Securityleute der IKG: Drogen im Dienst?

Haben Securityleute der Israelitischen Kultusgemeinde bekifft bewaffneten Wachdienst verrichtet? Das berichtet ein Ex-Mitarbeiter. Die Gemeinde weist die Vorwürfe zurück.
| Irene Kleber
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Die Israelitische Kultusgemeinde am Jakobsplatz.
Die Israelitische Kultusgemeinde am Jakobsplatz. © Sigi Müller

München - Die Israelitische Kultusgemeinde München (IKG) wird in diesen Tagen von einem ungeheuerlichen Vorwurf erschüttert.

Unter den Sicherheitsmitarbeitern, die unter anderem die Synagoge, das Gemeindezentrum am Jakobsplatz und einen jüdischen Kindergarten bewachen, seien etliche gewesen, die unter Drogen bewaffneten Dienst verrichteten.

Ehemaliger Securitymitarbeiter eingeschüchtert

So berichtet es ein ehemaliger IKG-Securitymitarbeiter, der rund eineinhalb Jahre dort beschäftigt war, der Abendzeitung. Bereits im vergangenen Herbst habe er den Chef der Securityleute auf seine Beobachtungen aufmerksam gemacht, ohne dass das Konsequenzen gehabt habe.

Er sei zunächst aufgefordert worden, über die Vorgänge zu schweigen. Als er die Fälle bei der Münchner Polizei anzeigen wollte, sei er von den eigenen Leuten über Whatsapp-Nachrichten massiv bedroht und später so in die Enge getrieben worden, dass er selbst die Kündigung eingereicht hat.

Über den Sicherheitsdienst, die Zahl der Mitglieder und ihren Hintergrund wird nicht gern laut gesprochen in der IKG. Die Münchner Gemeinde rekrutiert die jungen Männer direkt in Israel, nahezu alle sind Mitglieder von speziell ausgebildeten Armee-Kampftruppen gewesen.

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In München tragen sie bei der Arbeit eine Pistole. Die Waffe nehmen sie nach dem Dienst in der Regel mit nach Hause, wo sie in einem gesicherten Waffenschrank weggesperrt werden muss.

Der ehemalige Armeesoldat Yakob G. (29, Name geändert) kam im Sommer 2018 aus Israel zur IKG nach München. Man bot ihm ein gutes Einkommen und ein kostenloses Zimmer in einer Wohnung, die er mit einem Kollegen teilte.

Drogen und offen herumliegende Waffen

Dort, so berichtet er, gab es bald Schwierigkeiten: Der Kollege habe oft Freunde in die Wohnung mitgebracht, aber seine Waffe offen herumliegen lassen.

"Ich fand das gefährlich", sagt Yakob G. Er meldete das dem Vorgesetzten – und zog um in eine andere Dienstwohnung. Dort habe sein neuer Mitbewohner "rund um die Uhr zu Hause Marihuana geraucht, oft sogar mit der Waffe in der Hand", sagt Yakob G.

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"Wenn er dann mit roten Augen bewaffnet mitten unter den Kindern im Kindergarten stand, hatte ich oft Angst, dass etwas passiert.." Auch sei innerhalb der Truppe Marihuana gedealt worden, mindestens die Hälfte der Leute habe er beim Drogenkonsum gesehen.

Als G. auch darüber mit seinem Vorgesetzten sprach, habe der nur lapidar gesagt, es sei "völlig normal", dass Securityleute Marihuana rauchen, er solle aufhören, Kollegen anzuschwärzen.

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Beschwerden, aber keine Änderung

Wenig später ist offenbar Mietern im Haus der Kragen geplatzt. In einem anonymen Brief vom 2. November 2019, der an IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch adressiert ist, und der der AZ vorliegt, beklagt sich eine Frau über den starken Marihuana-Geruch im ganzen Haus, den sie ihren Kindern "nicht mehr zumuten" wolle und bittet Knobloch, "eine Lösung" zu finden.

Geändert habe sich nichts. G., so berichtet er der AZ, sei fortan schikaniert und bedroht worden. Unter anderem habe man sein Einkommen gekürzt, ihn aus der WhatsApp-Gruppe entfernt und von Informationen abgeschnitten.

Sein Chef habe ihm 900 Euro und ein Flugticket zurück nach Israel angeboten. Das habe er abgelehnt und schließlich selbst die Kündigung eingereicht.

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"Null-Toleranz-Politik" bei Drogenkonsum?

Vor dem Arbeitsgericht klagt Yakob G. aktuell wegen ausstehender Teile seines Gehalts. Er fordert außerdem eine Entschädigung für die Schikanen einzelner Kollegen. Die IKG hat gestern vor Gericht einen Gütevergleich abgelehnt.
 
Die IKG weist auf AZ-Anfrage die Vorwürfe als "Generalverdacht gegen die Mitarbeiter ihrer Sicherheitsabteilung" zurück. "Die IKG verfolgt in puncto Drogenkonsum eine Null-Toleranz-Politik", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Die Frage danach, wer im Präsidium und im 15-köpfigen Vorstand wann was über die Hinweise gewusst hat, ob Drogentests gemacht wurden oder wie der Vorwurf des Drogenmissbrauchs sonst konkret intern überprüft worden ist, blieb unbeantwortet.   

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