Tourismus in der Corona-Krise: München-Urlaub am Bildschirm

Findet die Wiesn statt? Sind wirklich alle Museen zu? Was Touristen in Corona-Zeiten zur Stadt wissen wollen – und wie Touristiker mit neuen Ideen durch die Krise kommen möchten.
| Martina Scheffler
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Das Glockenspiel haben viele Touristen schon vor Corona nur durch ihre Smartphones gesehen. Da überrascht es nicht, dass virtuelle Stadtführungen gut gebucht sind.
Das Glockenspiel haben viele Touristen schon vor Corona nur durch ihre Smartphones gesehen. Da überrascht es nicht, dass virtuelle Stadtführungen gut gebucht sind. © Matthias Balk / dpa

München - Eigentlich wäre jetzt die Zeit, den Sommerurlaub zu planen – doch mehr als Hotelbuchungen hamstern, weil man ja nicht weiß, wo und ob überhaupt eine Reise möglich ist, kann man im Moment kaum machen. Dabei wohnen Münchner ja zum Glück schon da, wo andere Urlaub machen.

Verhinderte Touristen fragen schon nach der Wiesn

Die sehnen sich jetzt vielleicht nach unserer Landeshauptstadt – oder? Was machen die Tourismusorganisationen in München zwischen Lockdown und Reisewarnung? Bei München Tourismus gibt es immer noch sehr viele Anfragen – rund um die Corona-Regelungen, berichtet das Referat für Arbeit und Wirtschaft. Die Anfragen kommen von Privatleuten aus Deutschland, aber auch aus dem Ausland.

Doch was wollen die verhinderten Touristen sonst noch wissen? "Findet das Glockenspiel während des Lockdowns statt?", das treibt manche Interessierte um. Andere fragen ungläubig: "Sind die Museen wirklich alle geschlossen?" Mancher bangt um die tägliche Kalorienzufuhr: "Kann man bei einem Tagesausflug nach München irgendwo etwas zu essen kaufen?" Und andere setzen schon ganz auf die völlig autonome Form des Reisens: "Gibt es einen Campingplatz in München?" Auch Anfragen zur Wiesn verzeichnet München Tourismus, etwa, ob sie denn nun stattfindet und wo man das neue Plakat kaufen kann.

Auch die Bayerische Schlösserverwaltung hat einige Anfragen

Auch bei der Bayerischen Schlösserverwaltung gab es zu Pandemiebeginn vor allem Nachfragen aus dem Ausland zu den Reisebedingungen in Bayern und zu den Regelungen, die für den Besuch der Sehenswürdigkeiten gelten.

Aus dem Inland erkundigte man sich eher nach konkreten Schutz- und Hygienevorschriften, berichtet Pressesprecherin Franziska Wimmer. Solche Anfragen seien aber in den vergangenen Wochen stark zurückgegangen, genauso wie die Anfragen von Reiseveranstaltern. "Die derzeit eingehenden Anfragen beziehen sich auf die aktuellen Preise und Basisinformationen und kommen zumeist aus dem deutschsprachigen Raum von tendenziell kleineren Reiseveranstaltern."

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Virtuelle Angebote

Doch die Touristiker reagieren zwischen Lockdown und Reisewarnungen nicht nur auf den Informationsbedarf der Sehnsüchtigen, sondern verlagern ihre Angebote auch ins Virtuelle. "Wir haben unsere Marketingarbeit kanalübergreifend auf schöne Momente und Geschichten aus Bayern fokussiert, die trotz allem vom nächsten Urlaub hier träumen lassen", erzählt Sylvia Freund von Bayern Tourismus.

"Die User sollen Inhalte finden, die sie auf andere Gedanken bringen und für ein bisschen 'Bayern dahoam' sorgen." Wer will, kann sich auf der entsprechenden Webseite etwa das Wiesn-Wadl-Workout ansehen, mit Übungen wie "den Tisch abwischen" und "das Herz öffnen" – was man eben so macht in der Pandemie.

Bayern zum Anhören – mit Podcasts oder auf Clubhouse

Wer lieber "Bayern zum Anhören" mag, kann sich Anregungen für die nächste landkreisüberschreitende Reise holen. Unter dem Titel "hockdiher" erfährt man in Podcasts, eingestimmt mit zünftiger Blasmusik, zum Beispiel etwas über Gasthäuser – momentan also mehr Verheißung als Realität. Und bei der Quassel-App Clubhouse, die derzeit für Furore sorgt, finden Einheimische und Auswärtige das "Club-Stüberl". Selbst Journalisten können ihre Pressereisen derzeit online absolvieren, so etwa im November zum Kloster Waldsassen oder im Januar mit einer Edelbrand- und Essigverkostung – "ein voller Erfolg", resümiert Freund.

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Virtuelle Stadtführungen sind inklusiv

Virtuelle Führungen bietet auch München Tourismus an. Großes Interesse gibt es demnach in den USA und dort besonders bei Universitäten. Als Event seien die Touren auch bei Firmen beliebt, heißt es beim Wirtschaftsreferat. "Sehr geschätzt werden die Möglichkeiten zur Einbindung von Musik und interaktiven Aktionen – wie Wissensfragen oder Quiz."

Viele Jüngere seien unter den Interessenten, aber auch Ältere, die mit Vereinen buchen, oder Pflegeeinrichtungen, für die die pandemiebedingten Online-Alternativen sogar Vorteile bieten, "da auch körperlich eingeschränkte Personengruppen an einer virtuellen Stadtführung teilnehmen können".

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Neben diesen Angeboten ist für die Touristiker in München aber auch das Planen des Neustarts wichtig, wenn denn reales Reisen wieder möglich sein wird. Sylvia Freund hofft, "dem Tourismus in Bayern möglichst schnell wieder Aufschwung zu geben", und bei München Tourismus geht man davon aus, dass frühestens im Herbst mit einer langsam steigenden Nachfrage zu rechnen ist.

Der Städtetourismus werde wiederaufleben, jedoch "deutlich unter dem Niveau von 2019 bleiben". Sowieso sei München mit seinem hohen Anteil an Geschäftsreisen-Touristen von der Pandemie stärker betroffen als andere Regionen. Der wichtigste Markt bleibe auch in diesem Jahr das Inland, dazu Österreich und die Schweiz.

An der Re-Start-Strategie wird bereits gearbeitet

Auch München Tourismus arbeitet an einer "Re-Start-Strategie": "Die Maßnahmen gehen unmittelbar an den Start, sobald sich eine stabile Öffnung des Reiseverkehrs und ein dauerhaftes Ende der Einschränkungen im öffentlichen Leben abzeichnet. Grundlegend ist dafür auch die Öffnung der Kulturbetriebe der Stadt." Und bis es so weit ist, müssen Fotos und Geschichten aus München in den sozialen Netzwerken als Ersatz für all jene herhalten, die die Stadt so gern besuchen wollen, aber nicht können.

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