Neuer Pächter im Sendlinger Augustiner: "Perfekt" statt "Passt"

Das Wirtshaus in der Alramstraße hat einen neuen Pächter. Und der versteht genau, was seine Gäste von ihm erwarten.
| Paul Nöllke
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Der Gastraum leuchtet jetzt in einem warmen Grün.
Bernd Wackerbauer 4 Der Gastraum leuchtet jetzt in einem warmen Grün.
Der neue Wirt Thomas Frank.
privat 4 Der neue Wirt Thomas Frank.
Von außen hat sich nicht viel verändert.
Bernd Wackerbauer 4 Von außen hat sich nicht viel verändert.
Das Schnitzel ist groß, kross und saftig.
pdn 4 Das Schnitzel ist groß, kross und saftig.

Sendling - Wenn in München ein Wirtshaus den Pächter wechselt, ist das nicht immer eine gute Nachricht. Manch neuer Wirt scheint nicht zu verstehen, was seine Wirtschaft ausmacht. Und ehe man sich versieht, werden die Bratwürstl mit Kimchi serviert, "weil man mal was ausprobieren will", das 0,4-Helle kostet 5,50 Euro und am Wochenende wird im Gastraum "Weißwurst-Yoga" veranstaltet.

Doch solche Sorgen sind beim neuen Wirt des Sendlinger Augustiner in der Alramstraße unbegründet. Thomas Frank hat genau verstanden, was seine Gäste von ihm erwarten. Und hat den Sendlinger Augustiner so (wieder) zu einem perfekten Münchner Wirtshaus gemacht.

Der neue Wirt Thomas Frank.
Der neue Wirt Thomas Frank. © privat

Vor dem Umbau gab es gemischte Gefühle

Als die AZ vor mehreren Jahren zur Gastrokritik im Sendlinger Augustiner einkehrte, fiel das Urteil nüchtern aus: "Passt scho", schrieb unser Kritiker, und so sahen es auch viele Gäste. "Das war nie schlecht, aber auch nie wirklich gut", erzählt einer, der damals oft zu Gast war. Dieses Jahr machte das Wirtshaus zu, es wurde umgebaut - und Anwohner lugten neugierig durch die großen Fenster.

Am Donnerstagabend ist fast jeder Platz besetzt

Von außen hat sich nicht viel verändert.
Von außen hat sich nicht viel verändert. © Bernd Wackerbauer

Am 15. November eröffnete der Sendlinger Augustiner wieder. Mit neuem Wirt, neuer Speisekarte und einem kräftigen grünen Farbton an den Wänden. Am Donnerstagabend, Punkt 19 Uhr, kommt die AZ zur Kostprobe. Es ist fast jeder Platz besetzt. "Keine Reservierung?", fragt der Kellner. "Nein", antworten wir. Mit so viel Trubel hatten wir nicht gerechnet. Doch wir haben Glück: Nach Kontrolle des Impf- und Personalausweises bekommen wir einen Platz am Fenster.

Der Gastraum ist gemütlich, man fühlt sich sofort wohl. Die Tische wurden abgeschliffen, die Decke leuchtet in einem warmen Gelb und setzt sich gegen das kräftige Grün der Wände ab. "Schön bayerisch, aber nicht zu bayerisch", befinden wir.

Der Gastraum leuchtet jetzt in einem warmen Grün.
Der Gastraum leuchtet jetzt in einem warmen Grün. © Bernd Wackerbauer

Alle Altersgruppen sind vertreten

Die Gaststätte ist sehr voll - und das Publikum sehr gemischt. Hier sitzen ältere Ehepaare neben Familien mit kleinen Kindern, Männer im Anzug neben einer Gruppe junger Frauen. Wer es ruhig haben will, ist hier heute falsch.

Hinter der Theke zapft der neue Wirt Thomas Frank stolz Bier, trinkt mit seinen Gästen einen Schnaps oder empfiehlt, was man bestellen sollte ("Das Bergsteiger-Schnitzel, das habe ich selbst erfunden!") - und wirkt dabei, als stünde er hier schon 30 Jahre hinter dem Tresen.

Das Weißbier kostet 4,10 Euro, ein Helles vom Fass 3,90

Dabei hat Frank davor 20 Jahre lang Vereinsheime bewirtet. Das merkt man am herzlichen Umgang, den er mit seinen Gästen pflegt, obwohl er erst seit zwei Wochen hier ist. Seine Partnerin trägt derweil große Teller mit Essen an die Tische und nimmt gekonnt Bestellungen auf.

Es dauert bei dem Trubel etwas, bis wir unsere Bestellung aufgeben können, dafür kommt das Augustiner Weißbier (4,10 Euro) und das Helle aus dem Fass (3,90 Euro) dann aber sehr schnell. Zum Essen bestellen wir das Münchner Schnitzel (13,80 Euro) und Kasspatzn (11,80 Euro).

Das Schnitzel ist groß, kross und saftig.
Das Schnitzel ist groß, kross und saftig. © pdn

Das Essen soll für jeden erschwinglich sein

Die Preise im Sendlinger Augustiner sind vertretbar. Eine (ziemlich große) Currywurst kostet 9,80 Euro, das teuerste Gericht auf der Karte ist mit 29,80 Euro das Rinderfilet mit Beilage.

Zu Mittag gibt es eine extra Karte, dann kostet ein Essen samt kleinem Getränk 9,90 Euro. "Wir wollen, dass auch Rentner es sich leisten können, hier mittagzuessen", erzählt Frank. "Der Augustiner ist eine Stadtviertel-Wirtschaft, da können wir nicht mehr verlangen", sagt er, wenn man ihn auf seine Preise anspricht.

Schnitzel und Apfelkücherl sind so wie man sie sich vorstellt

Das Essen kommt recht zügig und wird auch rasch verspeist. Das Schnitzel schmeckt genau so, wie es schmecken soll. Die Panade ist kross, das Fleisch zart und auch die Bratkartoffeln sind perfekt gewürzt. Genauso die Kasspatzn, die wie das Schnitzel recht groß portioniert sind. Alles ist so, wie man es sich von einem Wirtshaus erwartet. Die Apfelkücherl mit Sahne und Vanille-Eis (7,80 Euro) zum Nachtisch sind ebenfalls eine Empfehlung wert.

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Man könnte nun anmerken, dass gegen Ende des Abends die Musik etwas laut wurde, oder dass der bestellte Hugo (6,80 Euro) etwas zu süß war. Aber irgendwie ist das am Ende des Abends auch egal. Denn der Sendlinger Augustiner macht in seiner Einfachheit so viel richtig, dass der Abend hier ein wahrer Genuss war.

Die vielen Gäste scheinen das ähnlich zu sehen.


Alramstraße 24, geöffnet von Mo bis So, 11 bis (wegen Corona) 22 Uhr.

Der neue Wirt Thomas Frank.
Der neue Wirt Thomas Frank. © privat
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