Erst Weg blockiert, dann angefahren: Taxler attackiert Sanitäter

Ein Taxifahrer hat vor dem Klinikum rechts der Isar den Eingang zur Notaufnahme blockiert. Es kam zum Streit mit zwei Notfallsanitätern, die Polizei musste einschreiten.
| Michael Schleicher Ralph Hub
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Die Notaufnahme des Klinikums rechts der Isar. Die Rampe zum Eingang ist gut zu sehen. (Archivbild)
imago/STL 3 Die Notaufnahme des Klinikums rechts der Isar. Die Rampe zum Eingang ist gut zu sehen. (Archivbild)
Die Nothilfeeinfahrt des Klinikums rechts der Isar.
Sigi Müller 3 Die Nothilfeeinfahrt des Klinikums rechts der Isar.
Der Sanitäter zeigt seine Verletzungen nach dem Vorfall.
MKT 3 Der Sanitäter zeigt seine Verletzungen nach dem Vorfall.

Haidhausen - Am Mittwochabend ist ein Streit am Klinikum rechts der Isar in Haidhausen eskaliert. Ersten Ermittlungen zufolge war ein Taxifahrer der Auslöser, der mit seinem Fahrzeug an der Zufahrtsrampe vor dem Eingang der Notaufnahme parkte. Der 50-Jährige wollte hier einen Patienten abholen.

Zwei Notfallsanitätern (25, 27) zufolge hätte der Taxler dadurch die Zufahrt blockiert und so anfahrende Rettungsdienstfahrzeuge behindert. Als der Fahrer des Notarztwagens hupte, fuhr der Taxifahrer auf der anderen Seite der Rampe wieder hinunter. So konnte die Rettungswagenbesatzung ihren Patienten an der Notaufnahme abliefern.

Die Notaufnahme des Klinikums rechts der Isar. Die Rampe zum Eingang ist gut zu sehen. (Archivbild)
Die Notaufnahme des Klinikums rechts der Isar. Die Rampe zum Eingang ist gut zu sehen. (Archivbild) © imago/STL

Sanitäter beschreibt Auseinandersetzung mit Taxifahrer

Anschließend fuhr der Taxifahrer wieder auf auf die Rampe, er stand nun hinter dem Rettungswagen. Weil er dadurch aber immer noch die Zufahrt für andere Notarztfahrzeuge blockierte, baten die beiden Sanitäter den Taxifahrer, wegzufahren. Es kam zum Streit, die zunächst verbale Auseinandersetzung wurde zu einer körperlichen.

Der 50-Jährige stieg aus und packte den 27-jährigen Sanitäter an der Jacke. "Ich dachte er würde gleich meinen Kollegen angreifen, deswegen ging ich auf die beiden zu, aber der Taxifahrer ging dann zu seinem Auto", beschreibt einer der Sanitäter die Situation. "Daraufhin sprach ich den Taxifahrer an, was denn los sei. Dies beantworte er indem er auf mich zukam, sich aufbäumte und auch mich anschrie. Er war so nah und brüllte so laut, dass Spucke auf meinem Gesicht landete."

Die Nothilfeeinfahrt des Klinikums rechts der Isar.
Die Nothilfeeinfahrt des Klinikums rechts der Isar. © Sigi Müller

Taxler erfasst Sanitäter mit seinem Auto

Anschließend stieg er wieder ein und wartete auf den Patienten, die Sanitäter verständigten die Polizei. Nach einiger Zeit ging der Taxifahrer in die Notaufnahme, um den Fahrgast abzuholen – nach etwa fünf bis zehn Minuten waren sie zurück an der Rampe. Danach wollte er wegfahren, doch die Polizei war noch nicht vor Ort, weswegen sich der 27-Jährige hinter das Taxi stellte.

Ersten Ermittlungen der Polizei zufolge erfasste das rückwärtsfahrende Taxi dabei den Mann, der leicht verletzt wurde. "Dass der Taxifahrer einfach den Rückwärtsgang einlegen würde überstieg selbst meine Erwartung. Mein Kollege konnte nicht mehr ausweichen und wurde vom Auto weiter nach hinten geschoben. Ich sah ihn für einen kurzen Moment stolpern, befürchtete er würde zu Boden fallen und dann vom Fahrzeug überrollt werden", sagte der Kollege des verletzten Sanitäters später.

Der Sanitäter zeigt seine Verletzungen nach dem Vorfall.
Der Sanitäter zeigt seine Verletzungen nach dem Vorfall. © MKT

Die beiden jungen Männer konnten den Taxler von der Weiterfahrt abhalten, wenig später traf die Polizei ein. Der Taxifahrer wurde wegen einer fahrlässigen Körperverletzung angezeigt, der 25- und 27-Jährige wegen Nötigung im Straßenverkehr. Die Ermittlungen hat die Münchner Verkehrspolizei übernommen.

Immer wieder Angriffe auf Rettungskräfte

MKT-Geschäftsführer Robert Schmitt zeigte sich angesichts dieses Zwischenfalls entsetzt: "Es ist ein geradezu typischer Fall für die zunehmende Gewalt gegenüber Rettungskräften." Erst in der vergangenen Woche hatte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sich wegen der zunehmenden Angriffe auf Polizisten, Feuerwehrleute und Rettungskräfte besorgt gezeigt. "Jeder Angriff auf die Polizei ist ein Angriff auf die demokratischen Grundwerte, das darf sich der Rechtsstaat nicht gefallen lassen."

Täter, die ermittelt werden und schließlich vor Gericht landen, kommen in Bayern nur selten mit einem blauen Auge davon. MKT-Chef Schmitt: "Ich bin froh, dass in Bayern von der Justiz derartige Delikte konsequent verfolgt und die Täter bestraft werden."

So wie im Fall eines 20-Jährigen, der im Sommer 2018 in Ottobrunn eine Notärztin schwer verletzte. Der Mann war betrunken und schleuderte eine halbvolle Whisky-Flasche in die Scheibe eines Notarztwagens. Eine Medizinerin wurde im Gesicht getroffen. Sie erlitt einen Kieferbruch und verlor mehrere Zähne. Der Täter wurde später vor Gericht gestellt und zu einer Haftstrafe verurteilt.

Erst vergangenen Woche wurde ein Sanitäter der Feuerwehr am Sendlinger Tor von einem Betrunkenen angegriffen und verletzt. Der Täter flüchtete unerkannt.

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