Tram statt U-Bahn zum Olympiadorf: Diese Idee prüft das Rathaus jetzt
Mit einer U-Bahn will die Stadt das Olympiadorf, das im Nordosten entstehen soll, erschließen. Genauer gesagt: Die Linie U4 soll vom Arabellapark bis zur Messe verlängert werden. So steht es in der Beschlussvorlage zur Olympiabewerbung, über die der Stadtrat im Mai abgestimmt hat. Die Kosten werden darin auf 2,3 Milliarden Euro geschätzt.
In dieser Vorlage werden weitere ÖPNV-Projekte samt Preisschild aufgelistet: S-Bahn-Nordring (120 Millionen), viergleisiger Ausbau der S-Bahn zwischen Daglfing und Johanneskirchen (1,8 bis 4,8 Milliarden), Investitionen in autonomes Fahren (750 Millionen), U9 (3,25 Milliarden).
Schon schwindlig von diesen Summen? Der Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr macht nun einen Vorschlag, der Geld sparen soll: Das Olympiadorf soll nicht mit der U-Bahn, sondern mit der Tram erschlossen werden. Auch deshalb, weil die ÖPNV-Experten damit rechnen, dass die U-Bahn zwischen Olympiadorf und Messe nach den Spielen nur einen "überschaubaren Nutzen" hat.

AAN-Sprecher Berthold Maier weist außerdem darauf hin, dass – selbst mit Zuschüssen von Bund und Land – die Planungs- und Baukapazitäten begrenzt seien. Wenn die Stadt ein Teilstück der U9 und die U4-Verlängerung bauen will, werde sich die Fertigstellung der U5 nach Freiham verschieben. Womöglich, meint er, Richtung 2050er Jahre.
"Die Stadtverwaltung soll dazu zeitnah einen Vorschlag vorlegen"
Im Rathaus gibt es Sympathien für den Vorschlag, auf eine Tram zu setzen. Die SPD hat laut ihrer Fraktionschefin Anne Hübner immer eine grundsätzliche Positionierung für eine Tram Richtung Nordosten. Für die SPD seien verschiedene Varianten denkbar. "Die Stadtverwaltung soll dazu zeitnah einen Vorschlag vorlegen", teilt Hübner mit.
Auch Florian Schönemann von den Grünen ist aufgeschlossen, von den U-Bahn-Plänen abzurücken. Er erinnert daran, dass nach den Spielen aus dem Olympischen Dorf ein Stadtviertel für bis zu 30.000 Menschen werden soll. Laut einem Gutachten der Stadt eigne sich auch eine Tram dafür, dieses zu erschließen, sagt Schönemann.
"Müssen sehr genau prüfen, was realisierbar ist"
Er bezeichnet den Vorschlag des AAN als einen guten und wichtigen Impuls. "Gerade für mögliche Spiele schon 2036 müssen wir sehr genau prüfen, was in diesem Zeitraum tatsächlich realisierbar ist." Eine U-Bahn bleibt aus seiner Sicht in einer langfristigen Perspektive trotzdem noch möglich.
Die FDP ist nicht komplett dagegen, von den U-Bahn-Plänen abzurücken. "Es hängt von der Finanzierung ab", sagt FDP-Stadträtin Patricia Riekel. Die Stadt müsse nun beide Varianten genauer untersuchen.
Auch aus der Opposition kommt (zum Teil) Zuspruch für die Idee einer Tram. "Sie ist realistischer", sagt der ÖDPler Tobias Ruff. Denn die Stadt will außerdem die S-Bahn zwischen Johanneskirchen und Daglfing in einen Tunnel verlegen. Eine U-Bahn müsste darunter liegen – was teuer und aufwendig werden könne.
Die CSU hingegen will an den U-Bahn-Plänen festhalten. Eine Tram habe weniger Kapazität und sei langsamer, sagt Stadträtin Veronika Mirlach. "Wenn man bedenkt, dass dort ein größeres Stadtviertel entsteht, ist eine Tram daher nicht unbedingt zukunftsgerichtet." Zudem biete Olympia die große Chance, eine neue U-Bahnlinie zu ermöglichen. "Diese Chance sollte man unbedingt nutzen", findet Mirlach.
