Gauting: So schick war man im Frühmittelalter

Grabungen auf einem frühmittelalterlichen Friedhof im Münchner Umland bringen Spektakuläres zutage. Was die Fundstücke erzählen.
| Myriam Siegert
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Die goldene Vierpassfibel (um 600) aus dem Frauengrab.
BLfD 4 Die goldene Vierpassfibel (um 600) aus dem Frauengrab.
Goldbrakteaten von einer Kette mit Münzbild Kaiser Justinians.
BLfD 4 Goldbrakteaten von einer Kette mit Münzbild Kaiser Justinians.
Eine Melonenperle ist auch unter den Fundstücken.
BLfD 4 Eine Melonenperle ist auch unter den Fundstücken.
Die skandinavische Fibel (600).
BLfD 4 Die skandinavische Fibel (600).

Gauting - Eine reiche Tochter? Eine Dame der High Society? Ganz sicher jedenfalls war die junge Frau eine echte Trendsetterin - eine frühmittelalterliche.

Archäologen brachten edle Schmuckstücke hervor 

Grabungen in frühmittelalterlichen Gräbern am Krapfberg in Gauting (Lkr. Starnberg) haben außergewöhnlich reich verzierte Schmuckgegenstände, aus Gold und Edelsteinen, Perlen sowie repräsentative Waffen zum Vorschein gebracht. Die Archäologen hatten im Vorfeld von Bauarbeiten 15 Bestattungen untersucht, Funde geborgen und Befunde untersucht. Am Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege wurden die Fundstücke jetzt untersucht.

Grab ist eines der reichsten in Bayern

Als besonders kostbar entpuppte sich dabei der Schmuck einer jungen Frau, die bei ihrem Tod um das Jahr 600 kaum älter als 20 Jahre gewesen sein dürfte, so das Landesamt. In ihrem Grab fanden sich 56 Perlen aus Glas und Bernstein, drei Goldanhänger und eine Scheibenfibel aus purem Gold mit Granatsteinen. Besonders fiel den Forschern eine Bügelfibel aus feuervergoldetem Silber auf, die eigentlich typisch für Skandinavien und England war. Das Grab sei als eines der reichsten der Zeit im südlichen Bayern einzuordnen, erklärt Mathias Pfeil, Generalkonservator und Leiter des Landesamtes für Denkmalpflege. "Ihr teurer Schmuck spricht dafür, dass sie eine äußerst modebewusste Trendsetterin gewesen sein muss."

Die skandinavische Fibel (600).
Die skandinavische Fibel (600). © BLfD

Goldfibel aus Franken, Granatsteine aus Indien

Die Archäologen wissen viel über ihre Funde. So wurde besagte Goldfibel in einer linksrheinischen, fränkischen Werkstatt hergestellt. Die Granatsteine, die sie zieren, stammen wahrscheinlich aus Indien. Die Art, wie sie ihren Mantel damit verschloss, zentral und sichtbar im Brustbereich, dürfte zum Zeitpunkt der Bestattung gerade erst in Mode gekommen sein, so die Forscher. Dies markiere einen neuen mediterran geprägten Kleidungsstil, der bis weit in das 7. Jahrhundert modern bleiben sollte.

"Funde dieser Art waren echte Statussymbole und zeugen von einer zeitweise perfekt funktionierenden internationalen Handels- und Verarbeitungskette im Mittelalter", erklärt Archäologe Jochen Haberstroh.

Auch ein ungestörtes Kriegergrab ist Teil der Funde

Die Archäologen machten noch weitere spektakuläre Funde auf dem Friedhof: So das ungestörte Grab eines Mannes, der zwischen 510 und 520 beerdigt wurde und 30 bis 60 Jahre alt war. Eine Spatha (Langschwert) aus Damaszenerstahl, eine Franziska (Wurfaxt) und ein eiserner Schildbuckel zeigen, dass er ein Krieger war. Ein Kamm aus Bein, ein Feuerzeugset und eine aus Bergkristall geschnittene Gürtelschnalle mit silbernem, ursprünglich vergoldetem Dorn zeigen, dass auch er zur sozialen Oberschicht gehört hat.

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Die Funde zeigen, dass Gauting, eigentlich vor allem für römische Funde bekannt, auch im Frühmittelalter von Bedeutung war. Bestattungen wurden schon in den 1860er und 70er Jahren entdeckt, nun aber erstmals "modern ausgegraben". Der Gemeinderat entscheidet nun, was mit den Funden geschieht.

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