Interview

Söder-Double Stephan Zinner: Nockherberg-Singspiel als Livestream? "Das wäre nicht cool gewesen"

Am Freitag ist Nockherberg. Aber ohne das Singspiel. Und damit ohne Söder-Double Stephan Zinner. In der AZ spricht er über den ausgefallenen Höhepunkt des Jahres, Söder als Kanzler - und sein Corona-Jahr.
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Der Kabarettist und Schauspieler Stephan Zinner, Jahrgang 1974, ist seit 2004 Söder-Double auf dem Nockherberg.
Der Kabarettist und Schauspieler Stephan Zinner, Jahrgang 1974, ist seit 2004 Söder-Double auf dem Nockherberg. © picture alliance/dpa

München - AZ-Interview mit Stephan Zinner: Der Kabarettist und Schauspieler, Jahrgang 1974, ist seit 2004 Söder-Double auf dem Nockherberg.

AZ: Seit 2004 geben Sie am Nockherberg einen gewissen Markus Söder, und ausgerechnet in dem Jahr, in dem er so präsent war und ist wie nie zuvor, findet das Singspiel nicht statt. Sie hätten ja Stoff für fünf Singspiele gehabt! Wann haben Sie das innerlich für sich abgehakt?
STEPHAN ZINNER: Schon sehr früh. Aber das war eher so ein Gefühl. Da hab' ich noch gar nicht gewusst, dass es tatsächlich ausfällt. Es gab vorab natürlich Gespräche mit Paulaner: ‚Eigentlich geht's nicht. Oder in irgendeiner anderen Form.' Im Prinzip hat jeder geahnt, dass es wohl nix wird. Wenn's stattgefunden hätte, hätte ich jedenfalls früher etwas erfahren. Überraschend kam's dann letztlich nicht. Der Maxi Schafroth hält seine Rede ja jetzt ins Leere - wie das wird? Bin gespannt.

Nockherberg-Singspiel hätte laut Zinner als Stream nicht funktioniert

Das Singspiel als Stream anzubieten war keine Option?
Ich glaube nicht, dass es Überlegungen dazu gab. Ich hätte es auch nicht gut gefunden. Wegen des Live-Charakters. Wenn so gar keiner da ist...ich weiß nicht, ob das cool gewesen wäre. Ich bin auch nicht so der Fan vom Kabarett-Stream. Deswegen war ich ganz froh, dass das gar nicht erst in die engere Überlegung kam. Das Event lebt halt schon von der speziellen Konstellation da oben. Ich glaube, es wurde kurz mal eine Filmversion überlegt, bei der man die Politiker zuhause besucht, aber irgendwie kam man auf keinen grünen Zweig. Und bevor es halbscharig wird, lässt man's lieber bleiben. Da kommt man dann schnell in eine Art, das zu machen, die überhaupt nicht zielführend ist, das wird dann ein rechtes Gestöpsel.

Aufgeplustert: Zinner als Söder im Jahr 2008.
Aufgeplustert: Zinner als Söder im Jahr 2008. © imago stock&people

Wie haben Sie den Herrn Ministerpräsidenten im vergangenen Jahr erlebt? Sie haben mit ihm ja schon diverse Häutungen hinter sich.
In der aktuellen Krisenmanager-Version von ihm hat er schon so einen ganz eigenen, salbungsvollen Ton, wenn's ernst wird. Ich wäre schon sehr gespannt darauf gewesen, was sich die Autoren hätten einfallen lassen.

Ministerpräsident Söder als Bundeskanzler?

Kann er Kanzler? Will er Kanzler?
Boah, weiß ich nicht, wirklich nicht.

Da waren sie noch jünger: Stephan Zinner 2010 mit Markus Söder auf dem Nockherberg.
Da waren sie noch jünger: Stephan Zinner 2010 mit Markus Söder auf dem Nockherberg. © imago/Astrid Schmidhuber

Einen bayerischen Kanzler gab's beim Derblecken noch nie. Würde das für Sie einen Unterschied machen? Können Sie Kanzler?
Für die Schreiber würde es einen Unterschied machen, für mich eher nicht. Ich schreibe ja nicht mit, sondern nehme das, was kommt. Klar macht es einen Unterschied, ob ich einen Kanzler oder einen Ministerpräsidenten spiele. Aber grundsätzlich ist er ja er.

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"Das ist die beste Energie vom Schauspieler: während der Probe etwas einbringen"

Sie sind gelernter Schauspieler, schreiben als Kabarettist und Songwriter aber auch selbst Texte. Halten Sie sich da im Singspiel komplett raus?
Größtenteils ja. Ich gebe dann aber schon meinen Senf dazu, wenn ich's gelesen habe. Wir treffen uns vorher schon auch mal, aber erstens machen sie's gut, und zweitens verderben viele Köche den Brei. Wenn ich denke, da könnte man was verändern, dann bringe ich das in der Probe ein. Das hat sich auch bei der Eva Demmelhuber oder beim Rosi (Marcus H. Rosenmüller, Anm. d.Red.) schon bewährt, dass ich da nicht schon vorher mitmache. Beim Proben verändert sich eh noch so viel. Das ist die beste Energie vom Schauspieler: während der Probe etwas einbringen. Da kann man nochmal schöne Sachen finden, und das taugt mir auch am besten.

Jogginganzug-Auftritt: Zinner Söder 2019 mit Stephan Murr (links) als Andreas Scheuer.
Jogginganzug-Auftritt: Zinner Söder 2019 mit Stephan Murr (links) als Andreas Scheuer. © Tobias Hase/dpa

Seit die dritten Programme in letzter Zeit sämtliche Rita-Falk-Verfilmungen wiederholen, läuft gefühlt jede Woche einer dieser schön schrägen Eberhofer-Krimis, mit Ihnen als Metzger Simmerl. Auch Sie waren lange nicht mehr so präsent!
Hat mein Vater auch gesagt. Der berichtet mir immer von meiner Sendepräsenz.

Neuer Eberhofer-Krimi soll im Herbst gedreht werden

Mal aus Zufall in ein eigenes Werk rein gezappt?
Nein, ehrlich gesagt bin ich gerade nicht so der große Fernsehschauer. Das geht bei mir immer so in Wellen, und derzeit schau' ich eigentlich gar nicht.

Wie steht es generell um die Eberhofer-Krimis? Im vergangenen Sommer gab es zum Entsetzen der Fans erstmals seit 2013 keinen neuen Kinofilm.
Mein Stand ist, dass sie es im August probieren wollen mit dem "Kaiserschmarrndrama", dem neuen Film - wenn man denn wieder rein darf in die Kinos. Und im Herbst soll der nächste gedreht werden. Aber alles unter Vorbehalt.

Stephan Zinner war vor 20 Jahren bei den Kammerspielen

Wie sind Sie durchs erste Corona-Jahr gekommen?
Ich mach' ja verschiedene Sachen, darum bin ich ganz gut durchgekommen. Mal bin ich beim Funk, hab' unter ziemlich strengen Auflagen ein bisschen was gedreht, hab' mich mal damit befasst, wie man ein Drehbuch schreibt - da ging schon was. Der Sommer mit den Live-Auftritten war gut, richtig schön. Aber danach ging's mir wie allen anderen Live-Bühnen-Spielern auch.

Drehbuchschreiben ist neu, oder?
Hab' ich noch nie gemacht, da muss ich mich auch noch rein fuchsen. Es ist nicht so, dass ich das gleich kann, aber ich wollte es probieren, mal auf die andere Seite schauen. Jetzt schreibe ich da mit zwei jungen Leuten, die das gelernt haben. Aber das ist ein längerfristiges Projekt, das pressiert gar nicht.

In Ihren Anfängen als Schauspieler haben Sie vor 20 Jahren an den Kammerspielen unter Herbert Achternbusch gespielt, in dessen Stück "Daphne von Andechs" - als Krähe, die zur Gitarre Hank-Williams-Songs krächzt.
Das war die Eröffnungs-Premiere von Frank Baumbauer nach der Ära Dieter Dorn. Sepp Bierbichler und Michael Tregor haben die Hauptrollen gespielt, ich durfte auch mitmachen, und das Erste, was Achternbusch sagte, war: "Stefan, du kriegst ein Ganzkörperkostüm." Da freut man sich natürlich als Schauspieler! Ich kann sagen, ich war auch dabei. Ob ich das Stück geprägt habe? Eher nicht. Aber als junges Ensemblemitglied der Kammerspiele hält man auch erst mal die Klappe und ist froh dabei zu sein. Da war schon eine super Energie, eine Professionalität, das war toll. "Naa Stephan, bleib sitzen. Da machen wir jetzt mal nix, da lassen wir den Herrn Achternbusch mal reden." Ich hab' da viel mitgenommen für die nächsten Jahre, aber in dem Moment will man vorne stehen, alles reden und nicht bloß die Krähe sein. Es war jedenfalls sehr lustig, den Proben zuzuschauen - so viel hatte ich nicht zu tun gehabt.

"Starkbier? Das schmeckt mir nicht so richtig"

Außer den Hank-Williams-Songs.
Genau, bei "Cool Water" habe ich mein Bestes gegeben. Guter Song.

Zurück auf den Nockherberg: Wenn die Gaudi nun schon ausfallen muss, gibt's dann im Hause Zinner wenigstens das ein oder andere Starkbier?
Naa, ich mag's nicht so recht. Ich bin leidenschaftlicher Biertrinker, aber kein Bock oder Starkbier. Schmeckt mir nicht so richtig. Als Kabarettist bekommt man vom Veranstalter ja manchmal so eine Auswahl lokaler Biere, da ist meistens ein Bock dabei - das kriegt dann der Vater. Oder ich nehm's für die Schweinsbratensoße her. Auf dem Nockherberg trinke ich meistens eine Maß, die schmeckt auch - das langt dann aber auch wieder für ein Jahr.

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