Über 230.000 Euro Schaden: Betrüger zocken Apotheker mit Masken ab

Eine FFP3-Maske für einen Euro, so köderten die beiden Angeklagten einen Pharma-Händler. Die Männer sind geständig – und werden verurteilt.
| John Schneider
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Die beiden Angeklagten und ihre Anwälte.
Die beiden Angeklagten und ihre Anwälte. © jot

München - In Pandemiezeiten seine Mitmenschen zu betrügen, das zeugt von großer krimineller Energie. Diese Ansicht vertritt die Amtsrichterin, die am Montag über zwei Männer (beide 39) zu befinden hatte, die einen Apotheker und Pharma-Großhändler um mehr als 200.000 Euro betrogen hatten.

Einer der beiden Betrüger - er war dem Großhändler von einem ehemaligen Mitarbeiter vorgestellt worden - erklärte seinem Opfer, dass er Massen von Schutzmasken in Thailand gelagert hätte. Zum Beweis legte er dem Apotheker Fotos auf seinem Handy vor, die Masken in Versandkartons zeigten. Er könnte ihm 100.000 FFP3-Masken für einen Euro das Stück liefern. FFP2-Masken sowie Chirurgenmasken gäb's dazu.

Mit billigen Schutzmasken köderten die Betrüger ihr Opfer. (Symbolbild)
Mit billigen Schutzmasken köderten die Betrüger ihr Opfer. (Symbolbild) © imago/Christoph Reichwein

Der Apotheker hatte bereits Käufer für die Masken gefunden

Beim nächsten Treffen brachte er seinen Komplizen mit. Die beiden Betrüger schlossen mit ihrem Opfer mehrere Kaufverträge über Mundschutz sowie Thermometer und Handschuhe ab. Wohlwissend, dass sie die Masken schuldig bleiben würden. Der Apotheker witterte wohl ein Schnäppchen. Jedenfalls orderte er das Material und zahlte bereitwillig die geforderten Anzahlungen. Käufer für die Ware hatte er bereits in England und Spanien gefunden.

Doch die Lieferungen aus Thailand blieben aus. Die beiden Betrüger erklärten das mit Lieferschwierigkeiten, die nur durch weitere Anzahlungen gelöst werden könnten. Der Händler ließ sich überreden.

Mehr noch, Anfang April orderte er bei den Betrügern weitere Lieferungen aus Beständen im Raum Köln/Düsseldorf und in Bayern. Und leistete auch in diesen Fällen die geforderten Anzahlungen. Ohne auch nur eine Maske in den Händen gehabt zu haben.

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Schaden von über 230.000 Euro

Als das Opfer die Lunte roch und sein Geld zurückforderte, war es zu spät. Der Schaden: 238.000 Euro. Von dem Geld hatte sich einer der Angeklagten unter anderem einen Mercedes gegönnt.

Verteidiger Thomas Pfister erklärt in seinem Plädoyer, dass die Gier nach schnellem Geld seinem Mandanten "kurzfristig den Verstand vernebelt" habe. Der geständige Mann wird wegen seiner 15 Vorstrafen und weil er in offener Bewährung handelte, zu 34 Monaten Haft verurteilt. Sein bislang unbescholtener Komplize bekommt Bewährung.

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