Ausflügler-Zoff im Münchner Umland: Bauernverband startet Aktion

Während der Corona-Pandemie drängen immer mehr Menschen in die Natur. Das verursacht Konflikte zwischen Ausflüglern und Landwirten. Der Bauernverband startet nun eine Kampagne.
| Christina Hertel
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Mehr Rücksicht fordert Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU).
Mehr Rücksicht fordert Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU). © Bernd Wackerbauer

München/Weilheim - Erst am Freitag erhielt Thomas Müller, der Geschäftsführer des Bayerischen Bauernverbands in Weilheim, einen recht verärgerten Anruf.

Am Telefon war ein Landwirt, der ein Problem hatte, das gerade viele seiner Berufsgenossen teilen: Auf einem Parkplatz, eigentlich gedacht für vier, fünf Autos, standen um die 30 Fahrzeuge, und zwar längst nicht mehr bloß dort, wo sie durften - sondern auch auf der Wiese und auf den Wegen. Sie blockierten die Zufahrt, sie störten die Tiere.

Corona-Folgen: Die Münchner drängen weiterhin aufs Land

Anrufer wie diesen muss Thomas Müller immer häufiger beruhigen. Und er ist nicht der einzige, bei dem sich Landwirte über rücksichtslose Ausflügler beschweren. Denn seit Corona den Städten all das nahm, was sie lebenswert machte, drängen die Münchner aufs Land.

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Mit ihnen kommen die Autos, die Hunde, der Müll - und vor allem die Ahnungslosigkeit. So schilderten es Vertreter des Bauernverbands von Starnberg bis Weilheim. Sie erzählen von Menschen, die jede Feldzufahrt für einen Radweg und jede Einmündung für einen Parkplatz halten. Sie berichten von Spaziergängern, die Landwirte beschimpfen, und selbst die roten Säckchen für den Hundekot einfach aufs Feld feuern.

Frank und der Bauernverband: "Rücksicht macht die Wege breit"

Gemeinsam mit Kristina Frank (CSU), die als Kommunalreferentin sowohl für die Müllabfuhr in München als auch für die städtischen Bauernhöfe im Umland zuständig ist, startete der Bauernverband deshalb eine PR-Aktion.

Mit weißer Kreidefarbe sprühten Frank und die Landwirte ein Piktogramm auf den Boden: Ein Schlepperfahrer und ein Radler, die sich freundlich zuwinken. Dazu der Slogan: "Rücksicht macht die Wege breit".

Zankl: "Die Leute sollen ja raus in die Natur"

Landwirte aus ganz Oberbayern sollen diese Schablone nun auf Anfrage erhalten und das Symbol dorthin sprühen, wo es besonders häufig zu Krach kommt. Das soll zu mehr gegenseitigem Verständnis beitragen.

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"Denn die Leute sollen ja raus in die Natur. Das will ihnen niemand verbieten", sagte Georg Zankl, Kreisobmann des Bauernverbands in Starnberg. Nur an die Regeln sollen sich die Ausflügler eben halten.

Ein paar davon zählten Zankl und seine Kollegen gleich auf. Zum Beispiel: Zwischen März und Oktober sollten Spaziergänger Felder und Wiesen nicht betreten.

Denn die seien die "Kinderstube" von jungen Hasen und Rehen, meinte der Präsident des Bayerischen Bauernverbands in Oberbayern Ralf Huber. Um sie nicht zu stören, sollte man auch Hunde nicht laufen lassen. Außerdem sollten Autofahrer nur auf beschilderten Parkplätzen stehen - auch, wenn so manche Feldeinfahrt und Seitenstreifen wie ein günstiger Stellplatz wirken.

Landkreis Starnberg: Welcher Münchner Acker wird zum Parkplatz?

Dass die Ausflugsziele von immer mehr Autos blockiert werden, seit wegen Corona immer weniger Menschen in Züge steigen, erkannte auch Kommunalreferentin Kristina Frank. Gerade sei sie deshalb dabei, nach einem Feld zu suchen, das die Stadt als Parkplatz "zweckentfremden" könnte.

München betreibt mit seinen zehn Stadtgütern selbst auf 2.800 Hektar Landwirtschaft. Welcher Acker zum Parkplatz werden soll, steht noch nicht fest. In Frage komme einer im Landkreis Starnberg.

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