Streit um den Maibaum: Rosa Stangerl ist weg

Er sollte ein Zeichen für Toleranz und Integration setzen, nun ist das "Rosa Stangerl" im Glockenbachviertel entfernt worden.
| Daniel von Loeper, Paul Nöllke
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Am leeren Fundament brachte Michael Baumgartner einen Zettel an, auf dem er sein Vorgehen erklärt.
Daniel von Loeper 2 Am leeren Fundament brachte Michael Baumgartner einen Zettel an, auf dem er sein Vorgehen erklärt.

München - Nur ein leerer Sockel erinnert an den Integrationsbaum am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz. Zwölf Jahre lang stand der bunte Maibaum hier, er sollte ein Zeichen für Toleranz und Integration setzen. 2008 wurde der Baum auf Bestreben des Rosa-Liste-Politikers Alexander Miklosy aufgestellt.

Doch nun ist der Baum weg. Wie kam es dazu? Den ersten Maibaum hatte Dietmar Holzapfel, der Wirt der Deutschen Eiche, geschlagen, entrindet und geschliffen. 2011 übernahm dann Robert Maier-Kares, Gastronom und der Veranstalter des "Pink Christmas" Weihnachtsmarktes im Viertel, die Patenschaft für den Maibaum.

"2018 habe ich den Baum dann Michael Baumgartner geschenkt unter vertraglichen Bedingungen", erzählt Maier-Kares der AZ. Baumgartner ist auch derjenige, der den Maibaum jetzt abbauen ließ. Er nannte den Integrationsmaibaum immer "Rosa Stangerl".

Zwölf Jahre lang stand der bunte Maibaum am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz.
Zwölf Jahre lang stand der bunte Maibaum am Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz. © AZ-Archiv

Maifest nicht im Sinne der queeren Community?

Grund für den plötzlichen Abbau soll eine Auseinandersetzung über das Maifest gewesen sein, welches Baumgartner auf dem Platz unter dem Baum veranstaltete.

Am leeren Fundament brachte Baumgartner einen grell-gelben Zettel an, auf dem er sein Vorgehen erklärt. So sei er von Maier-Kares aufgefordert worden, den Maibaum an das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum Münchens (Sub) abzugeben.

Ihm sei der Vorwurf gemacht worden, das Maifest nicht mehr im Sinne der queeren Community zu veranstalten. Nun gebe er den Maibaum und die Veranstaltung zurück. Dennoch wolle er dagegen klagen und habe sich bereits einen Anwalt genommen.

Bleibt das langjährige politische Erbe von Alexander Miklosy erhalten?

Wie es nun mit dem Maibaum weitergeht, ist noch nicht ganz klar. Lange soll das Fundament auf dem Karl-Heinrich-Ulrichs-Platz nicht leer bleiben. Maier-Kares hofft, dass das Sub die Tradition weiterführen kann.

Maier-Kares, der selbst im Vorstand der Rosa Liste war, hofft, dass das langjährige politische Erbe von Alexander Miklosy mit dem Integrationsmaibaum erhalten bleibt – und die Gastro-Szene des Viertels das Maibaumfest bewirten kann.

Auch Eiche-Wirt Dietmar Holzapfel setzt darauf, dass dem Maibaum weiterhin eine besondere Bedeutung zukommt. Sub-Geschäftsführer Kai Kundrath hat Hoffnung: "Wir sind bereit, den Integrationsbaum zu übernehmen und würden uns darüber sehr freuen."

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