SEM-Projekt im Münchner Norden: Anwohner weiter besorgt

Wie die Stadt bei der SEM Nordost abwiegelt - und warum es vor Ort weiter Sorgen gibt.
| Gaby Mühlthaler
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Lange stand die umstrittene „Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“ (SEM) im Münchner Norden auf der Kippe. Nun soll sie doch kommen.
Lange stand die umstrittene „Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“ (SEM) im Münchner Norden auf der Kippe. Nun soll sie doch kommen. © Petra Schramek

München - Auf 600 Hektar Grün- und Ackerland im Münchner Nordosten sollen lebenswerte Wohnquartiere für bis zu 30.000 Menschen und 10.000 Arbeitsplätze entstehen, das hat der Stadtrat beschlossen.

Darüber informierte das Planungsreferat die Bürger jetzt in einer Online-Veranstaltung. Gut 300 Menschen waren eingeloggt, über 500 Fragen wurden gestellt.

Das Projekt stößt auf riesige Vorbehalte

Transparenz und ständigen Dialog mit Bürgern und den Bezirksausschüssen versprachen Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteifrei) und der Leiter der Stadtplanung, Michael Hardi.

Das Projekt stößt auf riesige Vorbehalte, seit der Stadtrat für den Bereich eine "Städtebauliche Entwicklungsmaßnahme - kurz SEM" ausgewiesen hat.

Die friert die Bodenpreise ein, Besitzer könnten enteignet werden, sollten sie nicht zur Mitwirkung bereit sein. Die Stadtspitze betont zwar stets, dies sei das letzte Mittel - doch bei Grundbesitzern schrillen die Alarmglocken. Betroffen sind besonders Landwirte, die seit Generationen im Nordosten ackern, pflügen und sähen.

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Der Bauernverband zeigt sich gesprächsbereit

"Wir sind gesprächsbereit, redet künftig vernünftig mit uns", forderte der Präsident des Bauernverbands Oberbayern, Ralf Huber, und Münchens Kreisbäuerin Sonja Dirl erklärte: "Landwirtschaft ist kein Beruf, sondern unser Leben!"

Merk und Hardi betonten, man wolle weg von der SEM-Diskussion und gemeinsame Lösungen finden. Es sei eine Kurskorrektur. Wer nicht länger Landwirt sein wolle, könne verkaufen. Bauern, die das in nächster Generation bleiben wollten, könnten das ebenfalls tun.

Im Oktober soll eine Entscheidung gefällt werden

Hardi betonte, der Entwurf des Düsseldorfer Architekturbüros Rheinflügel Severin und der Berliner BBZ-Landschaftsarchitekten, der nun verfolgt wird, lasse Spielräume über Generationen hinweg - so lange werde die Umsetzung dauern.

Bestehende Grün- und Freiräume sowie die Dorfkerne und deren Vernetzung sei hier der Ausgangspunkt. Mosaikartig könnten Bereiche entwickelt werden, andere Jahrzehnte später. Die Bevölkerung wolle man mitnehmen. Bis zur Stadtrats-Entscheidung im Oktober sind zahlreiche Info-Veranstaltungen geplant.

Die Grüne fordert zuerst eine Infrastruktur

Für wie viele Menschen letztlich Wohnungen geschaffen werden, ist nicht klar. Die Stadträte Paul Bicklbacher (Grüne) und Christian Müller (SPD) tendieren zur Höchstzahl, Heike Kainz (CSU) plädiert für maximal 20.000.

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Sie forderte vor Baubeginn die Herstellung von Infrastruktur - etwa ÖPNV und Radverkehr - müsste geregelt sein. Pläne für die Verlängerung der U4 könne man erst anstoßen, wenn der Tunnel für die S-Bahn geregelt sei, so Hardi.

Bogenhausens Bezirksausschuss-Chef Florian Ring (CSU) stellte klar, dass Vertrauen unerlässlich sei: "Ansonsten brennt das Stadtviertel!"

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