Drei Jahre Verzögerung: Steht der neue Großmarkt auf der Kippe?

Um mindestens drei Jahre verzögert sich der Neubau in Sendling. Der Investor unterzieht das Projekt wegen Corona einer kritischen Prüfung. Die Verträge sind noch immer nicht unterschrieben.
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Sogar einen Fußballplatz auf dem Dach sehen die Pläne des Investors vor. Wegen Corona hat er alles hinterfragt.  Visualisierung: Architekturbüro HENN/UGM GbR
Sogar einen Fußballplatz auf dem Dach sehen die Pläne des Investors vor. Wegen Corona hat er alles hinterfragt. Visualisierung: Architekturbüro HENN/UGM GbR © Visualisierung: Architekturbüro HENN/UGM GbR

München - Alle paar Meter stehen in der Markthalle Stützen. Sie halten ein Gerüst, damit Bauarbeiter die marode Decke sanieren können. Das mache den Gabelstaplerfahrern beim Rangieren Probleme, sagt Günther Warchola, der Präsident des bayerischen Fruchtverbandes.

Fertigstellung des Großmarktes in Sendling frühestens 2030

Er vertritt 75 von 200 Händlern, die auf dem Großmarkt in Sendling arbeiten. Das Dach ist nur eines von vielen Beispielen, was an dem Großmarkt sanierungsbedürftig ist. Lager und Verkaufshallen liegen weit von einander entfernt. Die Kühlung der Ware zu gewährleisten, sei deshalb schwierig, sagt Warchola.

Die Händler freuten sich deshalb, als die Stadt beschloss, dass eine neue Halle kommen soll. Gebaut und finanziert von einem Investor, fertig bis 2027 - so hieß es stets. Seit Kurzem ist klar, dass diese Pläne nicht zu halten sind. Die Stadt rechnet frühestens 2030 mit der Fertigstellung. Warum es sich doch länger hinzieht? "Aufgrund der Corona-Pandemie hat der Investor das Projekt einer kritischen Überprüfung unterzogen", antwortet das Kommunalreferat jetzt auf eine Anfrage der Abendzeitung.

Verhandlungen können noch scheitern

Offenbar stand das Projekt auf der Kippe: Erst im Oktober habe der Investor mitgeteilt, dass er das Projekt weiter verfolgen möchte, schreibt das Kommunalreferat weiter. "Seitdem laufen die Verhandlungen mit Hochdruck weiter." Dass sie scheitern könnten, ist immer noch möglich. Denn noch bestehen keine rechtlichen Voraussetzungen für den Bau. Unter anderem muss der Investor mit der Stadt einen Erbbaurechtsvertrag schließen. Doch dieser ist laut Referat noch nicht ausgearbeitet.

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2021 will die Verwaltung dem Stadtrat die Pläne außerdem noch einmal vorlegen. So erhalten die Stadträte noch einmal die Möglichkeit, "sich deutlich zu dem Projekt zu positionieren". Denn in der Vergangenheit war auch im Raum gestanden, dass die Stadt den Großmarkt selbst erneuert. Doch das hatte die Stadt verworfen.

Pläne für Großmarktareal: Einzelhandel, Gastro und Fußballplatz

Würde ein Investor das Projekt übernehmen, entstünden für die Stadt keine Kosten - lautete das Argument. Dieser fand sich 2019: das Unternehmen UGM, das auf dem Großmarkt selbst Hallen betreibt. Seine Pläne sehen vor, dass auf dem Großmarktareal in Zukunft auch Einzelhandel und Gastronomie betrieben, Büros sowie Grünflächen und sogar ein Fußballplatz gebaut werden.

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Steht das nun alles auf der Kippe? Der Investor, die UGM GbR, gibt zu, dass er immer noch auf der Suche nach weiteren Investoren ist. Denn die Kosten sind enorm: In der Vergangenheit war von 700 Millionen Euro die Rede. Er habe die vergangenen Monate genutzt, um "Inhalte zu prüfen", schreibt UGM-Geschäftsführer Hans Buchhierl.

Sendling: "Jedes Jahr Verzögerung tut weh"

Unter anderem habe er sich die Frage gestellt, ob so viele Büros noch notwendig seien - in Zeiten von Corona, in denen immer mehr Menschen von zu Hause arbeiten.In den Plänen sind etwa 65.000 Quadratmeter Bürofläche vorgesehen. Er gehe aber davon aus, dass es immer eine Nachfrage nach hochwertigen Büroflächen geben werde, so Buchhierl. Außerdem, so geht es aus dem Schreiben hervor, sei nicht sein Unternehmen Schuld an der Verzögerung - sondern die Stadt: "Einzig die vorgeschaltete Baurechtschaffung, die bei der Stadt liegt, verlängert den Zeitpunkt der Fertigstellung." Die Bauzeit liege weiterhin bei sechs bis sieben Jahren. "Fakt ist: Jedes Jahr Verzögerung tut weh. Je früher der Großmarkt fertig wird, desto besser."

Das sieht auch Warchola vom Fruchtverband so. Beruhigt habe ihn, dass die Stadt zusicherte, dass sie weiterhin in den Großmarkt investiere - damit die Hallen nicht vor 2030 zusammenfallen. 30 Millionen Euro wird die Stadt bis 2027 in Statik- und Brandschutz stecken. Ob danach bis zur Fertigstellung weitere Kosten anfallen, stehe nicht fest, schreibt das Kommunalreferat.

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