"Sichere Wiesn": Mitarbeiterin täuscht Überfall vor

Eine Gruppe Männer überfällt und verletzt die 37-Jährige auf dem Heimweg von der Wiesn, so schildert es das vermeintliche Opfer. Die Polizei hat erhebliche Zweifel an der Geschichte.
| Linda Vogt
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Auf dem Heimweg wurde sie von Männern überfallen, so schilderte es das vermeintliche Opfer.
dpa Auf dem Heimweg wurde sie von Männern überfallen, so schilderte es das vermeintliche Opfer.

München - Das Image der Aktion "Sichere Wiesn für Mädchen und Frauen" könnte enorm leiden. Ausgerechnet eine ehrenamtliche Mitarbeiterin steht unter dem Verdacht, einen Überfall erfunden zu haben. Die Polizei ermittelt nun gegen das vermeintliche Opfer, ihre Schilderungen seien "widersprüchlich" und "in keinen sinnhaften Kontext" zu bringen. 

Die Frau selbst hatte den entsprechenden Vorfall gar nicht angezeigt. Die Polizei erfuhr erst über eine Pressemitteilung des Vereins Amyna, einem der drei Träger der Aktion "Sichere Wiesn", und durch Medienberichte davon. Demnach sei die 37-Jährige auf ihrem Heimweg an einem der letzten Wiesn-Tage von einer Gruppe Männern überfallen und verletzt worden. Daraufhin nahm die Polizei die Ermittlungen auf. Das Ergebnis: "Nach dem aktuellen Stand der die Ermittlungen muss davon ausgegangen werden, dass das geschilderte Ereignis in der bekannten Form nicht stattgefunden hat."

Auch zu einer Untersuchungsstelle der LMU hatte sie sich nicht gewannt, obwohl ihr Kolleginnen dazu geraten haben sollen. Rechtsmediziner dokumentieren dort fachgerecht und gerichtsverwertbar Verletzungen und sichern Spuren.

Die Gruppe "Sichere Wiesn" verfolgt ein wichtiges Anliegen: Seit 2003 bieten die Helferinnen Mädchen und Frauen, die sich bedroht fühlen oder sexuell belästigt wurden, eine sichere Anlaufstelle auf der Wiesn. Die Stadt fördert die Aktion.

Vorfall ändert nichts an Förderbedarf

Daran werde sich durch diesen Vorfall auch nichts ändern, betonte eine Sprecherin des Münchner Sozialreferats auf Anfrage der AZ: "Das hat mit der Aktion nichts zu tun. Wir schließen nicht von dem Verhalten einzelner Ehrenamtlicher auf den Förderbedarf eines ganzen Vereins, der sehr gute Arbeit leistet." Die Gruppe müsse den Vorfall intern aufklären und über mögliche Konsequenzen nachdenken.

"Wir sind sehr angespannt", erklärt Maike Bublitz vom Münchner Frauennotruf, als die AZ sie am Donnerstag mit den Aussagen der Polizei konfrontiert. Die Einrichtung steht zusammen mit Amyna und Imma hinter der Aktion "Sichere Wiesn". "Wir haben der Frau geglaubt.", sagt sie. "Unser Auftrag ist es, Frauen nach bestem Wissen und Gewissen Schutz zu bieten" - entsprechend haben die Verantwortlichen damals reagiert. Ermittlungen hingegen seien Aufgabe der Polizei. 

Nun werde intern geprüft, ob und welche Konsequenzen der Vorfall nach sich zieht. Was Amyna zu dem Vorfall sagt, lesen Sie hier. 

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