U3/U6-Sperrung: So steht es um die Sanierung an Goetheplatz und Poccistraße

Unter dem Goetheplatz und an der Poccistraße laufen die Sanierungsarbeiten an der U-Bahnstrecke der U3/U6 auf Hochtouren. Beton, Brandschutz und Asbestbeseitigung müssen bis zum Wiesn-Start fertig sein – sonst droht Chaos im U-Bahn-Verkehr trotz Schienenersatzverkehr.
von  Nina Job
Wo sonst Fahrgäste auf die U3 und U6 warten, sind Holzplatten gestapelt, auch Kabel und Säcke mit Baumüll liegen herum. Züge fahren an diesem Gleis nur ohne Fahrgäste ein, um zu wenden, oder besser: um wieder zurückzufahren.
Wo sonst Fahrgäste auf die U3 und U6 warten, sind Holzplatten gestapelt, auch Kabel und Säcke mit Baumüll liegen herum. Züge fahren an diesem Gleis nur ohne Fahrgäste ein, um zu wenden, oder besser: um wieder zurückzufahren. © Ben Sagmeister

Es riecht nach frischem Beton unter dem Goetheplatz am verwaisten Bahnsteig. Schon seit dem 18. Mai fahren hier keine Züge der U3 und U6 mehr, stattdessen sind Bauarbeiter am Werk. Der U-Bahnhof muss saniert werden, genau wie der an der Poccistraße. Die AZ durfte die Großbaustelle besichtigen.

Frischer Beton trocknet an den Wänden und an der Decke im U-Bahnhof Goetheplatz. Die Bewehrungen darunter wurden ertüchtigt.
Frischer Beton trocknet an den Wänden und an der Decke im U-Bahnhof Goetheplatz. Die Bewehrungen darunter wurden ertüchtigt. © Ben Sagmeister

Jeder Handgriff muss sitzen. Bis zum Start des Oktoberfestes muss diese erste Sanierungsphase abgeschlossen sein. All die Maschinen, Betonmischer, Holzplatten zum Verschalen, Gerüste und so weiter müssen bis dahin verschwunden und die Bahnhöfe wieder betriebsbereit sein.

Die lautesten Arbeiten sind geschafft

"Wir sind im Zeitplan", sagt Philip Schmidt, der als Projektleiter für die Arbeiten am U-Bahnhof Goetheplatz zuständig ist. Diese Nachricht ist schon mal eine gute. Auch dass die lautesten Arbeiten in dieser ersten Bauphase bereits abgeschlossen sind. Wochenlang mussten Schallschutzwände die Anwohner in der Lindwurmstraße und am Goetheplatz vor dem Krach der Kompressoren schützen.

Ausnahmesituation: Der U-Bahntunnel zwischen Goetheplatz und Poccistraße ist aktuell stillgelegt. Die AZ-Reporter sind hindurchspaziert.
Ausnahmesituation: Der U-Bahntunnel zwischen Goetheplatz und Poccistraße ist aktuell stillgelegt. Die AZ-Reporter sind hindurchspaziert. © Ben Sagmeister

Der alte Beton an den Wänden und der Decke im U-Bahnhof wurde mit einem Hochdruckwasserstrahl geradezu weggeschossen. Während ein haushaltsüblicher Hochdruckreiniger etwa 100 bis 150 bar hat, arbeiteten die Männer im U-Bahnhof mit Hochdruckwasserstrahlen von 2000 bar. "Das ist eine sehr anstrengende und lärmintensive Arbeit", sagt Schmidt. Auch die Verletzungsgefahr sei groß. Man könne sich mit so einem Hochdruckstrahl sogar ein Bein abtrennen.

Je dicker die Betonschicht, umso besser der Brandschutz

Alles ist zum Glück gut gegangen. Inzwischen trocknet frischer Beton an den Wänden. Jedenfalls neben dem Bahnsteig, an dem sonst die Züge der U3 und U6 stadteinwärts halten. Die andere Seite kommt zu einem späteren Zeitpunkt dran.

Die Betonschicht ist einige Millimeter dicker als zuvor. "Je dicker die Schicht", sagt Schmidt, "umso besser der Brandschutz." Denn dann halte die Bewehrung dem Feuer länger stand, wenn es mal brennen sollte.

Leiten das Projekt U-Bahnhof Poccistraße: die Ingenieure Hannes Venneklaas (l.) und Mehmet Dönmez.
Leiten das Projekt U-Bahnhof Poccistraße: die Ingenieure Hannes Venneklaas (l.) und Mehmet Dönmez. © Ben Sagmeister

Was man schon nicht mehr sieht: Unter dem frischen Beton ist die Bewehrung ertüchtigt worden. Die Stahlstreben waren teils korrodiert. Kein Wunder, der Bahnhof stammt noch aus der Nazizeit. Ursprünglich war er mal als Bahnhof für die Deutsche Reichsbahn geplant. Als U-Bahnhof wurde er erst 1971 kurz vor Olympia eingeweiht. Wenn Bewehrungen korrodieren, können sie reißen.

Korrosion kann Bauwerke zum Einsturz bringen

"Dieses Problem haben wir überall in Deutschland", erklärt Ingenieur Hannes Venneklaas und erinnert an den Einsturz der Carolabrücke in Dresden. Dort führten letztlich Korrosionen dazu, dass der Spannungsstahl im Innern der Brücke nachgab. Venneklaas ist Vize-Projektleiter für die Sanierung des anderen in die Jahre gekommenen U-Bahnhofs: dem an der Poccistraße.

Dort sind Wände, Decken und Säulen seit Mai von Asbest und bleihaltiger Farbe befreit worden. Was nicht entfernt werden konnte, wurde so umhüllt, dass es keine gesundheitsschädlichen Auswirkungen mehr gebe, versichert Venneklaas.

Die Wände im U-Bahnhof Poccistraße haben jetzt die Farbe „Betongrau“. Später werden noch über 20 neue Stahlträger eingezogen. Die gelben Säulen bleiben.
Die Wände im U-Bahnhof Poccistraße haben jetzt die Farbe „Betongrau“. Später werden noch über 20 neue Stahlträger eingezogen. Die gelben Säulen bleiben. © Ben Sagmeister

Aktuell bekommen die Wände einen neuen Anstrich: "Betongrau" heißt die Farbe. Auch hier am U-Bahnhof Poccistraße muss alles bis 18. September fertig sein. Denn wenn die Wiesn beginnt, sollen die U3 und U6 wieder normal rollen. Jedenfalls erst mal. Zwei weitere Bauphasen werden noch folgen, um die beiden U-Bahnhöfe fit zu machen für die nächsten 25 bis 50 Jahre.

Schienenersatzverkehr erst mal bis zum 18. September

Während der Sanierungsarbeiten fahren zwischen Sendlinger Tor und Implerstraße bis einschließlich 18. September Ersatzbusse: Der U6 fährt zwischen Implerstraße, Poccistraße und Goetheplatz zum Sendlinger Tor und in entgegengesetzter Richtung. Der X6 fährt von der Implerstraße über Poccistraße und Goetheplatz zum Hauptbahnhof Süd und umgekehrt.

Auf der U-Bahnstrecke zwischen Poccistraße und Sendlinger Tor verkehren während der Baustelle Schienenersatzbusse.
Auf der U-Bahnstrecke zwischen Poccistraße und Sendlinger Tor verkehren während der Baustelle Schienenersatzbusse. © Daniel von Loeper

Ab 19. September, also pünktlich zum Start des Oktoberfestes, fahren die U3 und U6 wieder regulär – so jedenfalls der Plan. Weiter geht es mit den Sanierungsarbeiten dann vom 5. Oktober bis 27. November. In dieser zweiten Bauphase wird ein Gleis zwischen Sendlinger Tor und Implerstraße gesperrt. Der Betrieb der U3 wird erneut zwischen Sendlinger Tor und Implerstraße unterbrochen. Die U6 kann etwas weiter fahren, zwischen Goetheplatz und Implerstraße wird ein Pendelzug verkehren.

Vom 28. November bis 11. April ist zunächst wieder alles "normal" – Baupause. Der letzte Bauabschnitt beginnt am 12. April 2027 und dauert laut Plan bis 1. August 2027.

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