Tipps zum Wandern: Schliersee und Osterseen - ruhige Touren rund um München

Ein neues Wanderbuch zeigt ruhige Touren rund um München. Die AZ stellt hier zwei von ihnen vor.
| Florian Kinast
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Der Schliersee ist ein Bilderbuchsee in den Bayerischen Voralpen, und ihn zu umrunden ist erstaunlich ruhig.
imago images/Plusphoto 5 Der Schliersee ist ein Bilderbuchsee in den Bayerischen Voralpen, und ihn zu umrunden ist erstaunlich ruhig.
Die Osterseen sind sogenannte Toteiskessel.
imago images/Fotostand 5 Die Osterseen sind sogenannte Toteiskessel.
"Ich bin dann mal wandern" von Florian Kinast (Emons Verlag, 16 Euro).
Emons Verlag 5 "Ich bin dann mal wandern" von Florian Kinast (Emons Verlag, 16 Euro).
Die Tour geht einmal um den See.
Altan Cicek 5 Die Tour geht einmal um den See.
Gleich mehrere Seen nimmt man hier mit.
Altan Cicek 5 Gleich mehrere Seen nimmt man hier mit.

Endlich ist das Wetter weniger trüb, ab in die Wanderschuhe! „Ich bin dann mal wandern“ von Florian Kinast (Emons Verlag, 16 Euro) hat 25 abwechslungsreiche Touren im Münchner Süden im Gepäck. Wir stellen zwei von ihnen vor.

"Ich bin dann mal wandern" von Florian Kinast (Emons Verlag, 16 Euro).
"Ich bin dann mal wandern" von Florian Kinast (Emons Verlag, 16 Euro). © Emons Verlag

Wander-Tour Nummer 1: Der Schliersee ohne Trubel

Ausgangspunkt: Bahnhof Schliersee
Strecke: 9,7 km

Die Tour geht einmal um den See.
Die Tour geht einmal um den See. © Altan Cicek

Im Vergleich heißt es gern, der Schliersee sei viel ruhiger und beschaulicher als der Tegernsee. Beim Schliersee reicht ein halber Tag, um ihn zu umrunden, inklusive Besuch der Burgruine. Vom Bahnhof Schliersee, dem Ausgangspunkt, startet ihr gleich einmal runter zum See, vorbei an der Vitalwelt.

Vom Ufer aus vorbei am Café Milchhäusl

An der Uferpromenade entlang kommt ihr zum Café Milchhäusl (Nummer 1 auf der Karte). Das Lokal hat auch eine lange Geschichte, sie geht zurück bis 1923, als das Haus noch eine windige Hütte in einem Sumpfgebiet war, zu erreichen nur über einen schmalen Weg. Der Großvater des heutigen Besitzers traf sich hier immer mit seinen Spezln zum Schafkopf, damit er vor seiner Frau daheim seine Ruhe hatte. Sie vor ihm somit auch.

Mit der Zeit wurde der Pfad begehbarer, immer mehr Spaziergänger kamen des Wegs, und so fing der Opa, als Inhaber einer Molkerei, mit dem Ausschank von Milch an. Kurz vor dem Krieg eröffnete er dann das Café, das seine Tochter ab 1949 übernahm und ausbaute.

Über die Schlierach und den Baumerlebnisweg zur Westseite des Sees

Weiter geht's über die Schlierach, die als einziger Abfluss des Sees 14 Kilometer weiter nördlich in die Mangfall mündet. Vorbei am nostalgischen Natureisstadion und über Hügel der Halbinsel Freudenberg auf die Westseite des Sees, zum Weg entlang der Bahnstrecke nach Bayrischzell.

Für Kurzweil sorgt dabei der Baumerlebnisweg (2 auf der Karte) mit kleinen Stationen wie Barfußpfad oder Erklärtafeln zur hiesigen Fauna und Flora - inklusive der Verlobungstanne, weil sich verliebte Pärchen hier an den Gestaden des Schliersees einst die ewige Treue im Bund fürs Leben geschworen hatten.

Tolles Panorama von der Burg Hohenwaldeck

Bald habt ihr nun schon das Südufer erreicht, dort geht es entlang von Bootshäusern und Badestellen zur B307. Rechts abbiegen und etwa 400 Meter entlang der Straße, dann nach links in den Maxlrainerweg und bald darauf in den beschilderten Fußweg zur Burg Hohenwaldeck (3 auf der Karte). Die Burg ist heute nur noch eine Ruine, mit Vorsicht zu genießen und zu begehen. Manche Forscher schreiben den Ursprung noch den alten Römern zu, sicher ist, dass die Burg im Mittelalter einige Jahrhunderte lang den Grafen von Waldeck gehörte. Von dort oben bietet sich neben dem prächtigen Panorama hinaus ins Flachland auch ein Blick auf die Insel Wörth.

Von der Ruine aus geht der Weg nun weiter Richtung Norden, noch ein kurzes Stück bergauf, dann hinunter über das Gehöft Oberleiten in die Ortschaft Schliersee zurück.

Weißblaues Holldrijö-Klischee im Schlierseer Bauerntheater

Am Minigolfplatz erreicht ihr wieder die Hauptstraße, dort biegt ihr rechts ab nach Norden in Richtung Bahnhof. Am Xaver-Terofal-Platz auf der rechten Seite steht übrigens das Schlierseer Bauerntheater (4 auf der Karte), gegründet 1892 von einem gewissen, na klar, Xaver Terofal.

In jener Zeit, als die ersten Urlauber aus den Städten kamen, hatte so eine Bühne mit Heimatschwänken Hochkonjunktur. Anders als beim Wasmeier zeigte man schon damals dem Besucher nicht eine Welt, wie sie war, mehr eine, wie sie der Besucher wollte. Weißblaues Holldrijö-Klischee.

Der umtriebige Terofal erkannte das Potenzial solch banaler Bauernschwänke, tourte mit seiner nur mit Laiendarstellern bestückten Truppe durch die Urlauberorte in Deutschland, Österreich, der Schweiz - und fuhr schließlich mit dem Dampfer sogar über den Atlantik zu zwei Auftritten als "Peasant Theatre" in der, ganz im Ernst, New Yorker Met. Aufgeführt wurde das Stück "S'Lieserl vom Schliersee", das den Rezensenten der "New York Times" aber nicht wirklich vom Hocker riss.

In seiner Theaterkritik tags darauf vermisste er die Dramaturgie der Handlung ("The Story is simple, the outcome is visible"), bescheinigte der Inszenierung aber immerhin ein gewisses Maß an komödiantischen Qualitäten ("unusual amount of comic").

Möglichkeit zur Einkehr: Der Kiosk am See

Bevor es nun am Bahnhof wieder heimwärts geht, solltet ihr unbedingt nahe dem südöstlichen Eck der Vitalwelt noch den Kiosk am See für eine Einkehr aufsuchen. Und den Tag mit einer Stunde im Ruderboot oder Tretboot auf dem See beschließen. Falls ihr zweisam unterwegs seid: ist noch romantischer als unter der Verlobungsfichte.

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Tour Nummer 2: Osterseen - Wandern im Wasserwunderland

Ausgangspunkt: Parkplatz Osterseen, Iffeldorf
Strecke: 10,5 km

Gleich mehrere Seen nimmt man hier mit.
Gleich mehrere Seen nimmt man hier mit. © Altan Cicek

Diese wunderbare Rundtour führt von Iffeldorf im Uhrzeigersinn um den südlichen und mittleren Teil und streift 16 der insgesamt zwei Dutzend Gewässer, die zum Seenverband dieses Naturidylls gehören. In Iffeldorf startet ihr vom Parkplatz Osterseen Richtung Nordwesten. Schon nach wenigen Metern passiert ihr Schautafeln, die in die Wissenschaft der Limnologie einführen, also die Funktionsweise von Binnengewässern als Ökosystemen, und die damit schon viel über die Besonderheit und die Geschichte der Osterseen erzählen.

Die Osterseen entstanden im Zuge der letzten Eiszeit vor knapp 20 000 Jahren. Damals trennten sich gewaltige Eisblöcke von der Hauptzunge des schmelzenden Isar-Loisach-Gletschers und bildeten sogenannte Toteiskessel: trichterförmige Becken, die sich mit Schmelz- und Regenwasser füllten und die bis heute vor allem unterirdisch von Grundwasser gespeist werden. Gut erkennen lässt sich die geologische Besonderheit schon nach einem Kilometer.

Richtung Nordosten zur Quelle Blaue Gumpe

Folgt dem Wegweiser in nordöstlicher Richtung und macht einen Abstecher zur Quelle Blaue Gumpe (1 auf der Karte). Nach 100 Metern führt ein Holzsteg über ein glasklares Becken, die Wände von weißen Kalkablagerungen des unterirdischen Quellwassers überzogen. Die Temperatur beträgt konstant zehn Grad, weshalb das Wasser auch im Winter nicht einfriert, sondern fast mystisch von Dampf überzogen ist.

Geht wieder zurück auf den Hauptweg Richtung Nordwesten. Nach einigen Hundert Metern, wo der Teerweg zu einem mit einer schwarz-gelben Schranke gesicherten Privatgrundstück führt, haltet ihr euch rechts und folgt dem grünen Schild "Lauterbach Seeweg". Durch ein Waldstück erreicht ihr das Westufer des Großen Ostersees, der mit einer Fläche von mehr als 117 Hektar größer ist als die übrigen 23 Gewässer der gesamten Osterseen-Gruppe zusammen mit ihren 106 Hektar.

Die Osterseen sind sogenannte Toteiskessel.
Die Osterseen sind sogenannte Toteiskessel. © imago images/Fotostand

Mühle, Wirtschaft, Privatklinik: Die Lauterbacher Mühle

Immer wieder bieten sich schöne Blicke durch Bäume und Schilf auf das Wasser, bevor ihr das Gelände der Lauterbacher Mühle (2 auf der Karte) erreicht, einer Privatklinik für Kardiologie, Innerer Medizin und Psychosomatik. Früher war die Mühle eben eine Mühle, es gab viel Wirtschaft hier, erst eine Landwirtschaft, dann eine Gastwirtschaft.

1958 baute der damalige Eigentümer Rudolf Grön das Anwesen zu einem Kurhaus um, allerdings unter eher spartanischen Bedingungen. Nach Gröns Tod übernahm seine Witwe Ortrud die Leitung der Mühle, baute das Sanatorium um zu einer Klinik für Herz und Kreislauf, aber eben auch für Psychosomatik. Als Psychotherapeutin war Ortrud Grön Zeit ihres Lebens eine der führenden Traumforscherinnen des Landes.

Über eine sanfte Steigung gelangt ihr auf eine Anhöhe, von der sich bei klarer Sicht ein wunderbarer Panorama-Blick über den Großen Ostersee auf den Gebirgszug zwischen Blomberg und Benediktenwand öffnet. Nun lasst ihr die Lauterbacher Mühle hinter euch.

Die Abzweigung am Telegrafenmasten nicht verpassen

An der nächsten Abzweigung folgt ihr den Rundweg-Schildern mit der Nummer 25 nach rechts auf die Teerstraße, bevor ihr nach einem weiteren guten halben Kilometer aufpassen müsst. Da zweigt die Tour ohne Vorwarnung und Markierung an einem braunen Telegrafenmasten nach rechts in östlicher Richtung auf einen Feldweg ab. Immer wieder gibt es auf dem nächsten Teilstück kleine, kurze Pfade, die durchs Schilf ans Ufer des kleinen Ameissees führen, dem nördlichsten Gewässer der mittleren und südlichen Osterseen, mit lauschigem Blick auf Rabenkopf und Jochberg.

Kurz vor der Hälfte der Tour, nach insgesamt gut fünf Kilometern, erreicht ihr den Wendepunkt, den Bahndamm der Zugstrecke zwischen München und Kochel. Ab hier wieder Richtung Südosten, bald überquert ihr auf einem kleinen Steg neben der Bahn die Osterleiter. Vorbei geht es danach an einer kleinen Imkerei zu eurer Linken. Dann breitet sich der wohl schönste Panorama-Blick aus, der sich am besten von einer der Aussichts-Parkbänke (3 auf der Karte) bei einer ordentlichen Brotzeitpause aus genießen lässt - oder an einem heißen Sommertag gleich unten am See, warten hier doch zwei der aus Naturschutzgründen ganz wenigen ausgewiesenen Badeplätze im gesamten Osterseen-Gebiet.

Zwischen Fohnsee und Großem Ostersee zurück zum Ausgangspunkt

Links vom Weg liegt das Gut Aiderbichl. 2012 eröffnet, als dritte öffentliche Zweigstelle des von Michael Aufhauser einst in Henndorf bei Salzburg gegründeten Gnadenhofs für gerettete Tiere. Nach Rast oder Baden geht es weiter Richtung Süden. An der nächsten größeren Kreuzung, rund eineinhalb Kilometer nach der Panorama-Bank, nach rechts. Mit breitem Kinderwagen sollte man an der folgenden Gabelung nach 500 Metern halbrechts abbiegen, hier geht es zwischen Fohnsee (4 auf der Karte) und Großem Ostersee über die Blaue Gumpe zurück zum Parkplatz.

Alle anderen gehen nach links über einen schmalen Steg und weiter durch den Campingplatz Fohnsee Richtung Iffeldorf mit seinen diversen Einkehr-Optionen.


 

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