Nach Watschn-Vorfall: OB Krause entzieht der Linken den Wiesn-Tisch

Am Wiesn-Tisch der Linken sollen antisemitische und israelfeindliche Parolen gefallen sein. FDP-Chef Jörg Hoffmann schritt ein – und kassierte eine Ohrfeige. OB Krause zieht Konsequenzen. 
von  Christina Hertel
Dort, wo sich die Stadträte treffen, ist es im Schottenhamelzelt zu einem Eklat gekommen.
Dort, wo sich die Stadträte treffen, ist es im Schottenhamelzelt zu einem Eklat gekommen. © IMAGO/Manfred Segerer

Eine Frau, die der Linken nahesteht, hat dem Fraktionschef der FDP, Jörg Hoffmann, im Schottenhamelzelt eine Ohrfeige verpasst. So haben es am Mittwoch mehrere Medien berichtet.

Sie saß mit der Jugendorganisation der Linken an einem Tisch in der Ratsboxe. Das ist der Bereich, der für Stadtratsfraktionen reserviert ist. Diese dürfen die Tische weitervergeben, etwa an Mitglieder oder nahestehende Organisationen.

Am Tisch der Linken seien israelfeindliche Parolen gefallen und unter anderem sei der Liedtext von "Sweet Caroline" zu "Free Palestine" umgedichtet worden, so schilderte es Hoffmann der AZ. Er sei eingeschritten. Drei Frauen hätten ihn daraufhin als "Völkermörder" beschimpft, eine habe ihm eine Ohrfeige verpasst.

FDP-Chef Jörg Hoffmann ist eingeschritten, als am Tisch der Linken im Schottenhamel israelfeindliche Parolen geschwungen worden sein sollen.
FDP-Chef Jörg Hoffmann ist eingeschritten, als am Tisch der Linken im Schottenhamel israelfeindliche Parolen geschwungen worden sein sollen. © Daniel Loe

Der Fraktionschef der Linken, Stefan Jagel, der persönlich nicht dabei war, entschuldigte sich bei Hoffmann und verurteilte den Vorfall.

OB Krause: "Gewalt darf nie ein Mittel sein"

Doch das Ganze hat ein Nachspiel. OB Dominik Krause (Grüne) hat der Linken am Mittwoch ihren Tisch in der Ratsboxe entzogen.

"Die Wiesn ist kein Ort für politische Agitation. Vollkommen inakzeptabel ist der körperliche Angriff auf unseren Stadtratskollegen Jörg Hoffmann, dem meine volle Solidarität gilt. Gewalt darf nie ein Mittel der politischen Auseinandersetzung sein", teilt Krause mit. Er bezeichnet Jagels Entschuldigung als ein gutes Zeichen.

Jagel wiederum sagt zur AZ, dass er die Entscheidung des OBs nachvollziehen könne. "Ärgerlich ist, dass Unbeteiligte hineingezogen werden", meint er. Denn die Partei Die Linke hat auch in den nächsten Tagen nahestehende Organisationen auf die Wiesn eingeladen. Sein Ärger gilt dabei nicht dem OB – sondern denjenigen, die den Vorfall ausgelöst haben.

Dass der Linken der Tisch entzogen wurde, soll laut dem Sprecher des OBs erst einmal nur für dieses Jahr gelten. Auch der FDPler Hoffmann sagt, dass er nicht so weit gehen würde, der Linken grundsätzlich auch für folgende Jahre den Tisch zu nehmen. "Ich habe großes Vertrauen in Stefan Jagel, dass er die Sache aufarbeitet. Jeder hat eine zweite Chance verdient."

Der Linken-Politiker Jagel und der FDPler Hoffmann sind zwar politisch so weit voneinander entfernt wie die Erde vom Mars. Doch persönlich verstehen sie sich gut, das kann man im Stadtrat immer wieder beobachten.

Dort macht die CSU den Vorfall zum Thema. Mit einer Anfrage will sie herausfinden, welche Erkenntnisse der Stadt über antisemitische Strömungen innerhalb der Münchner Linken vorliegen.

"Das muss jeden Demokraten zutiefst beunruhigen"

Fraktionschef Manuel Pretzl begründet die Anfrage so: "Die Partei steht aufgrund von Verbindungen ins antisemitische und linksextreme Milieu derzeit bundesweit in der Kritik. Der Vorfall auf der Wiesn zeigt, dass es auch in München Linke gibt, die ganz offen ihren Israelhass zur Schau stellen, ohne jedes Unrechtsbewusstsein. Das muss jeden Demokraten im Rathaus zutiefst beunruhigen."

Jagel kündigt gegenüber der AZ an, dass der Vorfall und die Konsequenzen innerhalb der Partei aufgeklärt würden.

merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.