Vorwürfe gegen Klinik-Chef

Schwere Vorwürfe gegen den Kaufmännischen Direktor: Er soll für „ein Klima der Angst und Verunsicherung“ verantwortlich sein. Der Landtag greift ein.
| Angela Böhm
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Hat Ärger: der Kaufmännische Direktor Gerd Koslowski. Eigentlich ist das Klinkum ein renommiertes Krankenhaus, doch jetzt gibt es Unruhe.
Martha Schlüter Hat Ärger: der Kaufmännische Direktor Gerd Koslowski. Eigentlich ist das Klinkum ein renommiertes Krankenhaus, doch jetzt gibt es Unruhe.

Schwere Vorwürfe gegen den Kaufmännischen Direktor: Er soll für „ein Klima der Angst und Verunsicherung“ verantwortlich sein. Der Landtag greift ein.

München - „Das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität ist ein Zentrum der Hochleistungsmedizin, der Innovation und des medizinisch-technischen Fortschritts, in dem gleichzeitig das Gefühl von individueller Betreuung, Geborgenheit und Vertrauen zu spüren ist.“ So präsentiert sich das Flaggschiff der deutschen Medizin, zu dem Großhadern und ein Teil der Innenstadtkliniken gehören. Doch hinter den Kulissen sieht es offenbar anders aus.

In einem Schreiben an den bayerischen Landtag werden schwere Vorwürfe gegen den Kaufmännischen Direktor des Klinikums, Gerd Koslowski, erhoben. 14 Millionen Euro Defizit drohen dem Münchner Uni-Klinikum heuer. Und dort soll es gar nicht geborgen und vertrauensvoll zugehen.

„Ärztliche Direktoren haben bei mir gar nichts zu sagen“, soll Koslowski über die „Götter in Weiß“ gesagt haben. Den Mächtigsten von ihnen, den Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Maximilian Reiser, soll er vor Zeugen in Abwesenheit gewarnt haben: „Will der uns anpissen!? Ich habe den längeren Strahl.“ Zusammengefasst hat die Vorwürfe der Münchner Rechtsanwalt Sepp-Joerg Zoglmann. In dem achtseitigen Schreiben heißt es: „Seit dem Amtsantritt von Herrn Koslowski herrscht ein Klima der Angst und Verunsicherung bei den Mitarbeitern.“ Verdiente Mitarbeiter würden grundlos versetzt. Dem angesehenen Chef der Haunerschen Kinderklinik, Professor Dietrich Reinhardt, habe Koslowski eine Verlängerung seiner Amtszeit mit dem Argument verweigert, er „habe sich unter anderem nicht genügend für das Mutter-Kind-Zentrum eingesetzt“.

Aufträge würden ohne Ausschreibung vergeben. Bei eh schon aussichtslosen Arzthaftungsfällen würde ständig eine Münchner Anwaltskanzlei beauftragt, obwohl das Klinikum selbst versierte Juristen habe. Eine neu erworbene Software sei „praktisch untauglich“ gewesen und habe mit erheblichem Aufwand angepasst werden müssen. Sogar Anzeige wegen Untreue wurde gegen den Kaufmännischen Klinikdirektor erstattet. Bisher kam es bei der Staatsanwaltschaft München I nur zu Vorermittlungen.

Koslowski lenkt seit Oktober 2007 die Mammut-Klinik mit rund 2500 Betten. Der damalige Wissenschaftsminister Thomas Goppel hatte ihn aus Landsberg am Lech geholt. Der damals 36-Jährige war sein Rotarier-Freund. Das Wissenschaftsministerium ist das Aufsichtsorgan der Uni–Klinik. Goppel-Nachfolger Wolfgang Heubisch (FDP) hat eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die die Vorwürfe untersucht.

Der Dekan der Medizinischen Fakultät, Maximilian Reiser, hält trotz der „Piss-Warnung“ zu Koslowski. „Ich kann nicht bestätigen, das dies der Umgangston in unserem Vorstand ist“, sagt er zur AZ. „Ich kenne Herrn Koslowski als sachlich, zurückhaltend und höflich. Es ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihm.“ An der Klinik-Spitze geht man von einer „Kampagne von Menschen, die sich schlecht behandelt fühlen“ aus. Koslowski war gestern nicht zu erreichen.

 


 

Kliniken und ihre Skandale

Schmutzige Bestecke und geplatzte Implantate – das gibt es auch in München

 München - Immer wieder gibt es Ärger und Skandale in Münchner Kliniken. Der Größte unter ihnen hat einen gewaltigen Umbruch in den städtischen Kliniken ausgelöst: der Hygiene-Skandal im vorigen Jahr. Innerhalb kürzester Zeit wurden drei verantwortliche Geschäftsführer gefeuert. Die Klinikum GmbH wurde neu aufgestellt und bekam mit Elizabeth Harrison eine neue Spitze.

Aber es sind längst nicht nur städtische Häuser betroffen: Bei denen kam es nur öffentlich heraus. So hatte das Gesundheitsreferat der Stadt bis zum Sommer 2010 (als der Hygiene-Skandal aufflog) allein in drei Jahren in 45 Fällen Kliniken in München kontrolliert: Weil es dort Beschwerden gab oder weil gehäuft multiresistente Erreger auftraten. Auch das Klinikum rechts der Isar (es gehört zur TU) war betroffen. Drei Jahre vorher musste dort die Sterilgutaufbereitung wegen Mängeln teilweise geschlossen werden.

Auch die Sterilgut-Abteilung des privaten Klinikums München Pasing war kurz geschlossen worden. Prüfer hatten dort „sowohl in der Dokumentation als auch in den Prozessen“ der Zentralsterilisation Mängel entdeckt. Der Klinik-Betrieb konnte weiterlaufen, weil das OP-Gerät andernorts aufbereitet wurde.

In der Residenzklinik gab es voriges Jahr gravierende gesundheitliche Probleme nach der Behandlung. Es ging in der Schönheitsklinik um geplatzte Implantate, um Infektionen und unzureichende Wundversorgung: Die Zahl der betroffenen Patientinnen war groß.

Auch in der Wiesn-Wache des Roten Kreuzes herrschten unhaltbare hygienische Zustände. „Das BRK hat in der Vergangenheit in unglaublicher Weise geschlampt“, verriet ein Insider der AZ. Die medizinisch Verantwortlichen wurden gefeuert. Das BRK löste das Problem – und bekam jetzt nach einer europaweiten Ausschreibung wieder den Zuschlag für die Wiesn-Station. wbo

 

 

 

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