"Viel Holz und viel Grün": So wird der neue Elisabethmarkt

Am Mittwoch war Spatenstich. 2024 sollen die Münchner dort einkaufen und auf Dachterrassen in der Sonne sitzen können. Was die Marktleute und die Architekten zu den Plänen sagen.
| Christina Hertel
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Von der Dachterrasse aus sollen Münchner einen Überblick über den Elisabethmarkt haben. Daneben baut die Sparkasse Wohnungen und Büros.
Von der Dachterrasse aus sollen Münchner einen Überblick über den Elisabethmarkt haben. Daneben baut die Sparkasse Wohnungen und Büros. © bogevischs buero architekten

Schwabing - In manchen Wintern habe er stundenlang bei minus zehn, minus 15 Grad an seinem Stand gefroren, denn das Einzige, was die Kälte draußen hielt, sei eine dünne Plastikplane gewesen, erzählt Karl Huczala. Er betreibt auf dem Elisabethmarkt in Schwabing einen Obst- und Gemüsestand und ist ein Sprecher der Marktleute dort.

Karl Huczalas Eltern eröffneten den Obststand vor etwa 40 Jahren. Auch sie arbeiteten hart auf dem Markt, der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Schutt aufgebaut wurde und auf dem danach gerade mal die Fassaden neu gestrichen wurden, wie Huczala sagt. "Wenn der Markt geschlossen war, war er eigentlich ein Schandfleck. Der Putz bröckelte, von den Kühlungen lief das Wasser aus, der Boden war holprig. Wenn Klimaaktivisten das gesehen hätten, wären sie wohl tot umgefallen."

Behält der Elisabethmarkt seinen Charme?

Trotzdem gab es lauten Protest, als die Stadt beschloss, den Elisabethmarkt abzureißen und neu zu errichten. Der alte Charme würde verlorengehen, fürchteten viele.

Noch ist der Markt eine Baustelle.
Noch ist der Markt eine Baustelle. © Daniel von Loeper

Karl Huczala hat da keine Bedenken. Bei der Grundsteinlegung des neuen Marktes, die am Mittwoch stattfand, sagt er: "Das wird einer der schönsten Plätze Münchens." Weil es der neue Elisabethmarkt schaffe, traditionelles Flair mit modernen Arbeitsbedingungen zu verbinden. "Es gibt da kein Glas, kein Beton, sondern viel Holz und viel Grün."

2024 soll der neue Elisabethmarkt fertig sein

Ende 2023 soll der neue Markt voraussichtlich fertig sein. Bis der Betrieb läuft und die Händler Ware in den neuen 22 Ständen anbieten, werde es aber wohl noch bis 2024 dauern, heißt es von der Stadt. 31,2 Millionen soll der neue Markt insgesamt kosten.

Direkt daneben auf dem Gelände des Umspannwerks, baut die Stadtsparkasse mehr als 80 Mietwohnungen, 80 Apartments für Studenten und Auszubildende. Der Mietpreis werde etwa 30 Prozent unter der marktüblichen Miete liegen, sagt der Vorstand der Stadtsparkasse Bernd Hochberger. Außerdem entstehen dort Büros, Läden und eine Gastronomie und eine Kindertagesstätte.

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Neue Parkplätze für den Elisabethmarkt

Wenn alles fertig ist, werden sich die neuen Bewohner des Sparkassengebäudes und die Marktleute die zweistöckige Tiefgarage teilen. Ganz unten befinden sich Parkplätze für Anwohner, darüber sollen die Anlieferungen für den Markt abgewickelt werden.

In dem Untergeschoss gibt es Stellplätze für Händler, die erste unterirdische Müllpresse Münchens und Aufzüge, mit denen die Ware zu den Ständen transportiert werden kann. So erklärt es Rainer Hofmann, der Architekt, der den neuen Elisabethmarkt entworfen hat.

Auf kleinen Plätzen können sich die Marktbesucher niederlassen.
Auf kleinen Plätzen können sich die Marktbesucher niederlassen. © bogevischs buero architekten

Keine leichte Aufgabe - wie er offen zugibt: "Besonders am Anfang gab es viel Protest." Dieser sei jedoch abgeklungen, als die Stadt einen Bürgerdialog startete.

Zwei Dachterrassen für den neuen Markt

Daraus entstanden Ideen, die selbst Architekt Rainer Hofmann nicht erwartet hätte: Zum Beispiel werden die Dächer zum Teil begrünt, der Rand soll aber trotzdem aus Metall gefertigt sein, so wie es bei traditionellen Ständen üblich ist.

Außerdem wird es auf dem Elisabethmarkt zwei kleinere Plätze geben, auf dem sich die Besucher hinsetzen, einen Kaffee trinken oder einen Imbiss nehmen können, schildert Architekt Hofmann.

"Die Schwabinger lieben ihren Markt halt"

Von diesen Plätzen aus wird eine Treppe hoch auf zwei Dachterrassen führen. Von da sollen die Besucher den Markt überblicken können, auch ohne Geld in einer Gastronomie ausgeben zu müssen. Denn die Terrassen sollen nicht kommerziell und einfach für alle offen zugänglich sein, sagt der Architekt.

Rainer Hofmann konzipierte auch den provisorischen Markt, der sich neben der drei Meter tiefen Baugrube befindet. Für die 30 Holzmodule, die die Stadt dort für die Zeit der Bauarbeiten aufstellen ließ, erhielt er einen Architekturpreis.

"Eigentlich gibt es dort zu wenig Platz", sagt der Sprecher der Händler, Karl Huczala. Doch die Münchner nehmen auch den Interimsmarkt an: "Die Schwabinger lieben ihren Markt halt."

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