Paul-Heyse-Villa: "Dieses Ensemble hat Seele"

Die Paul-Heyse-Villa soll einen Anbau bekommen. Doch Anwohner und Bezirksausschuss wehren sich vehement.
| Eva von Steinburg
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Dieser 70 bis 100 Jahre alte Götterbaum wird gefällt.
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Der Blick auf das Anwesen von der Luisenstraße aus.
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Der Blick auf die Villa vom Garten aus.
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Dieser 70 bis 100 Jahre alte Götterbaum wird gefällt.
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Maxvorstadt - Acht Romane, 180 Novellen und 68 Dramen hat Dichterfürst Paul Heyse erschaffen. Der Münchner war enorm produktiv – und ein großer Gastgeber. Um 1900 war er das Zentrum eines exquisiten Künstlerzirkels in der Maxvorstadt.

Nach vier Jahren Streit – und 6.500 Unterschriften von Bürgern – wird seine denkmalgeschützte Villa von 1830 in der Luisenstraße 22 nun doch nicht abgerissen. Allerdings soll das 1.300 Quadratmeter große Grundstück verdichtet werden  – mit einem angeblich "maßvollen" Anbau: Ein 15 Meter breites, 19 Meter langes und 8,30 Meter hohes dreistöckiges Gebäude soll direkt an der Luisenstraße entstehen. Den schönen Blick auf die Villa wird es verdecken.

Die Stadt hat sich mit dem Bauherren vor Gericht geeinigt

"Dieses Ensemble hat Seele", sagt Tassilo Eichberger, Anwohner der Gabelsbergerstraße. "Es ist eines der letzten Zeugnisse der Gartenstadt-Architektur in der Maxvorstadt – zusammen mit dem Lenbachhaus und einigen Grundstücken um den Karolinenplatz."

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Gegen den Neubau hat er im Januar eine Petition an den Bayerischen Landtag gerichtet. Der Bezirksausschuss Maxvorstadt stemmt sich ebenfalls vehement dagegen. Das Unverständnis ist groß, denn die Stadt hat sich mit dem neuen Bauherren, Carlos Graf Maltzan – abseits der Öffentlichkeit – gerichtlich geeinigt.

Gegen die Pläne gibt es in der Maxvorstadt heftigen Widerstand.

Die Hauptgründe:

  • Kritische Maxvorstädter gehen von einem bloßen Scheinverkauf der Villa aus – sie wittern Mauscheleien mit dem milliardenschweren Voreigentümer, einem Miele-Manager.
  • Verlust an Flair: Für das neue Gebäude muss die denkmalgeschützte Mauer zur Luisenstraße weichen. Auch der einfühlsam eingepasste und geschützte kleine Bau von 1950, in dem jetzt eine Weinhandlung und ein Café sind. "Die Weinhandlung ist ein süßes Kleinod. Gehen sie da mal hin!", sagt Katharina Blepp (30), Fraktionssprecherin der SPD im BA. "Diese Ecke verliert an Flair, wenn hier in Zukunft stattdessen das Betonloch einer Tiefgaragen-Einfahrt ist."
  • Biotop-Status: Die Villa grenzt an den Garten der Glyptothek. Der verwunschene Garten der Luisenstraße 22 ist Teil des Biotops Königsplatz, welches bei der Unteren Naturschutzbehörde als besondere Grünfläche eingetragen ist. Der Biotopcharakter werde durch den Neubau für Luxuswohnungen und beim Bau der Tiefgarage außer Acht gelassen, so die SPD im Stadtviertelparlament.
  • Schützenswerter Götterbaum: Im Zentrum des Gartens soll der 70 bis 100 Jahre alte Götterbaum mit seinen romantisch gefiederten Blättern gefällt werden. Der mächtige Stamm hat einem Umfang von 3,60 Metern – deutschlandweit eine Seltenheit.
  • Denkmäler stehen nicht zur Disposition: Die SPD im BA befürchtet, dass der Neubau der erste Schritt ist, um den Denkmalschutz in München weiter auszuhebeln: "Im Fall Paul-Heyse-Villa ist die Stadt unverständlich nachgiebig", sagt BA-Politikerin Katharina Blepp (SPD). "Sie sendet ein fatales Signal an Investoren! Es erweckt den Anschein, als ob es in München möglich sei, mit Ausdauer und aggressivem Vorgehen Bauprojekte gegen die Bestimmungen des Denkmalschutzes durchzusetzen.
  • Petitions-Initiator Tassilo Eichberger befürchtet ähnliches. Der Anwalt sagt deutlich: "Dieses Immobiliendenkmal aus der Zeit Ludwig I. hat man gekauft mit der Idee: Den Denkmalschutz kriegen wir da schon runter. Für dieses besonders idyllische Ensemble hat man das jetzt teilweise erreicht. Es wird ohne Not zerstört. Für mich ist das so, als würde man den Garten vom Lenbachhaus zubauen."
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