WCs, Licht, Tempo 30: Das wird neu am Hauptbahnhof

Autofreie Wochenenden, Tempo 30, aber auch ein besseres soziales Angebot - der Stadtrat hat viele Ideen für das Viertel.
| Christina Hertel
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Momentan lädt der Hauptbahnhof nicht gerade zum Verweilen ein. Das soll sich bald ändern, fordert eine Mehrheit des Stadtrats. Etwa mit autofreien Wochenenden.
Momentan lädt der Hauptbahnhof nicht gerade zum Verweilen ein. Das soll sich bald ändern, fordert eine Mehrheit des Stadtrats. Etwa mit autofreien Wochenenden. © Sigi Müller

München - Rund um den Hauptbahnhof sieht man ein ganz anderes München: Da reiht sich Shishabar an Dönerbude, da bekommt man für ein paar Cent frischgebackenes Fladenbrot und auf den Gehwegen stehen riesige Gemüsestände. Aber rund um den Hauptbahnhof warten auch Menschen ohne Pass auf den nächsten Job, da verzocken Leute ihr letztes Geld in der Spielhalle, da schlafen Obdachlose auf der Straße.

Nachts fühlen sich fast drei Viertel der Bewohner rund um den Bahnhof nicht sicher. Das zeigt eine Analyse der Uni Tübingen. Diese hat ein Konzept erarbeitet, wie das Bahnhofsviertel sicherer werden könnte.

Rund um den Hauptbahnhof ist derzeit Baustelle.
Rund um den Hauptbahnhof ist derzeit Baustelle. © Sigi Müller

Alle Fraktionen fordern eine Aufwertung des Viertels

Verschiedene Fraktionen im Stadtrat haben auf der Grundlage nun eine Reihe von Anträgen gestellt. Sowohl Grüne, SPD, Linke als auch FDP, Freie Wähler und CSU sind sich einig, dass das Bahnhofsviertel aufgewertet werden soll.

Gemeinsam fordern sie mehr Grün, eine bessere Beleuchtung, mehr Toiletten und eine Kampagne für Müllentsorgung. Auch die Baustelle am Hauptbahnhof wollen alle sechs Parteien "erlebbar" machen - etwa durch Gucklöcher. Sprayer sollen sich an den Bauzäunen austoben dürfen.

Ein weiteres Ziel ist, die Verkehrssituation zu verbessern. Grüne, SPD, Freie Wähler und Linke wollen autofreie Wochenenden im Bahnhofsviertel testen. Wo genau Autos ausgesperrt werden, müsse das Mobilitätsreferat klären, sagt Stadträtin Clara Nitsche (Grüne).

Mehr Mut zum Ausprobieren

Christian Vorländer, der bei der SPD für Sicherheit zuständig ist, fordert mehr Mut. Die Stadt müsse bereit sein, am Hauptbahnhof etwas auszuprobieren - was sich dann auf andere Orte der Stadt übertragen lässt.

Auch Tempo 30 soll dann rund um den Bahnhof gelten.
Auch Tempo 30 soll dann rund um den Bahnhof gelten.

Dazu gehört eine "Tokio-Ampelschaltung". Das heißt, alle Fußgängerampeln sind zeitgleich grün. Vorstellbar ist dies dem Antrag zufolge auf der Kreuzung Goethe- und Landwehrstraße.

Autos sollen weniger und langsamer werden

Außerdem soll Tempo 30 im Bahnhofsviertel gelten. Auch Sommerstraßen wollen Grüne, SPD, Linke und Freie Wähler im Bahnhofsviertel umsetzen. Auf ihnen dürfen entweder gar keine Autos fahren oder sie dürfen nur in Schrittgeschwindigkeit unterwegs sein, weil die Straße eigentlich den Fußgängern und Radfahrern gehört.

Die Uni Tübingen hat dafür die Schillerstraße vorgeschlagen. In der Studie regen die Verfasser an, dort Parkplätze zu entsiegeln, Freischankflächen zu erweitern und Sitzgelegenheiten zu schaffen.

Wer zu den Gleisen will, muss gerade große Umwege gehen.
Wer zu den Gleisen will, muss gerade große Umwege gehen. © Sigi Müller

Im Alten Botanischen Garten, am Neptunbrunnen, könnte es laut Antrag der Grünen, SPD, Freien Wähler und der Linken Kulturveranstaltungen geben.

Verschiedenste Anträge sind im Gespräch

Verbessern sollen sich auch die hygienischen Bedingungen: Die Parteien fordern mindestens ein mobiles Pissoir mit Sichtschutz.

Eine ganze Reihe von weiteren Anträgen beschäftigt sich mit dem sozialen Angebot rund um den Hauptbahnhof. Die Grünen stellten diese gemeinsam mit der ÖDP oder mit der Linken. Die SPD schrieb einen Antrag alleine.

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Warum sich SPD und Grüne dafür nicht zusammentaten, obwohl sie eine Koalition bilden? Streit habe es keinen gegeben, beteuern Clara Nitsche von den Grünen und Christian Vorländer von der SPD. Vielmehr sei das Ziel gewesen, möglichst schnell zu handeln.

Die Grünen werden konkret

Die Anträge der Grünen sind konkreter als die der SPD: Zum Beispiel fordern sie einen weiteren Aufenthaltsraum für obdachlose Menschen. Auch die Öffnungszeiten der bestehenden Treffs sollten verlängert und eine legale Arbeitsbörse eingerichtet werden, findet Clara Nitsche. Inhaltlich gebe es da große Schnittmengen, sagt Vorländer. Allerdings wolle die SPD erst das bestehende Angebot mit dem Sozialreferat prüfen.

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