Seit 25 Jahren vermisst: Der mysteriöse Fall Sonja Engelbrecht

Zuletzt wurde die damals 19-Jährige im April 1995 von ihrem Freund am Stiglmaierplatz gesehen. Seit November 2021 ist klar: Sonja Engelbrecht ist tot. Doch was ist geschehen?
| AZ/dpa
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Sonja Engelbrecht verschwand im Jahr 1995. (Archivbild)
Sonja Engelbrecht verschwand im Jahr 1995. (Archivbild) © privat

München/Kipfenberg - Es war der 10. April 1995, als ihre Familie Sonja Engelbrecht zum letzten Mal sah. Nur wenige Tage vorher hatte sie ihren 19. Geburtstag gefeiert. Die schwarze Hose, die sie an diesem Abend trug, hatte sie sich von ihrem Geburtstagsgeld gekauft, die neue Lederjacke hatte ihre Oma ihr geschenkt. Die junge Frau brach auf, um sich mit einem Freund zu treffen - und verschwand spurlos.

Was an jenem Abend geschah, ist auch heute - mehr als ein Vierteljahrhundert danach - ein großes Mysterium. Doch inzwischen gibt es eine traurige Gewissheit: Sonja Engelbrecht ist tot.

Polizei sucht weiter nach Hinweisen

Ein Waldarbeiter fand 2020 in einem Waldstück bei Kipfenberg im oberbayerischen Landkreis Eichstätt einen Oberschenkelknochen, dessen DNA der Vermissten im November dieses Jahres zugeordnet wurde. Seither sucht die Polizei nach weiteren Hinweisen auf die junge Frau und darauf, wie sie gestorben ist. 100 Bereitschaftspolizisten waren bei der Suche im Wald etwa 100 Kilometer nördlich von München im Einsatz. Sie hatten auch Leichensuchhunde dabei. Es sei bislang aber "nichts Tatrelevantes" gefunden worden, sagte ein Polizeisprecher kurz vor Weihnachten.

Über die Todesursache könne man derzeit keine Aussage treffen, sagte ein Polizeisprecher nach Bekanntwerden des Fundes. Man vermute aber, dass Sonja Engelbrecht einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen sei.

Freund sah Sonja Engelbrecht zuletzt am Stiglmaierplatz

Nach Erkenntnissen der Polizei hatte Engelbrechts Freund sie zuletzt nachts an der Tramhaltestelle am Stiglmaierplatz in München lebend gesehen. Danach gab es Spekulationen, die junge Frau könne entführt und getötet oder an Menschenhändler verkauft worden sein. Eine Homepage, die sich mit dem Verschwinden der jungen Frau befasst, listet verschiedene Theorien auf, was in jener April-Nacht mit ihr passiert sein könnte.

Der Fall Sonja Engelbrecht war jahrelang einer der bekanntesten Vermisstenfälle Bayerns - aber nur einer von sehr vielen. Mehr als 1.600 Menschen werden nach Angaben des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) derzeit in Bayern vermisst - darunter knapp 1.050 minderjährige Kinder und Jugendliche.

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Bundesweit mehr als 8.000 Menschen vermisst

Unter diesen 1.619 Vermissten sind (Stand 1. Dezember 2021) konkret 360 Kinder unter 14 Jahren und 688 Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren. Von insgesamt 571 vermissten Erwachsenen sind den Angaben zufolge 438 unter 60 Jahren alt und 133 über 60 Jahre alt.

Bundesweit werden nach Angaben des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden mehr als 8.000 Menschen vermisst (Stand März 2021). Diese Zahl beinhaltet sowohl Fälle vermisster Personen, die sich innerhalb weniger Tage aufklären, als auch über viele Jahre oder sogar Jahrzehnte Vermisste. Täglich werden laut BKA jeweils etwa 200 bis 300 Fahndungen neu erfasst - und etwa die gleiche Anzahl wegen Erledigung gelöscht.

Hälfte der Vermissten in Deutschland Kinder und Jugendliche

"Erfahrungsgemäß erledigen sich etwa 50 Prozent der Vermissten-Fälle innerhalb der ersten Woche", heißt es vom BKA. Einen Monat nach dem Verschwinden liege die "Erledigungs-Quote" schon bei über 80 Prozent. Nur drei Prozent der vermissten Personen werden länger als ein Jahr vermisst.

Laut BKA sind mehr als zwei Drittel aller Vermissten männlich und etwa die Hälfte aller Vermissten Kinder und Jugendliche. Für ihr Verschwinden gebe es die unterschiedlichsten Gründe, schreibt das BKA: "Probleme in der Schule oder mit den Eltern, Liebeskummer."

Die seltensten Fälle sind so spektakulär wie die jahrelange Suche nach Peggy aus Oberfranken, die nach 15 Jahren mit dem Fund ihrer Leiche endete und deren Tod noch immer nicht geklärt ist. Einige Fälle stellen die Ermittler jahre- oder sogar jahrzehntelang vor Rätsel - wie der Fall Sonja Engelbrecht.

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