Swingerparty im Münchner Rathaus? Das sagt die Stadtverwaltung

Ein Mannheimer Stadtrat will das Rathaus zum Swingerclub machen. Die AZ hat in München nachgefragt – und siehe da: Die Hausordnung hat eine pikante Lücke.
Alexander Spöri
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Ein Blick auf das Münchner Rathaus am Marienplatz.
Ein Blick auf das Münchner Rathaus am Marienplatz. © Ulrich Wagner/imago

In Mannheim will Stadtrat Julien Ferrat im Rathaus eine Swingerparty steigen lassen, Gruppensex mit ihm sei "das Nonplusultra an Bürgernähe". Ferrat sitzt für "Die Mannheimer" im Stadtrat, eine örtliche Wählergruppe ohne große Partei im Rücken.

In München hat einen solchen Antrag bislang niemand gestellt, heißt es aus dem Rathaus: "Bis dato ist uns keine derartige Anfrage eines Münchner Stadtrats oder einer Münchner Stadträtin bekannt." Gute Karten also für Interessierte – denn: "Die Zulässigkeit einer Swingerparty im Rathaus wurde daher auch noch nicht geprüft."

Nicht erwähnt, also nicht explizit verboten

Das Presse- und Informationsamt zeigt sich erheitert – und spielt den Fall auf AZ-Anfrage durch: "In der Hausordnung für das Münchner Rathaus sind Swingerpartys nicht ausdrücklich erwähnt." Das bedeutet: "Also auch nicht ausdrücklich verboten".

Wie die Lücke im Regelwerk entstanden ist? "Vermutlich dachte bei der Formulierung niemand an diese Möglichkeit." Und vermutlich dachte damals auch niemand daran, dass ein Mannheimer Kommunalpolitiker einmal solche kuriosen Einfälle haben würde.

In der Landeshauptstadt des sonst so konservativen Bayerns versteht man offensichtlich Spaß. Vielleicht liegt es an der neuen Rathaus-Mehrheit aus Grünen, Rosa Liste, SPD, FDP und Freien Wählern, die sich Mango-Koalition nennt. Wo fünf Parteien miteinander feiern, kann eine Party der besonderen Art vermutlich niemanden mehr erschrecken.

Doch am Dienstweg kommt niemand vorbei

Ganz so schnell geht es dann doch nicht. Am Dienstweg führt – wer hätte es gedacht – auch hier kein Weg vorbei: "Grundsätzlich ist für die Vergabe von Räumen im Neuen Rathaus die Geschäftsleitung des Direktoriums zuständig", so das Presseamt. Ein Raumnutzungsvertrag regle die Details der Nutzung.

Untersagt sind demnach unter anderem "Veranstaltungen, die sittenwidrig sind, insbesondere bei sexistischen oder pornographischen Inhalten". Ein klarer Fall – könnte man meinen, wäre da nicht dieser Nachsatz: "Inwieweit dies auf Swingerpartys zutrifft, müsste im Falle eines entsprechenden Antrags geprüft werden."

Die Würde des Hauses lässt Spielraum

Bleibt die Hausordnung selbst. Die verlangt, die "Würde des Hauses" zu wahren: "Es ist jede Handlung zu unterlassen, die geeignet ist, die Würde oder das Ansehen des Hauses, der Stadtverwaltung sowie des Stadtrats oder dessen Tätigkeit zu beeinträchtigen." Ob eine Swingerparty darunter fiele, würde – es war fast zu erwarten – erst im Fall eines Antrags geprüft.

Mannheims Stadtrat Julien Ferrat liegt an einem Flussufer.
Mannheims Stadtrat Julien Ferrat liegt an einem Flussufer. © Uwe Anspach/dpa

Und dann wäre da noch die Lage. Der Marienplatz liegt mitten im Münchner Sperrbezirk. Die AZ wollte deshalb vom Kreisverwaltungsreferat wissen, ob die Sperrbezirksverordnung gilt, wenn bei der Party lediglich Eintritt verlangt wird.

Kein Skandal im Sperrbezirk

Die Antwort: "Nein, die Sperrbezirksverordnung würde in diesem Fall nicht gelten." Entscheidend sei das Entgelt für sexuelle Dienstleistungen: "Ein Eintrittsgeld allein ist nicht mit dem Entgelt für sexuelle Dienstleistungen gleichzusetzen."

Heißt: Solange drinnen niemand kassiert, bleibt draußen alles ruhig. Für einen echten Skandal im Sperrbezirk müsste schon Günther Sigls Rosi auftauchen – und Bares sehen wollen.

In Mannheim derweil: Flaute statt Feierlaune

Ein Dämpfer – zumindest für alle interessierten Mannheimer: Ferrat hat nach Angaben einer Stadtsprecherin bis heute keinen offiziellen Antrag gestellt, nicht einmal Datum oder Raum genannt. Notfalls, sagte er, feiere er eben privat. Übung hätte er – im vergangenen Sommer reiste er mit knapp 30 Teilnehmern zur "Politischen Bildungsfahrt" ins südfranzösische Cap d'Agde, direkt neben einer der größten FKK-Anlagen Europas.

In München müsste sich dagegen erst einmal ein Trittbrettfahrer finden, der nachfragt. Gut möglich wäre es allerdings, dass die Hausordnung danach um einen Satz reicher wäre.

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  • Frale vor einer Stunde / Bewertung:

    Ferrat sitzt für "Die Mannheimer" im Stadtrat .. der hatv doch einen an der Waffel !!!!

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  • Radl Rainer vor einer Stunde / Bewertung:

    Warum so spießig, die BoundCon ist doch auch seit 30 Jahren in München.

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