"Wir sind schon besser als München": Kölner OB über die NRW-Olympia-Bewerbung

Als sich im Herbst 66,4 Prozent der Münchner in einem Bürgerentscheid für Olympia ausgesprochen haben, gab Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) den anderen deutschen Bewerbern quasi den Rat, ihre Bewerbung zurückzuziehen. Das Münchner Ergebnis sollte für sie ein "Denkanstoß" sein, sagte Reiter. Und: "Wir werden sehen, wie die anderen Städte damit umgehen."
Zurückgezogen hat keiner seine Bewerbung. Berlin nicht, Hamburg nicht und auch nicht die Region Rhein-Ruhr. Jetzt zeigt sich sogar: Das Münchner Ergebnis ist gar nicht so einzigartig, wie Reiter damals meinte.
Bei den 17 Entscheiden in NRW, die bis Sonntag liefen, kam ein ähnliches Ergebnis wie in München heraus: 66 Prozent sprachen sich für eine Olympia-Bewerbung aus. In mehreren Städten – etwa in Aachen, Gelsenkirchen oder Wuppertal – stimmten sogar über 70 Prozent dafür.
Am geringsten (57 Prozent) fiel die Zustimmung in Köln aus, wo das Zentrum der Spiele in NRW sein soll. Hier sind ein neues Leichtathletik-Stadion und das Olympische Dorf geplant.
Ob er sich über den kleinen Dämpfer für München freut? Das will die AZ vom Kölner Oberbürgermeister Torsten Burmester wissen. Er ist auch Sozialdemokrat und war bis Ende 2024 Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes.
Gewundert habe er sich über das Selbstbewusstsein des Münchner OB nicht, sagt Burmeister: "Jeder will für seine Stadt das Beste." Da gehöre ein bisschen "Frotzelei" doch dazu. Er habe schließlich auch gesagt, dass er sich auf einen Wettbewerb mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) freue.

Und Burmester zeigt sich ebenso selbstbewusst: "Wir müssen uns mit unserem Karneval nicht hinter eurem Oktoberfest verstecken." Spaßig ist das gemeint. Burmester sagt aber auch: "Im Übrigen: Wir sind ja jetzt schon besser als München. Wir haben mit den Entscheiden vier Millionen Menschen beteiligt. 1,4 Millionen haben abgestimmt. Und von den 76 Prozent, die wir in Aachen erreicht haben, ist München weit weg." In München beteiligten sich rund 460.000 Menschen an dem Entscheid.
"Das ist die größte Anzahl an Tickets ever"
Doch es sei kein Wettbewerb, bei dem es nur um die höchste Zustimmung gehe – sondern um das beste Konzept, meint Burmester. Und auch da hat die Region Rhein-Ruhr Stärken, die München so nicht hat: "Dadurch, dass wir in NRW die größten Sportstätten nutzen, können wir über 14 Millionen Tickets verkaufen. Das ist die größte Anzahl an Tickets ever", sagt Brumester. In Paris wurden nicht ganz neun Millionen verkauft. Selbst LA schafft nicht so viele. Das Münchner Sportreferat kann die Zahl der Tickets noch nicht beziffern. Das sei Teil der Konzeptverfeinerung, antwortet die Pressestelle.
Doch so viele wie in NRW dürften es kaum werden. In Köln, Düsseldorf, Dortmund und den anderen Städten gibt es mehrere große Stadien, Arenen und Hallen, die Platz für Zehntausende Zuschauer bieten.
München muss mehr temporäre Stadien bauen oder bestehende sanieren – wie das Dantebad, den Sportpark in Unterhaching, das Grünwalder Stadion, die Regatta-Anlage in Oberschleißheim, den Schießstand in Garching.
Für Bahnrad-Fahren und Volleyball will München im Olympiapark temporäre Stadien bauen. Auch Anlagen für Trendsportarten wie BMX sollen im Olympiapark entstehen.
Auf dem Messegelände und auf der Theresienwiese will die Stadt für Olympia Sportstätten aufbauen.
Auch ein olympiataugliches Schwimmbecken fehlt in München. Deshalb soll in die Konzerthalle, die in Freising gebaut wird, vorübergehend eine Schwimmhalle rein.
Aus dem Leichtathletik-Stadion sollen Wohnungen werden
Ein Olympia-Schwimmbecken mit zehn Bahnen hat allerdings bisher keine Bewerber-Stadt. In NRW soll das in die Fußball-Arena in Gelsenkirchen.
In NRW fehlt außerdem – anders als in München – das Leichtathletik-Stadion. Das soll im Kölner Norden gebaut und später umgenutzt werden: In der Mitte soll nach den Spielen ein Park angelegt werden. Auf den Tribünen entstehen später Wohnungen, Büros, Geschäfte, soziale Einrichtungen, Schulen und Kitas.
Der zukünftige Münchner OB Dominik Krause (Grüne) klingt jedenfalls ganz anders als Dieter Reiter. Krause nennt das Votum in NRW "ein starkes Signal für Olympische und Paralympische Spiele in Deutschland".
Auch Bürgermeisterin Verena Dietl (SPD), die im Herbst nach dem Bürgerentscheid noch sagte, dass München nun selbstbewusst ins Rennen gehe, klingt nun ein bisserl demütiger. "Wir werden alles dafür geben, die Olympischen Spiele in unser Land zu holen", sagt sie jetzt.
Aus ihrer Sicht hat München nach wie vor "sehr gute Chancen", da die Stadt über eine erstklassige Infrastruktur, moderne Sporteinrichtungen und langjährige Erfahrungen mit Sportgroßveranstaltungen verfüge.
Das will München nun an seiner Bewerbung verbessern
Bis zum 4. Juni hat München Zeit, die finale Bewerbung abzugeben. "Jetzt geht es darum, unter anderem sportfachliche Präzisierungen vorzunehmen und die neuen Leitfragen des DOSB zu beantworten", sagt Krause.
Bei diesen Leitfragen geht es etwa darum, wie lange die Sportler zu den Wettkampfstätten brauchen, wie sie untergebracht werden, wie viel Hotelkapazitäten es gibt, wie viele Tickets verkauft werden können.
Vertiefen will das Sportreferat nun auch das Sportstättenkonzept und Stadtentwicklungsthemen. Am 20. Mai soll der Stadtrat mit dem Bewerbungskonzept befasst werden, kündigt das Referat an. "Ich freue mich auf die kommenden Monate, wir werden gemeinsam mit dem Freistaat alles in die Waagschale werfen bis zur Entscheidung des DOSB im September", sagt Krause.