Café Wiener in der Reichenbachstraße muss schließen

Der Vermieter spricht von einem Aufhebungsvertrag. Stimmt nicht, sagt die Betreiberfamilie. Sie seien gekündigt worden, ohne Verhandlung. Ende April 2022 ist Schluss.
| Hüseyin Ince Daniel von Loeper
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Johanna Wiener vor ihrem Café Wiener in der Reichenbachstraße. Bald wird sie hier keine Torten und Kuchen mehr verkaufen.
Johanna Wiener vor ihrem Café Wiener in der Reichenbachstraße. Bald wird sie hier keine Torten und Kuchen mehr verkaufen. © Daniel von Loeper

Isarvorstadt - Der Münchner Mietmarkt treibt manchmal seltsame Blüten. Nicht nur, dass bekanntermaßen die Gier um sich greift, weil die Neuvermietungen schwindelerregend teuer werden. Auch über das Ende von Mietverhältnissen kann es zwei vollkommen unterschiedliche Versionen geben - wie im Fall des Café Wiener.

Aus für das Café Wiener: Kündigung oder Aufhebungsvertrag?

Was man sicher weiß: Das Café Wiener an der Reichenbachstraße 8 schließt seine Türen zum 1. Mai 2022. Doch ab hier gehen die Meinungen komplett auseinander. "Wir wurden gekündigt", sagt Johanna Wiener. "Es war ein einvernehmlicher Aufhebungsvertrag", sagt der Immobilienverwalter Andreas Görtz.

Vermieter Görtz: Eigentlich ging's im Gespräch mit den Wieners um eine Sanierung

Schon seit dem Olympia-Jahr 1972 betreibt Johanna Wiener ihr Café. Auf dem Online-Kartendienst Googlemaps ist das Traditionshaus sogar eingezeichnet mit: "Konditorei Café Wiener seit 1894". Täglich bietet das Ehepaar Kuchen an, der weit über die Stadtviertelgrenzen hinaus bekannt ist. Die Wieners, beide im Rentenalter, lieben ihren Job und ihren Laden, versichert Johanna Wiener.

Kunden schätzen die vielen süßen Dinge, die es zu kaufen gibt.
Kunden schätzen die vielen süßen Dinge, die es zu kaufen gibt. © abz

Wie und warum es zu diesen zwei unterschiedlichen Versionen zum Ende des Mietverhältnisses kommt, ist kaum nachzuvollziehen. "Ich ging zur Familie Wiener, weil ich ankündigen wollte, dass eine dringende Sanierung ansteht, bei deren Kosten sich die Betreiber beteiligen müssten", sagt Görtz.

Im Laufe des Gesprächs habe dann die Familie Wiener gesagt, dass sie das als gute Gelegenheit sehe, endlich in Rente zu gehen. "Ich dachte mir, das ergibt sich doch gut", sagt Görtz am Telefon. Beim Aufhebungsvertrag habe er sich nach den Wünschen der Wieners gerichtet.

"Wir machen weiter!" - die Wieners suchen bereits eine alternative Ladenfläche

"Das stimmt nicht. Wir machen weiter! Wir sind noch fit!", empört sich Johanna Wiener, als ihr die AZ von dem Gespräch mit dem Verwalter erzählt. Sie und ihr Mann Rainer suchen bereits eine alternative Ladenfläche im Viertel.

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Görtz habe nie eine Sanierung erwähnt. "Unser Café ist tipptop. Neues WC, neue Stromleitungen, hier muss nix saniert werden", sagt Wiener. Sie seien "geschockt vom mündlich angekündigten Mietende" gewesen. Rainer Wiener habe deshalb dann selbst ein Kündigungsschreiben an Görtz gerichtet und den 30. April 2022 als Auszugstermin bestätigt bekommen.

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