Schwabing: Hoffnung auf trockene Keller an Weihnachten

Anwohner im Norden Schwabings kämpfen seit Januar verzweifelt gegen Grundwasser im Untergeschoss. Bald könnte der Stadtrat beschließen, das Wasser abpumpen zu lassen.
| Hüseyin Ince
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Franziska von Gagern pumpt täglich 24 Stunden Wasser ab. Trotzdem steht es in der Tiefgarage.
Franziska von Gagern pumpt täglich 24 Stunden Wasser ab. Trotzdem steht es in der Tiefgarage. © Sigi Müller

Schwabing - Der 8. Dezember ist ein wichtiges Datum für bis zu 40 Häuser und deren Anwohner nördlich des Kleinhesseloher Sees, rund um die Genter Straße und Osterwaldstraße. Dann nämlich tagt der Stadtrat wegen des hohen Grundwassers im Viertel. Denn seit Monaten steht es bis zu 30 Zentimeter hoch in den Kellern der dort lebenden Münchner.

Eigentlich will die Stadt den Anwohnern nicht helfen, weil sie sich nicht verantwortlich sieht. So steht es in einer aktuellen Beschlussvorlage des zuständigen Referates für Gesundheit und Umwelt (RGU), basierend auf den Ergebnissen von Gutachten. Doch neben den betroffenen Anwohnern sehen das Stadträte der Fraktionen SPD/Volt, der Grünen-Rosa Liste und der FDP-Bayernpartei anders.

Fritz Roth: "Die Anwohner brauchen schnelle Hilfe"

"Die eindeutigen Ursachen sind noch zu klären. Wir werden daher einen Änderungsantrag zu dieser Beschlussvorlage einreichen", sagt Lars Mentrup (SPD). Dieser fraktionsübergreifende Änderungsantrag wird derzeit formuliert.

Doch eine Hauptforderung zeichnet sich bereits ab: "Die Anwohner brauchen schnelle Hilfe. Die Stadt soll daher das Grundwasser von Süd nach Nord pumpen, da es sich südlich eines Regenauslasskanals offensichtlich staut", sagt Stadtrat Fritz Roth (FDP). Das würde zunächst auf Kosten der Allgemeinheit geschehen, ähnlich wie bei einer Hochwasserkatastrophe.

Roth argumentiert: "Schließlich hat die Stadt auch eine Schadenminimierungspflicht", sagt er und spricht damit die Schäden an, die das Wasser über einen langen Zeitraum an der Bausubstanz verursachen könnte. Über die tatsächliche Verteilung der Kosten einer solchen Hilfe könne man reden, wenn die Ursachen eindeutig geklärt seien.

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Anwohner pumpen auf eigene Kosten Wasser aus den Kellern

Viele Stadträte seien sich einig, so Mentrup: "Es geht darum, dass jetzt mal die Keller trocken werden", sagt er. Er ist zuversichtlich, dass die Stadträte mehrheitlich den Änderungsantrag annehmen werden, den Roth derzeit in Abstimmung mit seinen Stadtratskollegen formuliert.

Die betroffenen Schwabinger pumpen seit etwa einem Jahr auf eigene Kosten Wasser aus den Kellern und Tiefgaragen. Bis zu 100.000 Euro haben einzelne Haushaltsgemeinschaften bereits investiert, zum einen für die elektrischen Pumpen, zum anderen für die Abwassergebühren. Sie werden fällig, obwohl es sich um klares Grundwasser handelt, das in das Abwasser geleitet wird.

Tiefgarage seit etwa einem Jahr unbenutzbar

Franziska von Gagern war die erste Anwohnerin, bei der das Wasser an der Genter Straße in das Untergeschoss drang. Sie wohnt in einem denkmalgeschützten Mehrparteienhaus. Wegen des Wasserstands ist ihre Tiefgarage seit etwa einem Jahr unbenutzbar.

Über die Ursachen herrscht seit Monaten Streit, zwischen den Anwohnern einerseits, die mittlerweile eine Interessengemeinschaft gegründet und den Anwalt Benno Ziegler engagiert haben, und der Münchner Stadtentwässerung (MSE) und dem RGU auf der anderen Seite.

Mittlerweile ist der erwähnte Regenauslasskanal nördlich der Genter Straße in den Fokus geraten. Es wird vermutet, dass dieser 1987 gebaute Kanal das Wasser stark aufstaut. Er verläuft von Ost nach West, ist fünf Meter breit und etwa drei Meter hoch. Das Münchner Grundwasser fließt - wie auch die Isar - von Süd nach Nord ab.

Die Ergebnisse der Gutachten widersprechen sich

Natürlich stellt sich die Frage, warum sich erst die vergangenen zwei Jahre hier das Wasser staute. Mehrere Gutachten versuchen das zu beantworten, in Auftrag gegeben vom RGU, aber auch von den Anwohnern. Die Ergebnisse der Gutachten widersprechen sich.

Fest steht: Bis 2018 wurden Abwasserkanäle abgedichtet. Sie waren früher laut MSE nie völlig dicht und nahmen zusätzlich zum Abwasser auch Grundwasser auf. Und: Der Kleinhesseloher See wurde gereinigt neu befüllt. Dabei flossen Wassermassen Richtung Norden ab.

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