Türkenstraße: Abriss von Wohnhäusern war legal

Münchens Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) beantwortet in Anfrage der Linken: Investor hat an den Nummern 52/54 rechtens gehandelt.
| Emily Engels
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Der Abriss der Häuser in der Türkenstraße war rechtmäßig.
Daniel von Loeper Der Abriss der Häuser in der Türkenstraße war rechtmäßig.

München - Wohnraum, der für Spekulation vernichtet wurde. Warum durften die Wohnhäuser in der Türkenstraße 52 und 54 (bis auf die Fassade, die unter Denkmalschutz steht), abgerissen werden? Mit dieser Frage hatte die Linke-Fraktion sich an Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) gewandt.

Genau hieß die Frage: "Aus welchen Gründen hat die Lokalbaukommission dem Abriss von knapp 60 bezahlbaren Wohnungen zugestimmt und das Baurecht für eine Neubebauung mit Eigentumswohnungen erteilt?"

Merk erklärt jetzt: "Der Abbruch eines Gebäudes ist baurechtlich nicht genehmigungspflichtig." Vielmehr genüge eine Anzeige verbunden mit statischen Nachweisen hinsichtlich der Standsicherheit der Nachbargebäude. Auch was die Neubaupläne betrifft, gehe alles mit rechten Dingen zu. Merk: "Es wurden mehrere Genehmigungsverfahren durchgeführt. Die letzte Genehmigung wurde im Jahr 2019 erteilt."

Mit den Bauanträgen habe der Investor, die "Real-Treuhand Immobilien GmbH", verschiedene Bebauungsvarianten abgefragt. Die Tochterfirma der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich hatte den Komplex 2017 für 80 Millionen Euro gekauft. Sie plant auf dem Grundstück einen Neubau mit 64 Eigentumswohnungen, einem Laden und einer Tiefgarage. Das Vorhaben entspreche "nach Art und Maß der Nutzung der prägenden Bebauung entlang der Türkenstraße und im Blockinneren", weshalb ein Anspruch der Antragstellerin auf Erteilung der Baugenehmigung bestanden habe.

"Prächtiger Neubarockbau anschaulich nicht mehr erhalten"

Doch was die Linke-Fraktion besonders ärgerlich findet: 2008 wurde der Denkmalschutz für das Ensemble aufgehoben — mit Ausnahme des Vorderhauses der Hausnummer 54. Merk erklärt jetzt, warum das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege zu dieser Erkenntnis gekommen sei. Sie schreibt, "dass zahlreiche bauliche Maßnahmen seit 1945 an dem oben genannten Objekt zu einer erheblichen Reduzierung des historischen Baubestandes geführt haben".

Merk erklärt: "Die Erneuerungen waren damit derart umfassend, dass der ehemals prächtige Neubarockbau anschaulich nicht mehr erhalten war." Die Rückgebäude waren ebenfalls stark erneuert worden, sagt die Stadtbaurätin. Im Dezember vergangenen Jahres hatte die SPD im Bezirksausschuss Maxvorstadt angeregt, die gesamte Türkenstraße unter Ensembleschutz zu stellen.

Die vielen Altbauten in zentraler Lage wecken seit Jahren verstärkt Begehrlichkeiten von Investoren. Seit über zehn Jahren hatten sich auch die Mieter, unter ihnen Kinderbuchautor Ali Mitgutsch, gegen die geplante Sanierung und einen Teilabriss gewehrt. Mit vereinten Kräften hatten Mieter und Politiker probiert, das Projekt des Investors doch noch zu stoppen. Vergeblich.

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