Urban League: Der Kulturstrand in Frauenhand

Zehra Spindler und ihre Urban League wollen am 9. Juli den Kulturstrand starten. In der AZ erklärt die Macherin, was sie dort vorhat – und auf wen sie dabei zählt.
| Michael Schilling
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Das Start-up von Ola Klöckner gibt dem Kulturstrand seinen Namen: Great Bavaria Reef.
ho 2 Das Start-up von Ola Klöckner gibt dem Kulturstrand seinen Namen: Great Bavaria Reef.
Sie haben Nähkurse für Flüchtlinge initiiert, aus denen das Projekt Kuniri erwuchs (v. l.): Sophie Graber, Viola Zimmer, Eva Schatz.
Azlem Kinik 2 Sie haben Nähkurse für Flüchtlinge initiiert, aus denen das Projekt Kuniri erwuchs (v. l.): Sophie Graber, Viola Zimmer, Eva Schatz.

München - Wer zuletzt am Vater-Rhein-Brunnen auf der Museumsinsel vorbeigekommen ist, mag sich erschreckt haben. Im Wasser trieben Bretter, und die namensgebende Skulptur an der Stirnseite war, nun ja, eigenwillig gefesselt und gekreuzigt. "Oh Gott, wie sieht das denn aus?", entfährt es Zehra Spindler (47), als die AZ ihr die Aufnahmen zeigt. Nein, mit dem Verhau dort hätten sie und ihre Urban League nichts zu tun, beteuert sie.

Spindler und ihre Mitstreiter haben an selber Stelle jetzt etwas Anderes vor. Schöneres. Am Montag kam die Bestätigung, dass die Urban League heuer also doch den Kulturstrand am Vater-Rhein-Brunnen ausrichten darf – allen Interventionen der bisherigen Veranstalter, den Urbanauten, zum Trotz.

Sand wollte sie zuerst nicht – "aus Trotz". Nun gibt’s ihn doch

Eigentlich hätten Spindler und ihr gastronomischer Partner Dierk Beyer (Neuraum, Nachtgalerie) schon am 31. Mai loslegen wollen. Wegen des juristischen Hickhacks gilt jetzt der 9. Juli als Starttermin – weshalb sich die Macher die große LED-Fernsehwand, auf der die Spiele der Fußball-EM gezeigt werden sollten, inzwischen fast sparen können: Das Finale ist ja schon am 10. Juli.

Bis 10. Oktober soll der Kulturstrand dort gastieren, montags ist jeweils Ruhetag. Das ist natürlich nicht die einzige Neuerung, wegen der die Urban League heuer den Zuschlag bekommen hat.

AZ-Kommentar zum Kulturstrand-Streit: Es schadet nur!

Man habe das Rad nicht neu erfunden, räumt Spindler zwar ein: Es gebe Getränke, Unterhaltung, Musik, Podiumsdiskussionen – "aber eben mit einer anderen Gewichtung", sagt sie. Und auch Sand, den sie zwischendurch gar nicht mehr aufschütten lassen wollte "aus lauter Trotz", den wird es wieder geben: "Aber nun ist es mein Strand – und da kommen jetzt auch meine Vorlieben zum Tragen." Der Strand werde demnach "kreativwirtschaftlich angehaucht".

Was neu ist: Es soll um Start-ups gehen am Vater-Rhein-Brunnen. Also um neugegründete Münchner Unternehmen, die sich vor Ort präsentieren – oder direkt dort erst entstehen. Spindler, die mit kulturellen Zwischennutzungs-Projekten wie dem Puerto Giesing oder dem Art Babel bekannt geworden ist und in der Künstlerszene als ausgezeichnete Netzwerkerin gilt, hat dazu einige Start-ups ins Boot, Pardon: an den Strand geholt. In der AZ stellt sie sie vor.

Great Bavaria Reef

Das Start-up der Giesingerin Ola Klöckner (30) gibt dem Kulturstrand heuer seinen Namen. (Im nächsten Jahr, das steht für Zehra Spindler übrigens schon fest, werde man sich unter neuem Namen bewerben – "immer nach einem Münchner Macher".)

Klöckner, die eine Agentur betreibe und in Giesing auch Straßenfeste veranstalte, gründe gerade ein Unternehmen, das Freizeitartikel für die Isar erstelle, erzählt Spindler. "Handtücher, Frisbeescheiben, Mode – alles im München-Style. Sie spielt mit dem Thema dieser Stadt." Ein klassisches Isarstrand-Thema sei das also.

Kuniri

Eva Schatz, eine Münchner Autorin und Kinderfilmemacherin, die Spindler schon von mancher Zwischennutzung kennt, arbeitete zuletzt gerade ehrenamtlich in einer Kleiderkammer. Dort nähen Flüchtlinge, etwa aus der Bayernkaserne, inzwischen unter der Leitung von Designern und Experten Mode. Spindler: "Die möchte ich pushen, mit denen möchte ich Modenschauen machen."

Dazu wolle sie "abgefahrene Bands" gewinnen, erzählt Spindler; sie träumt von Landler-Musi zur Flüchtlingsmode, so etwas in der Richtung.

Matcha You

Matcha-Tee gilt manchen inzwischen als Celebrity-Drink, als In-Getränk also. Auf dessen Basis will Franziska Schettler künftig "Matcha You" herstellen. "Ein nachhaltiges Produkt", sagt Spindler. "Wir werden die Ersten sein, die diesen Drink auf ihre Getränkeliste mit aufnehmen. Franziska wird ihr Unternehmen direkt bei uns am Kulturstrand gründen."

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Dort sollen andere potenzielle Gründer mit Start-up-Experten ins Gespräch kommen, um drängende Fragen zu klären: Wie ist das mit dem Geldeinsammeln per Crowdfunding? Wie funktioniert eine Unternehmensgründung via Startnext, einer Online-Plattform für Projekte und Start-ups? Vor Ort soll das Ganze dann live erlebbar sein.

"Damit wollen wir Leute, die auch Ideen und Projekte haben, ermutigen, diese auch umzusetzen", sagt Spindler. "Hört sich das langweilig an? Nein, ich finde es sexy."

Welcomefeder & Co.

Der Münchner Verein "Welcomefeder" hat Hilfsfahrten entlang der Balkanroute unternommen, in München ein Refugee-Fußballteam gegründet und versteigert Kunst zugunsten der Flüchtlingshilfe. Er soll sich am Kulturstrand ebenso präsentieren können wie eine Stiftung, deren Ziel es ist, Stiftungsgründern zu helfen.

Viel Musik solle es auch geben, sagt Spindler. Kaum habe sie den Zuschlag erhalten, hätten sich schon die ersten alten Bekannten aus der Münchner Clubszene bei ihr gemeldet: Bewerbungen quasi. Die Discjockeys Empee und Luvin’Lou etwa sollen dabei sein. Musikalisch soll es neben House und TripHop auch Richtung Funk und Soul gehen – "das passt super zum Strand".

Vieles von dem stehe in der Bewerbung der Urban League, die sich nun durchgesetzt habe. Letztes Jahr hatte sich Spindler übrigens auch beworben, mit einem Drei-Seiten-Pamphlet. Das fiel durch. Spindler nahm Akteneinsicht und besserte in diesem Jahr nach: Diesmal umfasste die Bewerbung 150 Seiten, grafisch aufgehübscht, "ein bissl Hochglanz".

Speisen & Getränke

Veganes und vegetarisches Essen wolle man anbieten. Burger mit kombinierbaren Füllungen, dem Zeitgeist folgend "nachhaltig und von Münchnern produziert", sagt Spindler. Die Antwort auf eine wichtige Frage lautet: Es gibt nur Augustiner-Bier, die Halbe zu 4 Euro. Nicht billig. Spindler kontert: "Dafür sind Eintritt und Kulturprogramm umsonst." Um Antworten ist sie nicht verlegen.

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