Wassermangel in München: Wetter-Experte hat schlechte Neuigkeiten

Die Münchner müssen Wasser sparen. Doch wie ernst ist die Dürre in München und der Region wirklich? Wetter-Experte Dominik Jung ordnet die Lage ein.
von  Christian Weihrauch
Ein Mann sitzt auf einer Kiesbank am Ufer der Isar: Ein Wetter-Experte ordnet ein, wie ernst die Dürre in München und dem Umland ist.
Ein Mann sitzt auf einer Kiesbank am Ufer der Isar: Ein Wetter-Experte ordnet ein, wie ernst die Dürre in München und dem Umland ist. © Peter Kneffel

Weil das Wasser knapp ist, müssen die Münchner jetzt sparen: Die Stadt hat deshalb unter anderem das Befüllen privater Pools, das Wässern von Rasen und das Autowaschen zu Hause verboten. Wer sich nicht an die Regeln hält, kann zur Kasse gebeten werden. Doch ist die Dürre in München und dem Umland wirklich so extrem? Und ist ein Ende in Sicht? Diplom-Meteorologe Dominik Jung hat sich die Lage genau angeschaut und für die AZ eingeordnet.

"Die Lage ist ernst, und zwar nicht wegen der letzten zwei Wochen, sondern wegen der letzten zwölf Monate. Der Niedrigwasser-Lagebericht des Bayerischen Landesamtes für Umwelt weist für das laufende Abflussjahr (seit 1. November 2025) ein Niederschlagsdefizit von rund 32 Prozent aus", erklärt Jung beim Blick auf die aktuellen Daten. Normalerweise gilt der Süden Bayerns als niederschlagsreiche Region und die Wasserversorgung entsprechend sicher. Doch die Lage hat sich im vergangenen Jahr verschärft.

Dürre in München und dem Umland: Viele Quellen liegen auf niedrigem Niveau

Südbayern hat seit 1. November 2025 etwa 463 Liter pro Quadratmeter Niederschlag abbekommen – das sind nur 66 Prozent des langjährigen Mittels. Eine deutliche Mehrheit der oberflächennahen Grundwassermessstellen und Quellen (rund 77 Prozent) und knapp 74 Prozent der tieferen Wasservorräte liegen auf niedrigem bis sehr niedrigem Niveau. "Der Dürreindex SPI der letzten 90 Tage stuft Teile Oberbayerns als extrem trocken ein. Wir haben inzwischen viereinhalb zu trockene Monate in Folge", sagt Jung.

Die Kombination aus leeren Speichern und einer Rekordentnahme von bis zu 400 Millionen Litern am Tag ist der Auslöser für den Wassermangel. Zum Vergleich: Im langjährigen Schnitt werden in München 300 bis 350 Millionen Liter Trinkwasser täglich verbraucht.

Zwei Männer gehen vor dem Lenbachhaus an einem Springbrunnen entlang. In München ist die Bevölkerung zum Wassersparen angehalten.
Zwei Männer gehen vor dem Lenbachhaus an einem Springbrunnen entlang. In München ist die Bevölkerung zum Wassersparen angehalten. © Sven Hoppe

Wetter-Experte: "Die Hitzewelle im Juli ist damit nicht die Ursache der Wasserknappheit"

Die Ursachen für die leeren Wasserspeicher reichen dabei bis ins vergangene Jahr zurück. 2025 war deutschlandweit mit rund 655 Litern etwa 17 Prozent zu trocken. Selbst der Winter brachte nur 71 Prozent des durchschnittlichen Niederschlags. Darauf folgten ein zu warmer und zu trockener Frühling und die Rekordhitzewelle im Juni.

"Diese Kette hat die Grundwasserneubildung praktisch ausfallen lassen. Die Hitzewelle im Juli ist damit nicht die Ursache der Wasserknappheit, sondern nur der Tropfen, der das ohnehin fast leere Fass zum Kippen bringt", ordnet Jung ein.

Ist ein Ende der Dürre in Sicht? Jung redet Klartext

Ist ein Ende der Dürre in Sicht? Oder müssen sich die Münchner darauf einstellen, dass die Allgemeinverfügung zum Wassersparen möglicherweise über den 1. August hinaus verlängert wird? Diplom-Meteorologe Dominik Jung hat schlechte Nachrichten: Eine Entspannung der Lage ist aktuell nicht in Sicht: "Im Gegenteil. Deutschlandweit hat der Juli bis Mitte des Monats erst rund 20 Prozent seines Niederschlagssolls erfüllt. Was jetzt kommt, ist Gewitterregen – und der ist für die Dürre fast wertlos."

Nach anhaltender Trockenheit sind auf einem Acker Risse im Boden entstanden. Wenn darauf Starkregen fällt, fließt das Wasser oberflächlich ab.
Nach anhaltender Trockenheit sind auf einem Acker Risse im Boden entstanden. Wenn darauf Starkregen fällt, fließt das Wasser oberflächlich ab. © Tim Würz

Auf den ausgetrockneten Böden sickert der Starkregen nicht ein, sondern läuft oberflächlich ab. "Ein Boden, der monatelang ausgedörrt wurde, nimmt Wasser ähnlich schlecht auf wie ein ausgetrockneter Blumentopf. Was wir bräuchten, wäre ein zweitägiger, sanfter Landregen mit 40 bis 60 Litern – der ist in den Modellen nicht in Sicht", so Jung.

Nächste Hitzewelle möglich: Lage kann sich noch verschärfen

Das Wetter in den kommenden Wochen deutet ebenfalls keine Entspannung an. Die aktuellen Vorhersagen sehen Ende Juli Anzeichen für die nächste Hitzewelle. "Damit dürfte sich die Dürre trotz zwischenzeitlicher Gewitter eher wieder verschärfen als entspannen. Beim Grundwasser reden wir ohnehin nicht über Wochen, sondern über Winter: Aufgefüllt wird nur im hydrologischen Winterhalbjahr, wenn die Vegetation nichts verbraucht", erläutert Jung. Auch die Prognosen für das Wetter im August fallen zu warm aus.

Bei den aktuellen Prognosen handelt es sich um erste Trends, keine Tagesprognosen. Die Vorhersagen können sich noch ändern. Je näher der Zeitpunkt rückt, desto genauer werden die Prognosen.

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