"Spontane, kurzzeitige Eskalation": Fan-Experten widersprechen Polizei nach Arena-Krawall

Die Polizei geht von einer verabredeten Auseinandersetzung von Fußballfans des VfB Stuttgart und des FC Bayern aus. Die AZ erklärt, warum das Fanprojekt München diese These nicht für schlüssig hält.
Felix Müller
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Die Münchner Polizei führt Anhänger des VfB Stuttgart ab.
Die Münchner Polizei führt Anhänger des VfB Stuttgart ab. © Thomas Gaulke

"Es hatte für uns den Anschein, als ob die Aktion geplant war. Es hat nicht spontan ausgeschaut", sagte ein Sprecher der Münchner Polizei am Montag vergangener Woche, als der Öffentlichkeit bewusst wurde, welche Ausmaße der Polizeieinsatz am Sonntagnachmittag vor der Allianz Arena am Rande des Bundesliga-Heimspiels des FC Bayern gegen den VfB Stuttgart (4:2) gehabt hatten.

Wie die Polizei vermeldete, konnte sie nur mit Mühe eine sehr große Auseinandersetzung am sogenannten Südkurvenplatz vor der Arena verhindern. Sie nahm 500 (!) Stuttgarter Anhänger in Gewahrsam, die in Verdacht standen, eine Auseinandersetzung mit Bayern-Fans gesucht zu haben. Dass es nicht auch sehr viele Münchner erwischte, begründete sie damit, dass es sonst einfach um zu viele Personen gegangen wäre.

An diesem Mittwoch wiederum meldete sich das Fanprojekt München öffentlich zu Wort – und das schätzt die Lage ganz anders ein als die Polizei. Wohl keine Institution ist so nahe an den Münchner Fanszenen dran wie eben das Fanprojekt der Arbeiterwohlfahrt, das Sozialarbeit mit den Fans macht, sie bei Heim- und Auswärtsspielen begleitet und sich um Gewaltprävention bemüht. Dass Hunderte Gästefans am Treffpunkt der Heim-Ultras auftauchen können, hält man beim Fanprojekt offenbar für sehr erstaunlich.

"Unübersichtliche Situation": So beschreiben die Experten die Lage vor der Arena

"Nach unserer Einschätzung handelte es sich um eine spontane, kurzzeitige Eskalation einer unübersichtlichen Situation", heißt es in der Mitteilung. Das Fanprojekt betont, dass der Südkurvenplatz seit Langem ein zentraler Treffpunkt der Bayern-Fanszene vor Spielen ist. "Zugleich ist es im Stadionumfeld üblich, ankommende Gästefans so zu führen, dass eine räumliche Trennung rivalisierender Fangruppen jederzeit gewährleistet wird. In dem Fall war dies nicht gegeben." Offenbar eine Kritik an der Polizei.

So konnten die Stuttgarter unbemerkt von der Polizei anreisen

Wie berichtet, waren die Fans nach Stuttgarter Medienberichten nicht wie üblich mit Bus oder Bahn angereist – und somit entweder auf dem Gästeparkplatz angekommen oder schon ab dem Hauptbahnhof unter dem wachen Auge der Polizei unterwegs – sondern mit Autos nach Großhadern gefahren und von dort aus unbemerkt mit der U6 zur Arena.

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"Keine erkennbaren Anzeichen" für eine Auseinandersetzung

Das Fanprojekt glaubt aber offenbar trotzdem nicht, dass die Stuttgarter eine Auseinandersetzung verabredet hatten (wie es das zwischen gewaltbereiten Fangruppen häufiger gibt, in der Regel aber fernab der Stadien und der Augen der Polizei). "Wir, als Fanprojekt München und Bayern-Fans, die sich bereits am Südkurvenplatz aufhielten, waren mehr als überrascht, dass eine größere Gruppe von Gästefans in unmittelbarer Nähe gelangen konnte. Es gab im Vorfeld keinerlei erkennbare Anzeichen oder Entwicklungen am Südkurvenplatz, die auf eine derartig geplante Auseinandersetzung hingedeutet hätten."

Beide Fangruppierungen seien nicht für eine solche Auseinandersetzung "ausgerüstet" gewesen, betonen die Experten.

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