auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesaußenminister Guido Westerwelle und Jürgen Großmann, Chef des Energieriesen RWE, zum Jubiläum gratulierten, zeigt laut Behrens, dass Greenpeace eine Organisation ist, die respektiert und gehört wird. Die Gratulationen seien allerdings „Glückwünsche von der falschen Seite“.

dpa

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