Wohngeldreform 2027: In München schlagen Stadt und Mieterverein Alarm

Die Bundesregierung plant milliardenschwere Einsparungen beim Wohngeld – ausgerechnet zulasten von Familien und Alleinerziehenden, warnt der Mieterverein München. Die Stadt befürchtet höhere Kosten für die Kommune. Die CSU fordert zugleich eine Stärkung der städtischen Mieterberatung.
von  Jan Krattiger
Die Bundesregierung will beim Wohngeld Milliarden einsparen. Stadt und Mieterverein in München kritisieren das. (Symbolbild)
Die Bundesregierung will beim Wohngeld Milliarden einsparen. Stadt und Mieterverein in München kritisieren das. (Symbolbild) © Imago

Ab 1. Januar 2027 will die Bundesregierung das Wohngeld neu gestalten. Das Ziel: dass am Ende weniger Menschen es bekommen. So sollen bundesweit 1,2 Milliarden Euro im Jahr 2027 und in den Folgejahren sogar knapp 1,5 Milliarden Euro pro Jahr eingespart werden.

Die Kritik dazu aus München ist scharf: "Die Pläne sind unsozial, da die Kürzungen vor allem Haushalte mit Kindern treffen würden", sagt Monika Schmid-Balzert, Chefin des DMB Mietervereins München (und SPD-Stadträtin). In 70 Prozent der Wohngeldhaushalte leben Kinder, so der Mieterverein. Außerdem seien die Kürzungen "unsinnig", da viele der Betroffenen künftig durch andere staatliche Leistungen unterstützt werden müssen.

Milliardenkürzung beim Wohngeld: Scharfe Kritik aus München

Die Pläne der Bundesregierung: Sie will die eigentlich vorgesehene Erhöhung des Wohngelds zum 1. Januar 2027 aussetzen, die Berechnungsformel so ändern, dass weniger Personen Anspruch auf das Wohngeld haben. Und sie will die Heizkostenkomponente halbieren. Die wurde 2023 wegen der hohen Energiepreise eingeführt. Laut dem Statistischen Amt haben 2026 1,3 Millionen Haushalte Wohngeld bezogen, das sind etwas mehr als drei Prozent. Im Schnitt haben sie 291 Euro im Monat erhalten.

In München waren es laut Mieterverein rund 7300 Haushalte im Jahr 2025. Allerdings dauert es in München sehr lange, bis ein Antrag auf Wohngeld bearbeitet wird. Im Frühjahr 2025 waren über 18.000 Haushalte dafür auf der Warteliste. Etwa die Hälfte davon hätte laut der Stadt Anrecht auf Wohngeld.

Etwa ein Drittel der Wohngeldbezieher in München könnte mit der Reform keine Berechtigung mehr haben, befürchtet der Mieterverein. "Diese Menschen sind eh schon am finanziellen Limit. Gerade viele Alleinerziehende sind auf das Wohngeld dringend angewiesen", sagt Schmid-Balzert.

Auch die Stadt kritisiert die Wohngeldkürzungen deutlich. Es stelle sich die Frage, ob es sinnvoll ist, "Menschen am unteren Einkommensrand im Wohngeld in die Grundsicherung zu verschieben, da in diesem Fall die vollständigen Mietkosten übernommen werden müssten – zulasten der Kommune", sagte Sozialreferentin Dorothee Schiwy (SPD) bereits im Oktober.

CSU will Mieterberatung stärken

Einen anderen Aspekt der Münchner Mietenkrise nimmt die CSU im Stadtrat in den Blick. Die Fraktion hat dazu zwei Anträge eingereicht. Einerseits fordert sie, dass Mieter der Münchner Wohnen einfacher in eine kleinere Wohnung umziehen können, wenn sie das wünschen. Bisher müssen solche Mieter sich erst in der städtischen Wohnungsbörse nach einer Tauschwohnung umsehen.

Nur wenn das nach einem halben Jahr nicht geklappt hat, hilft die städtische Wohnungsbaugesellschaft bei dem Vorhaben. Diese Frist soll entfallen, fordert die CSU.

CSU-Stadträtin Alexandra Gaßmann.
CSU-Stadträtin Alexandra Gaßmann. © Daniel von Loeper

Außerdem soll die städtische Mieterberatung im Amt für Wohnen gestärkt werden. Die ist zum Beispiel zuständig, wenn Mieter vermuten, dass ihre Miete zu hoch ist. Die CSU fordert für die Beratung einen besseren digitalen Zugang und mehr Präsenz in den Stadtvierteln. "Offenbar wird diese Beratungsstelle dringend benötigt", sagt Alexandra Gaßmann, CSU-Stadträtin und sozialpolitische Sprecherin.

Die Änderungen beim Wohngeld sind bundesweit für den 1. Januar 2027 geplant. Die CSU fordert, dass auch die Stärkung der Mieterberatung im Jahr 2027 beginnen soll.

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