Grundstück im München-Lehel liegt brach: Stadtrat empört über Gewofag

In der Liebherrstraße lässt die Gewofag seit zehn Jahren ein städtisches Grundstück brachliegen. Der Stadtrat ist empört.
| Florian Zick
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An der Liebherrstraße steht ein Bauzaun, aber gebaut wird seit Jahren nicht.
Daniel von Loeper An der Liebherrstraße steht ein Bauzaun, aber gebaut wird seit Jahren nicht.

München/Lehel - Diese Baugrube im Lehel ärgert die ganze Stadt: Eigentlich soll hier in der Liebherrstraße dringend benötigter Wohnraum entstehen. Doch die städtische Wohnungsbaugestellschaft Gewofag lässt das Grundstück seit Jahren brachliegen (AZ berichtete).

Im Stadtrat ist man über diesen Zustand schwer verärgert. "Das geht gar nicht", schimpft SPD-Stadtrat Christian Müller. Da werde man mit der Geschäftsführung der Gewofag mal ein ernstes Wörtchen reden müssen, sagt er. Denn Wohnraum sei in München ein knappes Gut. Und ausgerechnet ein städtisches Tochterunternehmen verschleppt den Bau von neuen Wohnungen. "So geht’s einfach nicht", sagt Müller.

"Wohnungskrise – und dann so etwas? Unbegreiflich"

Auch bei den Grünen wundert man sich. "Es ist unbegreiflich, dass in der schwersten Wohnungskrise seit dem Zweiten Weltkrieg so etwas immer wieder vorkommt", sagt Katrin Habenschaden, die Chefin der grünen Fraktion im Stadtrat.

Die Brachfläche in der Liebherrstraße habe fatale Wirkung, findet Habenschaden. Denn wie solle man Privatleuten vermitteln, dass sie verantwortungsvoll mit Münchner Grundstücken umgehen müssen, wenn die Stadt das schon selbst nicht tue? "Das ist auf jeden Fall ein negatives Signal", so Habenschaden.

Grundstück zu klein, deshalb nicht attraktiv?

Bei der FDP glaubt man, eine Ahnung zu haben, warum die Gewofag so zögerlich vorgeht. Das Grundstück in der Liebherrstraße sei verhältnismäßig klein, sagt Fraktionschef Michael Mattar. Die Wohnungsbaugesellschaften der Stadt seien da andere Kaliber gewohnt. Und trotzdem binde die Entwicklung eines solchen Projekts wie dem im Lehel viel Personal. Da werde die Angelegenheit dann eben hinten angestellt, schätzt Mattar.

Der FDP-Chef fordert deshalb, kleinere Grundstücke an Baugenossenschaften zu vergeben. Die seien motiviert. "Da geht so etwas mit Sicherheit schneller", sagt Mattar.

Das Grundstück in der Liebherrstraße ist mittlerweile schon seit rund zehn Jahren in städtischer Hand. 2012 hat es das für Immobilien zuständige Kommunalreferat an die Gewofag zur Bebauung weitergereicht. Die Wohnungsbaugesellschaft beruft sich darauf, dass man das damals noch bestehende Gebäude wegen des darunterliegenden S-Bahntunnels nicht so einfach habe abreißen können. Und auch über die künftige Nutzung habe es lange Debatten gegeben. Im Stadtrat allerdings hält man das für Ausflüchte.

Kristina Frank (CSU), die seit August im Amt befindliche neue Kommunalreferentin, will sich zu dem Einzelfall nicht äußern – der begann schließlich weit vor ihrer Amtszeit. Frank will aber ein deutlich strengeres Regiment führen. "Für mich ist es wichtig", sagt sie, "dass keine Objekte länger leerstehen."

AZ-Kommentar zum Thema: Stadt lässt Grundstück vergammeln - Schade drum!

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