Corona-Krise am Großmarkt: Händler erfindet Obst-Drive-In

Weil Restaurants weniger Ware brauchen, geht es auch am Großmarkt ruhiger zu. Einen Händler brachte das auf eine findige Idee: einen Obst-Drive-In.
| Ruth Frömmer
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Francesco Fragiacomo verkauft Obst und Gemüse - Orangen gerade kaum. Die gingen gut an Hotel-Buffets, die es gerade nicht gibt.
Francesco Fragiacomo verkauft Obst und Gemüse - Orangen gerade kaum. Die gingen gut an Hotel-Buffets, die es gerade nicht gibt. © Daniel von Loeper

München - Francesco Fragiacomo entstammt einer italienischen Fruchthändler-Dynastie. 1900 gründete sein Urgroßvater Mario Andretta den ersten Fruchtgroßhan

del aus Italien an der Großmarkthalle. Francescos Mutter Annamaria Andretta-Fragiacomo leitet nach wie vor die Geschäfte der Familie.

Seit 2012 verantwortet Francesco das operative Geschäft bei der Fragiacomo & Co. GmbH. Mit fünf Mitarbeitern versorgt er Händler, die wiederum Restaurants, Hotels und Geschäfte beliefern, mit Obst und Gemüse und weiteren Lebensmitteln aus Italien.

Den Fruchthandel der Familie gibt es am Großmarkt schon seit 1900, freilich nicht im selben Gebäude.
Den Fruchthandel der Familie gibt es am Großmarkt schon seit 1900, freilich nicht im selben Gebäude. © Daniel von Loeper

Veränderter Bedarf der Kunden durch Corona

Mit der Corona-Krise, den Einschränkungen und Lockdowns in Gastronomie und Hotellerie hat sich der Bedarf an Großmarkt-Ware bei den Kunden stark reduziert und verändert.

Aber Francesco ist kreativ. Bereits während des ersten Lockdowns hat er mit Fresh Munich einen Drive-In für Obst, Gemüse und Feinkost für Privatkunden gestartet. Im Internet kann man diverse Boxen mit Obst, Gemüse oder einer Kombination aus beidem von 14,50 bis 19,50 Euro sowie Feinkost-Produkte bestellen.

Unter anderem gibt es auch Oliven, Käse, Getränke und Pasta. Zu einem vereinbarten Termin bekommt man die Ware dann direkt an der Großmarkthalle kontaktlos in den Kofferraum oder auf den Fahrrad-Gepäckträger geladen. Ein Mitarbeiter kümmert sich inzwischen nur noch ums Abhol-Geschäft.

Im Familienbetrieb packt der Chef noch selbst mit an.
Im Familienbetrieb packt der Chef noch selbst mit an. © Daniel von Loeper

Bestimmte Produkte sind gar nicht gefragt

Aber das allein bringt die Firma noch nicht durch die Krise. "Wir müssen abwarten. Durchgestanden ist das Ganze noch nicht. Natürlich hoffen wir, dass die große Insolvenzwelle 2021 ausbleibt. Aber damit rechnen müssen wir", erklärt Fragiacomo. Auch er musste Kurzarbeit für seine Mitarbeiter anmelden und kommt so einigermaßen über die Runden.

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Das Problem ist nicht allein das Sinken der Nachfrage insgesamt. Im Moment sind bestimmte Produkte einfach gar nicht gefragt. Orangen zum Beispiel. Normalerweise der Renner in Cafés und auf Hotel-Frühstücksbuffets, bleiben sie derzeit in den Lagerhallen liegen. Bei Francesco Fragiacomo können Firmen und Cafés sogar professionelle Orangensaft-Pressen oder Verkaufsautomaten dazu leihen. Ein Geschäft, das derzeit völlig ausbleibt.

Kleinste Störungen können für die Händler große Auswirkungen haben. Als Österreich im Sommer für einen Tag den Brenner sperrte, konnten Hunderte Lkw ihre Ladungen nicht ausliefern. "Aber so etwas können wir ausgleichen", bleibt Francesco optimistisch. "Es wird schon irgendwie weitergehen."


fresh-drive-in.de, Abholtage Mittwoch und Samstag, Oberländerstraße 2, 81371 München

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