Touren in und um München: Gehen mit Gemüt(lichkeit)

Erleben Sie Streifzüge durch die schöne Natur, fast direkt vor Ihrer Haustür. Bei diesen Wanderungen können Sie einfach mal abschalten und es sich gut gehen lassen.
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Der Poschinger Weiher mit einer dramatischen Wolkenstimmung. Das Bild könnte glatt aus diesem Gewitter-Sommer stammen.
Der Poschinger Weiher mit einer dramatischen Wolkenstimmung. Das Bild könnte glatt aus diesem Gewitter-Sommer stammen. © Harald Hesse

Das Wochenende verspricht herbstliche Temperaturen, aber sonnige Zeiten. Da muss man doch einfach an der frischen Luft Kraft tanken!

Das neue Buch "Wandern für die Seele" von Andrea und Harald Hesse (Droste Verlag, 17 Euro) versammelt 20 Touren rund um München. Hier werden keine Gipfel erklommen oder Höhenmeter gesammelt. Die Streifzüge durch Wälder, über Felder und an Flüssen entlang sollen einen nicht auspowern, sondern im Gegenteil: Hier lässt sich richtig Kraft schöpfen. Durch die schöne Natur, durch das Gehen, endlich mal seinen Gedanken nachgehen können.

Das neue Buch "Wandern für die Seele" von Andrea und Harald  Hesse  (Droste  Verlag,  17 Euro) versammelt 20 Touren rund  um  München.
Das neue Buch "Wandern für die Seele" von Andrea und Harald Hesse (Droste Verlag, 17 Euro) versammelt 20 Touren rund um München. © Verlag

Die AZ darf Ihnen hier drei Touren vorstellen.

Der Hohenbrunner Rundwanderweg

Ausgangspunkt: Hohenbrunn
Strecke: 8,3 km
Dauer: 2 Stunden

Wunderbar beruhigende Waldstimmung.
Wunderbar beruhigende Waldstimmung. © Harald Hesse

Wir starten in der 8.900-Seelen-Gemeinde Hohenbrunn im Südosten Münchens, circa 15 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt, am Harthauser Weg, Ecke Flößergasse. Einer Informationstafel (1) entnehmen wir, dass uns der "2016 eröffnete und in Folge zum Erlebnisweg ausgebaute Hohenbrunner Rundwanderweg durch einen der schönsten Wälder unserer Heimat" führt.

Auf geht's, die Flößergasse entlang - zur Rechten Häuser, zur Linken Felder. Nach gut 300 Metern biegen wir links in den Pframmerner Weg, auf dem wir einen Kilometer bleiben. Unterwegs passieren wir eine große Blühfläche - davon gibt es auf dem Gemeindegebiet mehrere. Das verdanken wir einem Kooperationsprojekt der Gemeinde Hohenbrunn mit der lokalen Bauern- und örtlichen Jagdgenossenschaft. Auf den Projektflächen stehen bienen- und insektenfreundliche Pflanzen wie Ölrettich, Kornblumen, Ringelblumen und Dill.

An einem Abzweig folgen wir dem Wegweiser Richtung Grasbrunn/Putzbrunn. Sogleich streifen wir das Naturdenkmal Altlauf (2) . Auf einer Fläche von rund fünf Fußballfeldern steht hier einer der wenigen erhalten gebliebenen Eichen-Hainbuchen-Wälder im östlichen Landkreis München. Solche Laubwälder waren früher typisch für das Landschaftsbild dieser Gegend. An einer Bank informiert eine erste Tafel (es folgen noch zwei weitere), was diese kleine "Insel im Wald" so besonders macht. Da im Schutzgebiet weder abgestorbene noch umgestürzte Bäume (Totholz) entfernt werden dürfen, wirkt das Waldstück mit seinen Sträuchern, Büschen und Jungbäumen zwischen den alten Baumrecken wild und ursprünglich. Am Ende des Altlaufs wenden wir uns nach links, der Beschilderung Hohenbrunner Rundwanderweg folgend. Er führt uns am Hohenbrunner Gewerbegebiet vorbei, durch eine Baumzeile davon getrennt.

Tour Hohenbrunner Rundwanderweg
Tour Hohenbrunner Rundwanderweg © Thorsten David

Die weitaus schönere Aussicht wird uns auf der gegenüberliegenden Seite geschenkt: ein malerischer Panoramablick auf Hohenbrunn, aus dessen Mitte sich der Kirchturm von St. Stephanus mit seiner barocken Zwiebel in den weiß-blauen Himmel hebt. Bevor uns die Beschilderung durch eine 90-Grad-Rechtskurve in den Höhenkirchener Forst leitet, treffen wir auf eine am 24. Februar 2020 aus kleinen Baumstämmen gezimmerte Bank, die sich durch ein handschriftliches Dokument als "Poesie-Bank" (3) vorstellt. Seitlich hängt ein kleines Heftchen mit Versen, die romantische Seelen aufs Trefflichste erwärmen.

Dort lesen wir: "Diese Bank ist dem Mädchen gewidmet, das ich liebe - meiner Freundin", und dann: "Hektisch eilen die Menschen von Ort zu Ort, doch an diesem Platz hat die Ruhe ihren Hort". Wir verweilen ein wenig auf der Bank und lassen uns von den Sonnenstrahlen streicheln, während wir den wunderbaren Ausblick auf Hohenbrunn genießen.

Dann geht's in den Höhenkirchener Forst hinein, der sich von Putzbrunn und Grasbrunn im Norden bis nach Aying im Süden als halbkreisförmiger Baumwall um die Orte Hohenbrunn und Höhenkirchen-Siegertsbrunn legt.

Zunächst noch ein kleines Stück am Gewerbegebiet entlang, dann tauchen wir vollends in den Wald ein.

Schon bald treffen wir auf einen beschilderten Abzweig. Wer nur Zeit und Muße für den "kurzen Weg" hat, biegt hier links ab. Wir entscheiden uns für die lange Variante und bleiben auf dem Pframmerner Weg, bis wir nach circa 1,5 Kilometern auf einen Querweg stoßen, an dem wir uns links halten.

Der Forst wartet nun mit allem auf, was er zu bieten hat: Auf Nadelholzpassagen folgt Mischwald, an einem Streckenabschnitt wachsen auf der rechten Seite nur Fichten, auf der linken ausschließlich Buchen. Mal stehen die Bäume dichter, mal luftiger; mal tunneln ihre Kronen unseren Weg, mal ziehen sie sich dezent zurück, sodass sich der Himmel über unseren Köpfen weitet.

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Unterwegs treffen wir wiederholt auf Stationen des Erlebniswegs. Einige aktualisieren und erweitern mittels Informationstafeln unser Wissen über den Lebensraum Wald, seine Bäume und Bewohner, seine Funktionen. Andere laden zu besonderen Aktivitäten ein: ein Barfußpfad, ein Baumtelefon, ein Balancierparcours, ein Klangspiel und vieles mehr.

Unsere Route verläuft im munteren Zickzack weiter. Die Gefahr, vom Weg abzukommen, besteht nicht: Der Rundwanderweg ist mustergültig ausgeschildert. An jedem Abzweig steht ein gut sichtbarer Wegweiser, der uns in der richtigen Spur hält.

Bei Kilometer 7 entlässt uns der Höhenkirchener Forst aus seiner baumreichen Umarmung. Vor uns sehen wir die inzwischen vertraute Silhouette von Hohenbrunn mit dem Zwiebelturm von St. Stephanus.

An dieser Stelle steht ein großer, von Hohenbrunner Kindern im Rahmen eines Sommerferienprogramms bemalter Bilderrahmen (4). Durch diesen hindurch kann der geneigte Wanderer vor der Kulisse Hohenbrunns ein Erinnerungsfoto schießen. Damit man später noch weiß, welches Motiv das Foto zeigt, steht auf dem Rahmen in Großbuchstaben "Mein Hohenbrunn" geschrieben. Eine sympathische Idee, von der, wie wir beobachten konnten, auch Gebrauch gemacht wird.

Knapp anderthalb Kilometer sind es noch bis zum Ausgangspunkt unserer Tour. Wir wenden uns nach links und folgen einem Wiesenpfad, der uns zunächst am Waldrand, dann an einem zweiten Blühfeld entlangführt. Unterwegs treffen wir auf eine schlichte Steinbank, neben der sich ein steinerner Bildstock befindet. Danach folgen noch weitere Bänke, die zum stillen Verweilen einladen und mit einem malerischen Ausblick locken. Am Horizont zeichnet sich die Alpenkette ab.

Sodann wenden wir uns nach rechts auf den Harthauser Weg, der uns zwischen Feldern hindurch und an Pferdekoppeln vorbei bis zur Flößergasse bringen wird. Kurz vorm Ziel kommt es zu einer überraschenden Begegnung mit Astrid Lindgren.

An der furchigen Rinde eines prächtigen Baumstamms, zu dessen Füßen ein weiterer Bildstock und eine mit einem Herz verzierte Sitzbank stehen, hängt eine Schiefertafel (5) mit einem Zitat der schwedischen Autorin von Pippi Langstrumpf. Sie spricht uns aus der Seele: "Und dann muss man ja auch noch Zeit haben, einfach dazusitzen und vor sich hin zu schauen." Ja, denken wir, wo sie recht hat, hat sie recht. Also nehmen wir uns die Zeit, hocken uns nieder und genießen in aller Ruhe das wunderschöne Landschaftsbild. Und das tut einfach richtig gut!


Zum Poschinger Weiher

Ausgangspunkt: Bushaltestelle Grüntal (Bus 187 ab Arabellapark)
Strecke: 11 km
Dauer: 2,5 Stunden

Eine Rast am Weiher.
Eine Rast am Weiher. © Harald Hesse

Neun Brücken, ein Kanal und ein Weiher, der immer noch als Geheimtipp gilt, bestimmen unsere Rundtour. Die 1924 errichtete Korsobrücke, eine Bogenbrücke aus Stahlbeton, macht den Auftakt. Wir erreichen sie von der Mauerkircherstraße aus über die (autofreie) Mittlere-Isar-Straße. Sie bringt uns unweit vom Stauwehr Oberföhring am Einlauf des Mittleren Isarkanals über den Kanal und eine schmale Steintreppe ans Ostufer der Isarinsel Oberföhring  (1).

Knapp 500 Meter weiter erwartet uns eine weitere Schönheit, die Haimonbrücke (früher Postwegbrücke) (2), ebenfalls 1924 gebaut. In einem sanften Bogen quert die Fußgängerbrücke den Kanal, dicht überwuchert von sattgrünem Efeu, der seine langen, dünnen, blattreichen Triebe wie einen Vorhang übers Wasser fallen lässt. Sodann steigen wir eine leicht gewundene Steintreppe zur malerischen Brücke hinauf und auf der anderen Seite wieder herab.

Gerade einmal 400 Meter später passieren wir die nächste Kanalbrücke, über die es ein Katzensprung bis zur historischen St. Emmeramsmühle (3) mit ihrem idyllischen Biergarten wäre. Unser Weg führt jedoch weiter den Mittleren Isarkanal entlang. Dann beeindruckt uns die augenfällige Architektur eines Doppelhauses am Oberföhringer Ufer: leicht gewölbte Tonnendächer, großzügige Sprossenfenster. Wie zwei nebeneinanderliegende Mississippi-Queen-Raddampfer (4) lugen sie aus der grünen Ummantelung hervor - zum Kanal hin dichte Sträucher, seitlich und im Rücken hoch gewachsene Laubbäume mit üppiger Krone. Dazu die vier Schornsteine aus Edelstahl, aus einem steigt Rauch. Man wartet nur darauf, dass jemand ruft: Leinen los!

Kurz darauf lassen wir eine weitere Brücke rechts liegen, über welche die Mittlere-Isar-Straße die Isarinsel Oberföhring wieder verlässt.

Tour zum Poschinger Weiher
Tour zum Poschinger Weiher © Thorsten David

Wir bleiben auf dem Uferweg, der sich kaum spürbar zum Dammweg mausert und über den Kanal erhebt. Auf der linken Seite etwas unterhalb verläuft parallel ein Rad-/Fußweg. Dahinter, durch einen Baumstreifen getrennt, bahnt sich die Isar ihren Weg. Sodann unterqueren wir zunächst die nach Heinrich dem Löwen, dem Gründer Münchens, benannte Herzog-Heinrich-Brücke (Achtung: Kopf einziehen!), über die der verkehrsreiche Föhringer Ring verläuft. Nun folgen kurz aufeinander zuerst die Leinthalerbrücke, anschließend eine Eisenbahnbrücke (Achtung: Kopf noch tiefer einziehen!). Die beiden Gleise liegen auf einem rund 140 Meter langen geschweißten Durchlaufträger. Wer unter der Eisenbahnbrücke einen Blick in ihr Inneres riskiert, kann ein imposantes Stahlgerippe bestaunen.

Wir ziehen weiter, immer am Damm entlang. In einiger Entfernung erhebt sich auf der anderen Uferseite über den Baumkronen die verschindelte Zwiebelhaube der Unterföhringer Pfarrkirche St. Valentin (5). Auf Höhe der Kirche spannt sich eine schmale Fußgängerbrücke über den Kanal, über die wir, wenn wir wollten, einen Abstecher zu ihr machen könnten.

Wenige Schritte später verabschiedet sich der Kanal langsam, aber sicher von der Isar. Wir bleiben ihm treu und folgen dem Dammweg, der jetzt eine lang gezogene Rechtskurve nimmt. Zur Linken öffnet sich gelegentlich die Uferbepflanzung, sodass wir einen ersten Blickkontakt zum idyllischen Poschinger Weiher bekommen. Rund 200 Meter vor der nächsten Kanalbrücke (Münchner Straße) nähert sich von links ein zweiter Weg, der sich mit dem unseren im spitzen Winkel vereint. Den schlagen wir nach links ein, um uns nach wenigen Metern rechts einem Trampelpfad anzuvertrauen. Leicht abfallend geleitet er uns erst in Serpentinen einen Waldhang hinunter, dann kurvenreich über eine offene Grünfläche bis zur Straße Am Poschinger Weiher - nahe einem Schild, das darauf hinweist, dass hier Krötenwanderungen möglich sind. Circa 1,5 Kilometer lang ist die Runde um den idyllischen Weiher mit einer kleinen Insel, einem Biotop für Vögel, das nicht betreten werden darf. Obwohl der Weiher alles hat, was einen guten Badesee auszeichnet - große Liegewiesen, Spiel- und Bolzplatz, Gastronomie und sogar behindertengerechte Toiletten -, ist er im Sommer längst nicht so überlaufen wie andere Seen und Weiher in und um München.

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Von der Straße biegen wir links auf einen kleinen Weg ein, der uns, immer in Ufernähe, um den Weiher führt - vorbei an der Seewirtschaft (6), einer einladenden Gaststätte mit schattigem Biergarten. Etwa 300 Meter nach dem Biergarten stoßen wir auf einen breiteren Weg, der oberhalb des Weihers und unterhalb des Damms verläuft. Wir halten uns links. Keine zehn Minuten später schließt sich der Kreis um den Poschinger Weiher. Wir gehen zur Brücke der Münchner Straße, wechseln über sie hinweg die Uferseite und laufen immer am Kanal entlang zurück zur Leinthalerbrücke. Über diese wechseln wir zur anderen Uferseite auf den schon bekannten Weg. Wir unterqueren die Herzog-Heinrich-Brücke (auch jetzt gilt wieder: Kopf einziehen!), um bei der nächsten Brücke (Mittlere-Isar-Straße) ein letztes Mal die Seiten zu wechseln.

Zur Linken begleitet uns fortan der Brunnbach (7), der im Herzogpark entspringt, von Grundwasser gespeist wird und direkt neben der Brücke, über die wir gerade gegangen sind, einen Bogen Richtung Kanal und Isar schlägt. Im weiteren Verlauf serviert uns das idyllische Bächlein wiederholt Natureindrücke wie aus einem Bilderbuch. Manche Stellen sind so malerisch oder verwunschen, dass wir innehalten und einfach nur staunen. In der Hoffnung, dieses Bild, diese Stimmung wie ein trockener Schwamm aufzusaugen und mit nach Hause zu nehmen.

An der Korsobrücke verlassen wir den Kanal nach links und stehen nach wenigen Schritten wieder auf der Mauerkircher Straße, in der unsere Tour durchs Grüntal begann.


Durch den Deisenhofener Forst

Startpunkt: Sauerlach
Strecke: 7,8 km
Dauer: 1,5 Stunden

Wenn der Herbst langsam einzieht, ist es auf der Flur besonders schön!
Wenn der Herbst langsam einzieht, ist es auf der Flur besonders schön! © Harald Hesse

Wer gern durch Wald und Flur wandert, ist im Deisenhofener Forst bestens aufgehoben. Das knapp zwölf Quadratkilometer große Waldgebiet ist flach wie eine Flunder und steht auf dem Gebiet der Münchner Schotterebene, ein Erbe von drei Eiszeiten, das keine wesentlichen Bodenerhebungen kennt.

Über den Stauchartinger Weg verlassen wir Sauerlach, lediglich der Zwiebelturm der Saalkirche St. Andreas, der die Dächer des Ortes überragt, wirft noch länger ein Auge auf uns. Zunächst passieren wir eine Baumreihe, die 1908 von den Sauerlachern Xaver Schmalzgruber und Andreas Humps gepflanzt worden ist und "Allee der 40 Sommerlinden" heißt. Zwischen den mächtigen Stämmen lädt gelegentlich eine Bank zum Verweilen ein. Wir überqueren den Gänskragenweg und gehen an zwei Scheunen und einem allein stehenden Haus vorbei, neben dem der Sauerlacher Hundetreff Hotdogs sein umfriedetes Vereinsgelände hat.

Nun öffnet sich die Landschaft vollends - kein Gebäude stellt sich dem umherschweifenden Blick in den Weg. Mit jedem Schritt, den wir uns ihm nähern, wächst der Deisenhofener Forst höher vor uns auf. Als wir uns noch einmal nach Sauerlach umdrehen, bietet sich uns ein Blick (1) , der wenige Hundert Meter zuvor noch nicht zu erahnen war: Jenseits des Ortes zeichnet sich am Horizont das gipfelreich gezackte Alpenband ab.

Wenige Minuten später erreichen wir den Wald. Hier endet der Stauchartinger Weg und beginnt das Hirschbrunnen-Geräumt. Durch eine Schneise tauchen wir immer tiefer in das Schatten spendende Gehölz ein, das uns wie ein grünes Spalier umgibt. Als wir das Saubogen-Geräumt kreuzen, durchschreiten wir ein intensives Lichtfeld der von links einfallenden Sonne. Seitlich passieren wir einen kleinen Parkplatz.

Tour durch den Deisenhofener Forst
Tour durch den Deisenhofener Forst © Thorsten David

Der Waldboden erinnert stellenweise an eine Galerie für moderne Kunst: Hier Totholz mit der Anmutung einer hölzernen Skulptur, da eine moosgrüne Installation, deren Farbe je nach Lichteinfall in leichten Nuancen changiert. Und dort ein morscher Körper mit vielen übereinanderliegenden Ast-Armen. Da und dort finden sich Kolonien von Hallimasch-Pilzen, die mit ihren honiggelben bis bräunlichen Hüten freundlich grüßen. Doch was wir laienhaft als niedlich empfinden, ist für Waldexperten ein gefürchteter Forstschädling.

Wir gelangen an das Staucharting-Geräumt, an dem uns rechter Hand eine lichtdurchflutete Lichtung willkommen heißt.

Mittendrin steht die schöne Wallfahrtskapelle St. Anna (2) mit ihrem achteckigen Haubenturm, einst die Hofkapelle der Schwaige Staucharting ("Schwaige" ist ein einheimischer Ausdruck für einen Viehhof). Erbaut wurde sie von Melchior Seidl, dem Schwaiger, also Verwalter, des Hofs, und von seiner Frau.

Wir genießen die Stille, während wir auf einer der Sitzbänke neben der Kirche ausruhen und eine große Dosis Sonne tanken. Ein wunderbarer Moment, der einfach guttut.

Nachdem die Akkus wieder geladen sind, ziehen wir übers Staucharting-Geräumt weiter. Die kleine Kapelle lassen wir links hinter uns zurück, die positive Energie nehmen wir mit! Gut 500 Meter weiter, kurz nachdem wir das Oetz-Geräumt überquert haben, erreichen wir eine Weggabelung, in deren spitzem Winkel sich eine Wieseninsel eingenistet hat. Zwei Bäume stehen darauf, einer mit Doppelstamm. Ein kurzer Querweg unmittelbar hinter der kleinen Bauminsel verbindet die beiden Abzweige zusätzlich.

An dieser Weggabelung biegen wir nach rechts in den Lanzenhaarer Kirchenweg ein, der uns weitere 1,5 Kilometer durch den Wald führen wird. Unterwegs unterqueren wir eine Eisenbahnbrücke.

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Wo wir aus dem Wald heraustreten, treffen wir auf eine Querstraße. Auf der linken Seite sehen wir über eine Pferdekoppel hinweg die Kirche St. Ulrich (3) mit einem achteckigen Dachreiter samt Spitzhelm. Ihre Ursprünge reichen deutlich weiter zurück als die der St. Anna-Kapelle, wie wir einer Infotafel entnehmen. Leider ist auch diese Kirche verschlossen. So lassen wir uns an der Chorseite auf einer Bank nieder und die Kulisse auf uns wirken. Die angenehme Stille wird alle paar Minuten von klappernden Pferdehufen unterbrochen. Reiterinnen, fest im Sattel - mal allein, mal zu zweit. In der Nähe sind Reiterhöfe und Reitställe, daher die vielen Pferdestärken.

Genug geruht, genug gesehen - auf geht's. Zurück zu der Stelle, wo wir den Wald verlassen haben. Hier halten wir uns nun halb links, gehen an der Koppel vorbei und am Waldrand entlang. Nach 100 Metern macht der Weg eine sanfte Rechtskurve, durch die wir erneut in den nun wieder dichter stehenden Deisenhofener Forst eintauchen. Der Lanzenhaarer Kirchenweg wird uns durch den ganzen Wald hindurch bis an den Ortsrand von Sauerlach begleiten, alle folgenden Abzweigungen lassen wir rechts und links liegen, bleiben stets auf dem Hauptweg.

Nach gut einem Kilometer treten wir aus dem Wald ins Freiland, zur Linken begrüßt uns ein Hochsitz, der sich in 3 Metern Höhe an den Stamm einer alten Kiefer lehnt. Wir klettern die Leiter ein paar Stufen hinauf und lassen die Augen langsam über die Landschaft zu unseren Füßen schweifen.

Auf beiden Seiten des Wegs reihen sich Wiesen und Felder aneinander. Vor uns, im Süden, jenseits der Baumwipfel, lacht uns wieder am Horizont die Silhouette der Alpenkette an. Darüber der schier endlos wirkende Himmel, dessen Blau je heller wird, je näher es der Erde kommt. Darauf passieren wir zur Linken eine kleine Bauminsel mit einer Sitzbank davor, die in den frühen Abendstunden von Tagen mit solchem Bilderbuchwetter zur naturnahen Sonnenbank wird.

Kurz vor den ersten Häusern von Sauerlach verlassen wir den Lanzenhaarer Kirchenweg an einer Weggabelung nach rechts und gelangen wieder an die Bahntrasse, die wir in einem schmalen Gang unterqueren. Sodann biegen wir nach links in die Deisenhofener Straße, der wir bis zum Spielplatz am Stauchartinger Weg folgen, einen Steinwurf vom Ausgangspunkt entfernt. An der Straße, vor einem hoch gewachsenen Baum, steht ein Feldkreuz (4) mit Christusfigur, eine Rosenblüte zwischen den Füßen.

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