Schlappe von Dieter Reiter: Diese Zahl in der Wählerwanderung überrascht besonders

Die genaue Analyse der Wählerwanderung für die OB-Stichwahl zeigt, wie die Münchner bei der Stichwahl auf Reiters Bayern-Skandal reagiert haben. Und welche Kräfte Dominik Krause mobilisieren konnte.
Jan Krattiger
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War sich Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (vorne) seiner Sache zu lange zu sicher? Am Sonntag hat sein Widersacher Dominik Krause (Grüne), bisher Zweiter Bürgermeister der Stadt, einen überlegenen Stichwahl-Sieg eingefahren.
War sich Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (vorne) seiner Sache zu lange zu sicher? Am Sonntag hat sein Widersacher Dominik Krause (Grüne), bisher Zweiter Bürgermeister der Stadt, einen überlegenen Stichwahl-Sieg eingefahren. © Felix Hörhager/dpa

Die erstaunlichste Zahl des Sonntagabends ist: 104.700. So viele zusätzliche Stimmen konnte der Grüne OB-Herausforderer und Wahlsieger Dominik Krause für die Stichwahl mobilisieren. 

Wo Dominik Krause gewonnen hat

Was besonders überrascht: Wie die frisch veröffentlichte Wählerwanderungsstudie des Statistischen Amts zeigt, kam ein Großteil davon – nämlich 79.900 Stimmen – von der SPD. Keine neuen Stimmen hat Krause laut dieser Studie von der CSU bekommen.  Laut der Analyse gingen von rund 6000 ehemaligen Volt-Stimmen bei der Stichwahl deren 3100 zu Krause. 

Ebenfalls bemerkenswert: 97 Prozent der Wähler aus dem ersten Wahlgang sind auch bei der Stichwahl wieder wählen gegangen. 1,6 Prozent seiner Wähler haben nicht teilgenommen und 1,4 Prozent haben Dieter Reiter gewählt. 

Wo Dieter Reiter verloren hat

Der unterlegene Reiter (SPD) wiederum konnte sein Ergebnis im Vergleich zum ersten Wahlgang nur um 8300 Stimmen verbessern. Laut dem Statistischen Amt hat Reiter von zwei Parteien Stimmen dazugewonnen. Von der CSU, die für die Stichwahl eine Reiter-Empfehlung abgegeben hatte, kamen 99.000 Stimmen, das sind 81.3 Prozent der knapp 122.000 vorherigen CSU-Wähler. Von der AfD kamen bei der Stichwahl ganze 21.700 Stimmen. 

Verloren hat Reiter aber die oben bereits erwähnten 79.900 Stimmen an die Grünen. Und auch 47.000 Wähler, die ihn am 8. März gewählt haben, die aber bei der Stichwahl daheim geblieben sind. Das sind laut dem Statistischen Amt 25,3 Prozent der SPD-Wählerschaft.

Es sind also nur ein Drittel der SPD-Wähler Reiter noch treu geblieben. 40,5 Prozent seiner Wählerschaft hat Reiter an Krause verloren. Oder anders gesagt: Mehr vorherige SPD-Wähler haben bei der Stichwahl Krause gewählt als Reiter. 

Die Enttäuschung bei den SPD-Wählern muss groß gewesen sein: Nur noch ein Drittel seiner Wähler vom ersten Wahlgang haben ihn in der Stichwahl unterstützt. 65,1 Prozent seiner Wähler bei der Stichwahl kamen von anderen Parteien. 

Wer zu Hause geblieben ist

Die Kategorie dieser Nichtwähler ist interessant: 85.900 Wähler sind insgesamt im Vergleich zum ersten Wahlgang am 8.  März daheimgeblieben. Zu dem großen Anteil von SPDlern (jene 47.000) kommen noch 18.000 dazu, die vorher den CSU-Kandidaten Clemens Baumgärtner gewählt haben. Und 8.900 Stimmen von der Linken, die bei der Stichwahl daheimgeblieben sind. Das sind etwa zwei Drittel aller Stimmen, die im ersten Wahlgang zur Linken gingen. 

Wie das Statistische Amt mitteilt, wurde die Analyse erstellt basierend auf einem Verfahren des Statistischen Beratungslabors der LMU und dem Lehrstuhl für Empirische Politikforschung von Professor Paul W. Thurner. 

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