MVG-Betriebsrat über Sonderverkehr in München: "Dummerweise haben wir Streikbrecher"

Die wichtigsten Themen zum Warnstreiktag in München im Überblick
- MVG hat mehr Mitarbeiter im Dienst als erwartet - diese U-Bahnen und Trams fahren
- Eindringlicher Appell des FC Bayern an die Fans vor dem Pokalspiel gegen Leipzig
- So läuft der MVG-Betrieb während des Streiks
- Bauarbeiten: S-Bahn ab 22 Uhr nur eingeschränkt in Betrieb
Warnstreik in München: SWM-Vertrauensmann beklagt sich über Streikbrecher
Update, 13.24 Uhr: Im Rahmen der zentralen Streik-Kundgebung der Gewerkschaft Verdi an den Tramwerkstätten in der Einsteinstraße betonte Alfred Köhler, Vertrauensmann der Stadtwerke München (SWM) und stellvertretender Betriebsratsvorsitzender der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG): "Heute ist kein Arbeitstag, heute ist Verdi-Streiktag!"
Und er fügte hinzu: "Dummerweise haben wir in München Streikbrecher. Die U-Bahn vom Marienplatz bis Fröttmaning ist ab 10 Uhr in Betrieb gegangen. Die Gewerkschaft Nahverkehrsgesellschaft boykottiert leider den großen Verdi-Warnstreik. Doch Reden ohne Streik ist kollektives Betteln, finde ich. Wir betteln nicht mehr."

Warnstreik: MVG hat mehr Mitarbeiter im Dienst als erwartet
Update, 11.35 Uhr: "Da sich heute mehr Mitarbeiter zum Dienst gemeldet haben, ist ein besseres Angebot möglich als beim ersten Betriebstag", teilt die MVG nicht nur mit Blick auf die Linie U3/U6 mit: "Bei der U-Bahn kann der Betrieb mit den verfügbaren Mitarbeitern im Fahrdienst und in der Leitstelle schon früher starten."
Seit 10 Uhr verkehren demnach Züge auf dem Abschnitt zwischen Marienplatz und Fröttmaning. Die U-Bahn könne nur in Betrieb gehen, wenn gesichert sei, dass der Zugverkehr auch wieder geregelt eingestellt werden könne oder bis Betriebsende weiterlaufe.

"Aus diesem Grund war zunächst nur ein Sonderverkehr in diesem Abschnitt am Abend realisierbar und sinnvoll, um ein mögliches Verkehrschaos abzuwenden", heißt es bei der MVG: "Die U-Bahn bietet wesentlich höhere Kapazitäten als Busse und ist nicht abhängig vom Verkehrschaos."
Auch bei der Tram hätten sich mehr Mitarbeiter dienstbereit gemeldet als am ersten Streiktag. Demnach konnten die am stärksten nachgefragte Linie 20 sowie die Linie 25 nach Grünwald bereits um 6 Uhr den Betrieb aufnehmen. Beide Linien fahren aktuell im Zehn-Minuten-Takt. Der Betrieb ist zunächst bis gegen 13 Uhr sichergestellt.

Beim Bus ist ein eingeschränkter Betrieb möglich, da die privaten Busunternehmen nicht bestreikt werden. Die Busse fahren auf allen Linien: "Insgesamt sind etwa dreiviertel aller Fahrzeuge unterwegs." Auf einigen Linien können die Busse den Angaben zufolge derzeit alle zehn Minuten fahren, auf anderen Linien kommen die Fahrzeuge in größeren Abständen.
Auch die Stadtwerke Dachau werden am 11. Februar von 4.30 Uhr morgens bis Betriebsschluss bestreikt. Betroffen sind alle sechs Stadtbus-Linien: 719, 720, 722, 724, 726 und 744.
Eindringlicher Appell des FC Bayern an die Fans vor dem Pokalspiel gegen Leipzig
Update, 11. Februar 10:48 Uhr: Am Tag des Pokalspiels gegen RB Leipzig hat der FC Bayern München seine Fans wegen des Streiks im öffentlichen Nahverkehr noch einmal aufgefordert, ihre Anreise gut zu planen und früh zum Stadion zu kommen. "Bitte plant eure Anreise zum DFB-Pokal-Viertelfinale gegen RB Leipzig (Anpfiff 20.45 Uhr) entsprechend und brecht rechtzeitig Richtung Stadion auf! Die Allianz Arena ist ab 18:30 Uhr geöffnet. Wir bitten euch um Verständnis und Geduld. Pack ma's!", schrieb der Fußball-Rekordmeister auf der Plattform X.
So läuft der MVG-Betrieb während des Streiks
Update, 11. Februar, 8.13 Uhr: Wie angekündigt wird die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) am heutigen Mittwoch seit 3.30 Uhr bestreikt. Betroffen sind U-Bahn, Tram und alle Buslinien bis Nummer 199. Der Streik dauert noch bis in den frühen Donnerstagmorgen (3.30 Uhr).
Die Gewerkschaft Verdi hatte zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Ein geregelter Betrieb werde voraussichtlich erst danach wieder möglich sein, teilt die MVG mit.
Beim Bus ist ein stark eingeschränkter Betrieb möglich, da die privaten Busunternehmen nicht bestreikt werden. Die Busse fahren unregelmäßig auf allen Linien. Auf einigen Linien können die Busse derzeit alle 20 bis 40 Minuten fahren, auf anderen Linien kommen die Fahrzeuge in größeren Abständen, heißt es.
Eine Übersicht gibt es auf mvg.de unter "Aktuelle Störungen“ sowie in der App MVGO unter "Störungen". Die Übersicht wird demnach laufend aktualisiert. Anhand der farbigen Uhrzeit sei ersichtlich, welche Züge und Busse während des Streiks fahren (grün = pünktlich; rot = verspätet). Auch über Anzeigen und Ansagen an Bahnhöfen und Haltestellen informiert die MVG über die Betriebslage.
Auf diesen Linien fahren die Busse zumeist alle 20 bis 30 Minuten: X30, X35, X36, X80, 50, 51, 52, 53, 54, 55, 56, 57, 58/68, 59, 60, 62, 63, 132, 135, 142, 143, 145, 150, 151, 153, 154, 157, 160, 161, 162, 164, 168, 174, 176, 180, 181, 182.
In größeren Abständen, teilweise nur alle 40 Minuten oder stündlich verkehren die Busse der Linien: 100, 130, 134, 136, 139, 140, 141, 144, 149, 155, 158, 159, 163, 165, 166, 167, 169, 170, 171, 172, 173, 175, 177, 178, 179, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193, 194, 195, 196, 197, 198, 199.
Bei der Tram fahren die am stärksten nachgefragte Linie 20 sowie die Linie 25 nach Grünwald. Nach und nach gehen mehr Fahrzeuge auf die Strecke, bis auf beiden Linien ein Zehn-Minuten-Takt eingerichtet ist. Der Betrieb ist zunächst bis etwa 10 Uhr sichergestellt.
Die U-Bahn ist nicht in Betrieb. "Im Fahrdienst und in der Leitstelle stehen wegen des Streiks nur sehr wenige Mitarbeiter zur Verfügung. Damit kann nur ein kurzer Abschnitt für einen begrenzten Zeitraum sicher betrieben werden", so die MVG mit Blick auf die abendlichen Sonderfahrten zum DFB-Pokal-Viertelfinalspiel des FC Bayern gegen RB Leipzig in der Allianz Arena.
Für den sicheren Betrieb einer oder mehrerer Linien reiche die Anzahl der Mitarbeiter nicht aus, die U-Bahn könne nur in Betrieb gehen, wenn gesichert sei, dass der Betrieb auch wieder geregelt eingestellt werden könne oder bis Betriebsende weiterlaufe.
An- und Abreise zum DFB-Pokalspiel in der Allianz Arena
Ab 17.30 Uhr bis Betriebsschluss fährt die U-Bahn im Abschnitt Marienplatz-Fröttmaning. Damit ist das Stadion mit der U-Bahn zu erreichen. Der übliche Bustransfer von der S-Bahnhaltestelle Donnersbergerbrücke steht ab 16.30 Uhr zur Verfügung und wird zusätzlich verstärkt.
Die Busse fahren nicht direkt zur Allianz Arena, sondern zum Kieferngarten. Von dort ist die Allianz Arena fußläufig über die Kieferngartenstraße erreichbar. Nach dem Spiel fahren die Busse bei Bedarf vom Kieferngarten auf direktem Weg zum Karlsplatz (Stachus) und halten vor dem ehemaligen Kaufhaus. Von dort sind die Innenstadt und der Hauptbahnhof zu Fuß erreichbar.
Bauarbeiten: S-Bahn ab 22 Uhr nur eingeschränkt in Betrieb
Die MVG empfiehlt, am Streiktag auf andere Verkehrsmittel auszuweichen, Fahrgemeinschaften zu bilden oder Homeoffice einzuplanen, wenn das möglich ist. Die S-Bahn, die Regionalzüge und die MVV-Regionalbuslinien werden nicht bestreikt.
Die S-Bahn ist ab 22.20 Uhr allerdings nur stark eingeschränkt in Betrieb. Grund dafür sind Bauarbeiten zur Zweiten Stammstrecke.
Nächste Verhandlungsrunde im Tarifkonflikt am Freitag
Verdi fordert in dem Tarifkonflikt in Bayern unter anderem eine Entgeltsteigerung von 668,75 Euro und eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit. Die bayerischen Städte weisen das als zu teuer zurück, zumal sie bereits weitere Verbesserungen und eine Entgelterhöhung von mindestens fünf Prozent angeboten hätten. Die nächste Verhandlungsrunde ist am Freitag.
Update, 9. Februar, 16.55 Uhr: Wie der FC Bayern mitteilt, gibt es nun einen Plan für den öffentlichen Verkehr am Mittwochabend: Die MVG richtet für das DFB-Pokal-Viertelfinale einen Sonderbetrieb ein.
Der FC Bayern schreibt: Ausschließlich zwischen Marienplatz und Fröttmaning werden von 17:30 Uhr bis Betriebsschluss U-Bahnen in wie bei den Heimspielen des FC Bayern gewohnt enger Taktung fahren – die dazwischen liegenden Bahnhöfe sind für einen Zustieg geöffnet. Zudem wird der übliche Bus-Transfer ab der S-Bahn-Station Donnersberger Brücke aufgestockt, steuert diesmal die U-Bahn-Station Kieferngarten an und fährt bei Bedarf nach der Partie direkt zum Karlsplatz (Stachus). Des Weiteren werden vom Parkplatz des von der Allianz Arena nur zwei Kilometer gelegenen FC Bayern Campus zusätzliche Bus-Shuttles eingesetzt.
Trotzdem solle man am Mittwoch mehr Zeit für die An- und Abreise einplanen und nach Möglichkeit bei der Anreise mit dem Auto Fahrgemeinschaften zu bilden. Die Arena ist am Mittwoch ab 18.30 Uhr offen und wird auch länger als üblich geöffnet sein.
Update, 9. Februar, 10.54 Uhr: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) wird am kommenden Mittwoch erneut bestreikt. "Wie der Betrieb am Streiktag gestaltet werden kann, entscheidet sich erst kurzfristig. Maßgeblich ist, ob und wie viel Personal zur Verfügung steht", teilt die MVG der AZ mit.
Wird die Allianz Arena "in eingeschränktem Umfang mit Bussen" angebunden?
"Wie die Allianz Arena zum Pokalspiel am Mittwochabend öffentlich erreicht werden kann, wird derzeit intensiv geprüft", sagt MVG-Sprecher Maximilian Kaltner der AZ: "Hierzu steht die MVG mit der Allianz Arena, dem FC Bayern, den Behörden und weiteren Partnern in engem Austausch."
Nicht ausgeschlossen scheine unter den oben genannten Rahmenbedingungen, "das Stadion in eingeschränktem Umfang mit Bussen anzubinden", so Kaltner weiter: "Ob und welche Möglichkeiten am Mittwochabend konkret bestehen, ist Teil der laufenden Prüfungen."
Die Erfahrung am ersten Streiktag habe gezeigt, dass bei U-Bahn nicht genug Personal vorhanden ist, um den Betrieb aufnehmen zu können, heißt es bei der MVG.
Bei der Straßenbahn habe man am ersten Streiktag am 2. Februar lediglich eine Linie bedient werden können. Anders stelle sich die Situation bei den Bussen dar: "Hier ist etwa die Hälfte der Busflotte einsatzbereit, weil die privaten Busunternehmen, die für die MVG fahren, nicht bestreikt werden."
Erstmeldung, 8. Februar, 9.29 Uhr: Eine Woche ist es her, dass an Haltestellen und Bahnsteigen der Stadt Chaos herrschte. Nun ruft die Gewerkschaft Verdi für den kommenden Mittwoch erneut zu einem ganztägigen Streik im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auf. Das bedeutet: U-Bahnen, Trambahnen und einige Buslinien werden wieder stillstehen.
Es handelt sich um den zweiten Warnstreik in Bayern in der laufenden Tarifrunde, nachdem bereits am vergangenen Montag Arbeitsniederlegungen stattgefunden hatten (AZ berichtete).
Neben dem großen MVG-Streik ist auch die S-Bahn am Mittwoch ab 22.20 Uhr wegen Bauarbeiten nur eingeschränkt in Betrieb. Buslinien, die von privaten Unternehmen betrieben werden, sollen nicht betroffen sein und voraussichtlich regulär verkehren.
Neue Streiks: wohl ähnliche Situation wie letzte Woche
Für Münchner dürfte sich damit eine Situation ergeben wie am 2. Februar. Der U-Bahn-Verkehr kam fast vollständig zum Erliegen, Zugänge zu den Stationen waren teilweise gesperrt. Auch die Trambahnen fuhren – mit Ausnahme der Linie 20 – nicht. Immerhin gelang es der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), sämtliche Buslinien zumindest in stark reduziertem Umfang aufrechtzuerhalten.

Der Ablauf werde im Großen und Ganzen so sein wie vergangenen Montag, kündigt auch Haris Softic von Verdi München, im Gespräch mit der AZ, an. Es werde noch einen zusätzlichen Streikposten im Gewerkschaftshaus in der Neumarkter Straße geben.
Mit den Streiks wolle man Bewegung in die Tarifverhandlungen bringen, teilte Verdi mit. Dem Kommunalen Arbeitgeberverband (KAV) fehle jedoch die notwendige Kompromissbereitschaft. „Ein positives Signal seitens der Arbeitgeber hätte den zweiten Streiktag verhindert“, sagte der stellvertretende Landesbezirksleiter für Bayern, Sinan Öztürk. Der Arbeitgeberverband kritisiert hingegen die „hohen Forderungen“ der Gewerkschaft.
Wie bereits in der vergangenen Woche dürften viele Münchnerinnen und Münchner auf das Auto ausweichen. Der ADAC Südbayern rechnet daher mit einem deutlich höheren Verkehrsaufkommen sowie mit spürbaren Verzögerungen, insbesondere im Berufsverkehr.
Eine Untersuchung am Streiktag am 2. Februar zeigte, dass es im Vergleich zu sonstigen Montagen zu deutlich mehr Staus kam. Besonders betroffen waren laut ADAC die Autobahnen A99, A8 und A9 sowie der Mittlere Ring.
Einschränkungen auch für Fußballfans

Neben dem Pendlerverkehr müssen sich auch Fußballfans auf Einschränkungen einstellen. Am Abend empfängt der FC Bayern München im heimischen Stadion RB Leipzig zum DFB-Pokalspiel. Da die Anreise mit Bus und U-Bahn wohl entfällt, rechnet der ADAC sowohl bei der Hin- als auch bei der Rückfahrt zur Allianz Arena mit erheblichen Verkehrsbehinderungen.
Die Situation durch das Pokalspiel verschärfe die Situation natürlich, sagt Haris Softic. Die Reaktionen der Schickeria – der Ultra-Gruppierung des FC Bayern – auf den Streik, seien aber durchweg positiv gewesen.
"Es ist durchaus möglich, dass der Arbeitgeber genug Personal für die U6-Linie zusammenbekommt", sagt Softic. Die Linie ist zentral für Fans, um die Allianz Arena anzusteuern. Für das Ziel in den Verhandlungen sei es aber wünschenswert, wenn wirklich alles still steht, so der Gewerkschafter.
Bayern denkt über Verschiebung von Spiel nach
"Wir haben die Entscheidung noch nicht gefällt. Wir werden das morgen miteinander besprechen. Und wenn wir glauben, dass das Spiel durchführbar ist, wovon wir alle ausgehen, dann werden wir es natürlich durchführen, weil die Ersatzmöglichkeiten auch sehr überschaubar sind", sagte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen.
Auch die Verkehrsbetriebe in Nürnberg sollen am Mittwoch bestreikt werden, teilte Verdi mit. Am 13. Februar werden die Tarifverhandlungen mit den Kommunalen Arbeitgeberverbänden fortgesetzt.