Bund Naturschutz will SEM in München stoppen

Weil gefährdete Arten im Münchner Norden leben, soll in Feldmoching keine Siedlung entstehen.
| Christina Hertel
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Eine "städtebauliche Entwicklungsmaßnahme" (SEM) soll in Feldmoching Ackerland und Wiesen in eine Siedlung verwandeln. Naturschützer wollen dies verhindern. (Symbolbild)
Eine "städtebauliche Entwicklungsmaßnahme" (SEM) soll in Feldmoching Ackerland und Wiesen in eine Siedlung verwandeln. Naturschützer wollen dies verhindern. (Symbolbild) © imago images/Daniel Schvarcz

Feldmoching - Wohnraum ist in München knapp und teuer. Der Stadtrat hat deshalb beschlossen, dass im Norden bei Feldmoching ein riesiges neues Stadtviertel entstehen soll. "Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme" (SEM) heißt das Instrument, das das Ackerland und die Wiesen dort in eine Siedlung verwandeln könnte.

Naturschützer: Nur etwa fünf Prozent der 900 Hektar könnte bebaut werden 

900 Hektar ist dieses Gebiet groß. Doch weil dort gefährdete Arten leben und weil es sich um einen der letzten zusammenhängenden Freiräume in München handle, wollen Naturschützer nun eine Bebauung verhindern.

Der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz haben das Gebiet gemeinsam untersucht. Ihr Ergebnis: Fast die komplette 900 Hektar große Fläche rund um Feldmoching ist für den Klima- und den Naturschutz so wichtig, dass die Stadt dort keinen Wohnraum errichten sollte.

SEM in Feldmoching? Naturschützer sichten Kiebitz und Feldlerche

Nur etwa fünf Prozent des Areals in der Nähe der Autobahn könnte bebaut werden. Alles andere seien "Tabu-Flächen", wie es Rudolf Nützel, der Geschäftsführer des Bund Naturschutz in München, ausdrückt.

Ein Grund dafür ist, dass dort gefährdete Arten leben. Zum Beispiel sichteten Naturschützer dort den Kiebitz, einen taubengroßen Vogel mit einer Tolle auf dem Kopf. Seit 1992 sind seine Bestände um 88 Prozent zurückgegangen. In Bayern ist der Vogel vom Aussterben bedroht. Auch die Feldlerche ist auf dem Gebiet, wo eigentlich eine Siedlung entstehen soll, zu Hause.

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Doch jede Form der Bebauung würde das Brutgebiet der beiden Vögel zerstören, sagt Sophia Engel vom Landesbund für Vogelschutz. Denn Kiebitze und Feldlerchen haben so besondere Ansprüche, dass sie nicht auf Parks ausweichen könnten, so die Vogelschützerin. "Wenn wir nicht aufpassen, verlieren wir diese Arten." Der Münchner Stadtrat habe zwar erkannt, dass die Natur in einer Krise steckt, den Klimanotstand ausgerufen und viele Strategiepapiere erarbeitet. "Doch Willensbekundungen alleine reichen nicht."

Christian Hierneis: "Unzerschnittenen Freiraum" schützen

Auch Christian Hierneis, der für die Grünen im bayerischen Landtag sitzt und der Vorsitzender des Bund Naturschutz in München ist, fordert, dass die Natur im Münchner Norden erhalten bleibt. Es sei auch deshalb so schützenswert, weil es sich um einen "unzerschnittenen Freiraum" handelt. Die Natur dort leiste einen Betrag zur Belüftung Münchens und verhindere, dass sich die Stadt immer weiter aufheizt.

Wohnraum gibt es aus seiner Sicht genug. In Deutschland stehen mehr als zwei Millionen leer, sagt er. Und würden über all gleichwertige Lebensverhältnisse herrschen, wäre der Druck auf München nicht so groß.

Christian Hierneis.
Christian Hierneis. © Grüne

Dass die Wiesen und Felder dort zur Siedlung werden sollen, liegt allerdings auch an Hierneis Parteifreunden, den Grünen. Gemeinsam mit der SPD beschlossen sie vor etwa einem Jahr, eine städtebauliche Entwicklungsmaßnahme einzuleiten.

Städtisches Planungsreferat: Es stehen noch Gutachten aus

Sie wollen nun "genau überprüfen", wo es noch Spielraum für Wohnungen auf dem Gebiet gebe, sagt Anna Hanusch, die Chefin der Grünen im Stadtrat. Klar sei aber schon immer gewesen, dass nicht das gesamte 900 Hektar große Gebiet zugebaut werden solle. Auch das städtische Planungsreferat verweist darauf, dass noch Gutachten ausstehen.

Welche Gebiete von Bebauung frei zu halten sind und wie groß diese Flächen sein müssen, könne jetzt noch nicht beurteilt werden, antwortet die Pressestelle. Dafür sei es noch zu früh: Erst in 15 bis 20 Jahren sei mit einer Baurechtsschaffung zu rechnen.

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