Alte afrikanische Keramik und Elfenbeinkamm entdeckt

Im 6. Jahrhundert waren es Luxusgüter. Nun kamen der aus Elfenbein geschnitzte Kamm und die Schale aus Nordafrika bei Ausgrabungen wieder ans Licht. Vergleichbares wurde nach Angaben von Experten nördlich der Alpen noch nie gefunden.
| Von Ulf Vogler, dpa
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Das Handoutbild zeigt einen archäologischen Fund im Erdreich.
Das Handoutbild zeigt einen archäologischen Fund im Erdreich. © -/Bayerische Landesamt Für Denkmalpflege/dpa
Deiningen

Archäologen haben bei Ausgrabungen in Nordschwaben in zwei Gräbern aus dem 6. Jahrhundert kostbare Gegenstände wie einen verzierten Elfenbeinkamm und eine Schale aus Afrika entdeckt. Nördlich der Alpen seien diese beiden Funde bislang einmalig, berichtete das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege."Die beiden Funde müssen damals echte Luxusgüter gewesen sein", sagte Bayerns Generalkonservator Mathias Pfeil zu den am Freitag vorgestellten Gegenständen.

Archäologen hatten in Deiningen (Landkreis Donau-Ries) den Boden eines Neubaugebietes untersucht und waren dabei auf die Gräber gestoßen. "Wie die beiden Funde ins Nördlinger Ries gelangten, das damals von Alemannen besiedelt war und unter fränkischer Herrschaft stand, lässt sich nur vermuten", berichtete das Landesamt. Die Archäologen gehen davon aus, dass es sich vielleicht um Geschenke eines Herrschers an einen wichtigen Gefolgsmann oder um Beutestücke aus einem Kriegszug im Bereich des heutigen Italien handeln könnte.

Nach Angaben der Behörde sind solche rund 1500 Jahre alten Elfenbeinschnitzereien extrem selten überliefert. Ähnlich gearbeitete Kämme aus diesem Zeitraum gebe es im Pariser Louvre, im Museum in Kairo und im Vatikan. Sie zeigten christliche Motive, auf dem Kamm aus Deinigen hingegen seien Jagdszenen dargestellt.

Der Kamm lag im Grab eines 40 bis 50 Jahre alten Mannes, den die Wissenschaftler aufgrund der zahlreichen Grabbeigaben als herausgehobene Persönlichkeit der damaligen Zeit einordnen. Der Kamm war zwar völlig zerstört, in der Werkstatt des Landesamtes konnten die Splitter aber wieder zusammengesetzt werden.

Die Schale lag im Grab einer etwas jüngeren Frau. Die Keramik stammte nicht aus heimischer Produktion, sondern kommt aus einer Werkstatt im heutigen Tunesien. Dort sei diese spezielle hochwertige rote Keramiksorte hergestellt worden. Solche Schalen habe es etwa ab dem Jahr 510 nach Christus gegeben, erläuterte eine Sprecherin der Behörde.

In den Boden der Schale sei bei der Herstellung ein Kreuz gestempelt worden, am Rand seien dann nachträglich Kritzeleien geritzt worden. Die Bedeutung der Symbole bleibe aber rätselhaft, erklärten die Experten.

© dpa-infocom, dpa:211001-99-440067/3

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