Interview

"Kunst & Antiquitäten" im Haus der Kunst: Die Vielfalt ist klar im Vorteil

Zum Neustart gleich ein Jubiläum: Am Samstag beginnt die 100. Messe "Kunst & Antiquitäten" im Haus der Kunst – die AZ spricht mit den neuen Vorständen.
| Christa Sigg
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Martin Puch (re.) führt seit 1991 die Galerie Viktor Puch und ist auf Ikonen, Skulpturen und Kunsthandwerk spezialisiert. Miro Kutnjak arbeitet ebenso im gleichnamigen Familienunternehmen, das sich u. a. auf Wiener Bronzen und Volkskunst konzentriert.
Martin Puch (re.) führt seit 1991 die Galerie Viktor Puch und ist auf Ikonen, Skulpturen und Kunsthandwerk spezialisiert. Miro Kutnjak arbeitet ebenso im gleichnamigen Familienunternehmen, das sich u. a. auf Wiener Bronzen und Volkskunst konzentriert. © Bernd Degner/K&A

Sie ist der Dino unter den süddeutschen Kunstmessen – was nicht heißen soll, dass in den letzten 50 Jahren alles beim Alten geblieben ist. Ganz im Gegenteil. Die 100. Ausgabe der "Kunst & Antiquitäten" startet nach dem Lockdown nun mit einem neuen Führungsteam. Martin Puch und Miro Kutnjak haben den Vorstand im Verein übernommen. Susanne Gürth folgt als Veranstaltungsleiterin auf Andreas Ramer, der die Messe seit ihrer Erstausgabe im Jahr 1968 mit viel Charme begleitet hat. Im AZ-Interview sprechen Martin Puch und Miro Kutnjak über Qualität und Zusammenhalt, die leidige Frage nach dem Brandschutz und neue Interessenten aus dem Ausland.

AZ: Die Kunst & Antiquitäten wird von einem Verein organisiert. Ist das ein Vorteil in schwierigen Zeiten?
MARTIN PUCH: Auf jeden Fall, denn wir müssen kein Geld verdienen und dürfen keinen Gewinn machen. Was wir an Händlergeldern einnehmen, geben wir für die Veranstaltung wieder aus. Abgesehen davon ist der Zusammenhalt unter unseren Mitgliedern groß.

Sie möchten möglichst unterschiedliche Besucher ansprechen. In welchem Angebots-rahmen bewegen Sie sich? Auch preislich.
PUCH: Die Aussteller haben sich für unsere Jubiläumsausstellung mächtig ins Zeug gelegt. Bei uns stellen Händler aus allen Gebieten der Alten Kunst aus. Sie finden bei uns Sammlerstücke, die für den kleineren Geldbeutel erschwinglich sind, aber eben auch bedeutende Exponate, die sich später in Museen wiederfinden.

Kunst & Antiquitäten "bis auf den letzten Stand ausgebucht"

Auf den gemischten Kunstmessen nimmt die Alte Kunst tendenziell eher ab, beobachten Sie das auch auf der Kunst & Antiquitäten?
MIRO KUTNJAK: Auf der letzten Messe, konnten wir diese Tendenz nicht bemerken. Dagegen spricht auch die Tatsache, dass dieses Jahr unsere Messe bis auf den letzten Stand ausgebucht ist. Unser Eindruck, auch als Händler, geht eher in die Richtung, dass es viele Interessenten gibt, die ihr Geld gern anders anlegen als auf einem Sparbuch.

Sie sind zum zweiten Mal im Haus der Kunst, konkret im Westflügel. Dort waren "Fremdveranstaltungen" nicht immer willkommen. Nun ist das Führungsteam neu, wie schaut’s aus für Sie?
KUTNJAK: Das ist eigentlich eine Frage, die Sie dem Haus der Kunst stellen müssten. Unser Eindruck ist, dass die Türen des Hauses offen sind, sonst wären wir ja nicht hier. Tatsache ist, dass wir mit dieser Location für unsere Messe den optimalen Veranstaltungsort gefunden haben. Auch von unseren Besuchern wird der Veranstaltungsort Haus der Kunst mit Begeisterung angenommen.

Sie kündigen neue Aussteller an, ist die Messe größer geworden?
KUTNJAK: Leider nein, dafür sorgt schon der Brandschutz, durch den wir einen Ausstellungsraum komplett verloren haben. Die Ausstellungskapazität im Haus der Kunst ist ja auch nicht beliebig erweiterbar und so treten wir 2021 mit einer leicht verringerten Ausstellerzahl an.

Kosten für die Messe sind wegen Corona gestiegen

Wer entscheidet über eine Teilnahme?
PUCH: Darüber bestimmt der Vorstand und in strittigen Fragen der Händlerbeirat. In diesem Jahr ging es sich recht gut aus, wir mussten nur wenigen Bewerbern absagen, weil sie unsere Qualitätskriterien nicht erfüllten und einigen Händlern, die sich mit Moderner Kunst beworben hatten. Die darf aufgrund der Vorgaben vom Haus der Kunst nicht verkauft werden. Aber wir verzeichnen bereits jetzt ein sehr großes Interesse für unsere Messe im kommenden Jahr. Gerade auch bei den internationaler Ausstellern sind die Bewerbungen stark gestiegen.

Was muss ein Händler für einen Stand im Durchschnitt ausgeben?
KUTNJAK: Konkrete Preise veröffentlichen wir nicht. Das sind Vertragsdetails. Aber unsere Kosten sind im Vergleich zu anderen Messen noch sehr human, weil ja, wie gesagt, der Verein keinen Gewinn machen darf. Allerdings sind die Kosten durch die Corona-Pandemie leider bei sehr vielen Dienstleistungen, die wir als Veranstalter in Anspruch nehmen gestiegen.

Was sind in diesem Jahr die herausragendsten Stücke?
PUCH: Ehrlich gesagt, das größte Kunststück ist die Vielfalt des Angebots auf unserer Messe und dass für jeden Geschmack etwas dabei ist. Wir sind eine Messe für Entdecker, das Spektrum reicht von seltener Kunst und Kunsthandwerk vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert. Es gibt Schwerpunkte wie Gemälde, Skulpturen und Ikonen, aber auch Miniaturen, rare Kunstkammerobjekte, alpenländische Volkskunst, Hinterglasmalerei und antike Möbel, Lampen, Glas, Silber, Schmuck, Asiatika und Vintage-Objekte.

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"Vier Kunstmessen unterschiedlichster Art zur selben Zeit am selben Standort"

Und wie sehen Sie sich neben der Messe "Highlights" in der Residenz?
PUCH: Wir sind ganz anders aufgestellt. Unsere Messe bietet Kunst für fast jeden und auch das Spektrum ist breiter. Grundsätzlich denke ich jedoch, dass wir alle 2021 profitieren werden! Unsere Traditionsmesse, die in diesem Jahr ihr 100. Jubiläum begeht, findet zeitgleich mit den anderen drei Messen statt, als der Art Muc, den Highlights und der Auer Dult. Das lohnt sich für alle Besucher – vier Kunstmessen unterschiedlichster Art zur selben Zeit am selben Standort. Das ist schon was!

Welchen Stellenwert hat München im Kunsthandel?
PUCH: Ich glaube, wir können guten Gewissens sagen: einen großen! Das sehen Sie ja schon daran, dass es vier Kunstmessen gleichzeitig gibt. Hinzu kommt, dass es in und um München ein anspruchsvolles, kunstsinniges Sammlerpublikum gibt. Entsprechend ausgeprägt ist auch das Niveau der Händler und deren Anzahl. München hat sich in den letzten Jahren von wenigen Ausnahmen abgesehen zur Hauptstadt des Kunsthandels in Deutschland entwickelt, das gilt gerade für Alte Kunst.


Messe "Kunst & Antiquitäten München" vom 16. bis 24. Oktober, im Haus der Kunst, Westflügel, Prinzregentenstraße 1, täglich von 11 bis 19 Uhr, mehr Information unter kunst-antiquitaeten.de

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