Erstmals mehr als eine halbe Million Studienanfänger

Ansturm auf die Hörsäle: An den deutschen Hochschulen gibt es erstmals mehr als eine halbe Million Studienanfänger.
| dpa
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Berlin/Wiesbaden - Mit 515 800 stieg die Zahl der Erstsemester gegenüber dem Vorjahr um 16 Prozent. Fächer wie Informatik, Maschinenbau, Elektrotechnik und Bauingenieurwesen verzeichnen sogar Rekordzuwächse bis zu 23 Prozent, meldete das Statistische Bundesamt am Mittwoch.

Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) forderte Bund und Länder auf, den Hochschulpakt zur Schaffung zusätzlicher Studienplätze bis 2013 nochmals um 3,8 Milliarden Euro aufzustocken. An vielen Hochschulorten sei die Situation zum Zerreißen gespannt.

Insgesamt studieren jetzt an den Hochschulen 2,4 Millionen junge Menschen, knapp 8 Prozent mehr als im Vorjahr. Der neue Studentenboom übertrifft alle Prognosen. Derzeit verlassen besonders geburtenstarke Abiturientenjahrgänge die Schulen. Hinzu kommen die Abschaffung der Wehrpflicht sowie doppelte Abiturientenjahrgänge in Bayern und Niedersachsen in Folge der Schulzeitverkürzung am Gymnasium.

HRK-Präsidentin Margret Wintermantel sprach von einem "Glücksfall für die Gesellschaft, dass so viele junge Menschen studieren wollen". Die Klagen der Wirtschaft über den Fachkräftemangel seien bei den jungen Menschen angekommen. Laut Bundesamt stiegen die Anfängerzahlen in Elektrotechnik um 22 Prozent, in Maschinenbau um 21 Prozent, in Informatik um 18 Prozent und in Bauingenieurwesen um 23 Prozent.

Bund und Länder hatten im Hochschulpakt vereinbart, für die geburtenstarken Jahrgänge von 2011 bis 2015 zusätzlich 335 000 Plätze für Studienanfänger gemeinsam zu finanzieren. Diese Zahl werde aber nach aktuellen HRK-Berechnungen schon bis 2013 um knapp 150 000 übertroffen werden, sagte Wintermantel. Dafür benötigten die Hochschulen dringend mehr Mittel. Auch das Deutsche Studentenwerk verlangte mehr Geld für Wohnheime und Mensen.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) sprach von einem ermutigenden Signal gegen den Fachkräftemangel. Der Bund unterstützte die Länder allein zwischen 2011 bis 2015 mit knapp fünf Milliarden Euro für neue Studienplätze. Hinzu kämen bis 2020 bis zu zwei Milliarden Euro für den "Qualitätspakt Lehre", der für bessere Studierbedingungen sorgen soll.

Schavan forderte die Länder auf, "dafür zu sorgen, dass das Geld aus dem Hochschulpakt auch vollständig bei den Studierenden ankommt". Wo es Engpässe gebe, etwa bei Vorlesungsräumen oder bezahlbarem Wohnraum, sollten die Länder ihren Einsatz weiter verstärken.

SPD, Grüne und Gewerkschaften forderten dagegen Schavan auf, unverzüglich mit den Ländern über eine weitere Aufstockung des Hochschulpaktes zu verhandeln. Kai Gehring von den Grünen warf Schavan Untätigkeit vor. Für die SPD nannte Swen Schulz die neuen Zahlen einen "Weckruf für die Koalition".

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind jetzt zum Wintersemester 2011/2012 an den Universitäten rund 1,6 Millionen Studierende, an den Fachhochschulen rund 800 000 immatrikuliert.

Das Ende der Wehrpflicht lässt den Anteil der jungen Männern unter den Studienanfängern deutlich steigen: Die Zahl der männlichen Erstsemester kletterte um 23 Prozent auf 275 510, die der weiblichen nur um 9 Prozent auf 240 323. Der Frauenanteil, in den vergangenen Jahren stets bei über 49 Prozent, sank in diesem Jahr bei den Erstsemestern auf 46,6 Prozent.

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