So geht es Münchens OB kurz vor der Anzapf-Premiere: "Mein Verlobter hat mir Baldriantee gekauft – als Gag"

Zwei Schläge im Training, Millionen Augen auf ihn: Für Münchens OB Dominik Krause wird es am Samstag ernst. Zum ersten Mal muss er das erste Wiesn-Fass anzapfen. Nervös? Offenbar ein bisschen – sein Verlobter hat jedenfalls schon vorgesorgt.
von  Christina Hertel
Angezapft hat OB Dominik Krause schon ein paar Mal – etwa, wie hier zu sehen, im Bräurosl-Festzelt. Doch an diesem Samstag schauen Millionen Menschen zu.
Angezapft hat OB Dominik Krause schon ein paar Mal – etwa, wie hier zu sehen, im Bräurosl-Festzelt. Doch an diesem Samstag schauen Millionen Menschen zu. © IMAGO/B. Lindenthaler (www.imago-images.de)

AZ: Herr Krause, wie gut schlafen Sie in diesen Tagen vor Ihrer Anzapf-Premiere?
DOMINIK KRAUSE: Ich schlafe weiterhin sehr gut. Wie auch viele andere im Rathaus war ich in den Sommerferien im Urlaub. Jetzt bin ich erholt zurück. Ich habe am Donnerstag meine letzte Trainingsrunde absolviert und jetzt kann es losgehen.

Wie liefen die Trainingsrunden?
Es gab nur zwei und da hat es gut funktioniert. Aber es ist ja so wie im Fußball: Das Elfmeterschießen ist im Training ganz anders als im WM-Finale.

Zwei Schläge im Training: Krause hofft auf den perfekten Wiesn-Anstich

Was ist Ihr Rekord? Im positiven wie im negativen Sinne?
Es war immer gleich: zwei Schläge.

Das klingt doch vielversprechend. Hatten Sie trotzdem in den letzten Wochen einen Anzapf-Albtraum?
So emotional betrifft mich das Ganze dann doch nicht. Ich habe ja schon viele Male angezapft. Und es passiert ja auch sonst viel Politisches hier im Rathaus, da ist also ganz normaler Alltag.

Was macht der OB zur Beruhigung?

Es schauen mehr als eine Million Menschen im Fernsehen oder im Netz zu. Da kann man schon nervös werden. Was machen Sie zur Beruhigung? Meditation? Beruhigungspillen?
Um Gottes Willen, nein! Mein Verlobter hat mir einen Baldriantee gekauft, aber das war eher ein Gag. Es gibt nichts, was ich vorher zur Beruhigung mache. Meine Woche ist ganz normal. Ich habe den ganzen Tag über Termine. Vor allem beschäftigt mich gerade unsere Olympia-Bewerbung. Ob München für Deutschland ins Rennen geht, entscheidet sich am mittleren Wiesn-Wochenende. Und ich hoffe, dass ich danach auf eine erfolgreiche erste Wiesn-Woche und einen erfolgreichen deutschen Vorentscheid anstoßen kann.

Noch mal zurück zum Anzapfen. Üben Sie den Ausruf „Ozapft is“ vor dem Spiegel? Erich Kiesl rief aus Versehen: Obatzt is!
Ich habe auch schon von „Izopft os“ gehört. Aber nein, das habe ich nicht geübt. Korrekt zu sprechen, funktioniert hoffentlich auch so (lacht).

Tipps von Vorgänger Dieter Reiter?

Was muss man denn überhaupt beachten beim Anzapfen?
Von Fachleuten habe ich mir erklären lassen, dass vor allem die Temperatur des Bieres wichtig ist. Und dass das Fass gut gelagert wird, also dass es nicht vorher geschüttelt wurde. Christian Schottenhamel hat mir versichert, dass auch dieses Jahr mit dem Fass sorgsam umgegangen wird.

Haben Sie sich von Ihrem Vorgänger Dieter Reiter einen Tipp geholt?
Mit Christian Ude habe ich darüber geredet. Und er hat gesagt: Am Ende kann nichts schiefgehen. Entweder man schafft es mit wenigen Schlägen oder man ist in aller Munde.

Haben Sie sich überlegt, was Sie sagen, wenn etwas schiefgeht?
Nein, weil ich hoffe, dass alles gut klappt. Auch wenn die Historie zeigt, dass es beim ersten Mal am schwierigsten ist. Christian Ude hat beim ersten Mal sieben Schläge gebraucht. Bei Hans-Jochen Vogel hat es so gespritzt, dass alle nass geworden sind. Aber es muss ja eine Steigerungsmöglichkeit geben.

Dominik Krause: "Hoffentlich ohne Fauxpas"

Was wäre Ihnen unangenehmer: 17 Schläge zu brauchen wie einst Thomas Wimmer oder Markus Söder aus Versehen die erste Maß drüberzukippen?
(lacht) Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Dass es 17 Schläge werden, hoffe ich nicht. Und ich freue mich darauf, dem Ministerpräsidenten die erste Maß Bier zu überreichen – hoffentlich ohne Fauxpas.

Haben Sie eine Wechsel-Tracht dabei, wenn es zu arg spritzt?
Nee, dafür gibt es ja eine Schürze. Und im besten Fall sollte von dem guten Münchner Bier nicht zu viel auf der Kleidung landen.

Haben Sie sich für den Anstich-Tag eine neue Tracht gekauft? Und wenn ja, wo?
Ich war in einem Münchner Traditionsgeschäft. Aber ich habe mir keine komplett neue Tracht gekauft, nur aufgestockt. Natürlich brauche ich als OB mehr Trachtenausstattung, weil ich einfach häufiger auf der Wiesn bin. Und man will ja nicht jeden Tag dasselbe anziehen. Was ich zum Anstich anziehen werde, weiß ich aber noch nicht.

So viele Lederhosn hat der OB

Wie viele Lederhosen haben Sie?
Ich habe mir eine neue gekauft und hatte vorher auch schon drei oder vier.

Wer hat Sie beim Kauf beraten?
Ich hatte eine super Beratung im Geschäft – und mein Verlobter war auch dabei.

Hätten Sie sich letztes Jahr vorstellen können, dass Sie sich jetzt über den Anstich Gedanken machen müssen?
Ich habe letztes Jahr noch mit Dieter Reiter darüber gescherzt, wie das Anzapfen wohl so ist. Aber dass ich es im Jahr darauf wirklich selber machen darf, damit hab’ ich nicht gerechnet.

Privat nochmal auf die Wiesn?

Wie sehr stört es Sie, dass Sie als Münchner OB, egal, was Sie politisch fordern, nie so eine Aufmerksamkeit bekommen werden wie jetzt zum Anstich?
Das stört mich überhaupt nicht, dass die Wiesn so eine große Aufmerksamkeit bekommt. Ganz im Gegenteil, das ist großartig. Die Wiesn gehört zur Münchner Identität dazu. Egal, wo man auf der Welt unterwegs ist, wenn man sagt, dass man aus München kommt, wird man gleich auf die Wiesn angesprochen. Und es ist schön, dass wir zur Wiesn die ganze Welt zu Gast haben. Natürlich würde ich mir wünschen, dass für das ein oder andere politische Thema auch so eine große Aufmerksamkeit da ist. Aber ich will gar nicht so negativ klingen, weil mein Eindruck ist, gerade jetzt vor der letzten Kommunalwahl haben die Münchnerinnen und Münchner ein großes Interesse gezeigt.

Gehen Sie noch privat auf die Wiesn?
Das lasse ich mal auf mich zukommen. Eigentlich habe ich mit Freunden die gute Tradition, einmal gemeinsam auf die Wiesn zu gehen. Aber ich muss mal schauen, ob das mein Kalender zulässt. Wegen der Olympia-Entscheidung bin ich ja zwei Tage nicht da und auch sonst ist während der Wiesn natürlich viel los.

Das heißt, wenn Sie nicht privat gehen, liegt’s nicht daran, dass Sie Sorge haben, dass zu viele Menschen ein Selfie wollen?
Das hält mich bestimmt nicht davon ab. Ich bin ja auch sonst mit dem Rad und mit der U-Bahn unterwegs. Gestern war ich auf einem Konzert und natürlich wird man da angesprochen, aber das ist immer nett.

Wo trinken Sie Ihr letztes Bier auf der Wiesn?
So wie Dieter Reiter in der Bräurosl, diese Tradition setze ich fort.

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